Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

15 Antworten

Die selbe Person wie sonst auch, ich bin ich. Immer. Es gibt verschiedene Facetten von meinem Ich, manche zeige ich anderen Menschen kaum (andere wiederum zeige ich sehr gerne), aber ich bin immer ich und immer authentisch, denn das ist meinem Ich sehr wichtig.

Es gibt Momente, in denen mein Ich auf bestimmte Facetten mehr fixiert ist, als auf andere - weil es das gerade sein muss, bzw, das gerade sinnvoll ist/erscheint, aber auch das bin dann immer ich.

Ohlala die Frage hat es in sich.

"Wenn ich Niemand sein muss"

kann man so verstehen, dass man keine Rolle spielen muss, nicht Jemanden darstellen muss.

Dann kann man ganz bei sich sein, völlig authentisch. Ohne Schmuck, ohne Federn, ohne Titel. Dem ist aber nicht so. Jeder Mensch achtet (machen mehr, manche weniger) auf seine Außenwirkung.

Das merkt man z.B. daran, dass man sich Anlässen entsprechend kleidet, äußere Erwartungshaltungen erfüllt. Auf Arbeit, in der Schule oder beim Studium trägt man beispielsweise völlig andere Kleidung als beispielsweise zu Hause. Auch bei Einladungen folgt man einem bestimmten Dresscode (bei Tante Käthe vermutlich anders als auf einer Vernissage^^). Natürlich immer noch im eigenen Stil, nach eigenem Geschmack. Aber eben doch auf Außenwirkung abzielend.

Ebenso tritt man im Berufsleben anders auf als unter Freunden oder innerhalb der Familie. Auch, wenn jetzt Mancher empört aufschreit, aber ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass jeder in bestimmten gesellschaftlichen Situationen eine Rolle spielt. Die, die von einem erwartet wird und auch die, die am ehesten nützt, um eigene Präferenzen durchzudrücken.

Aber man kann sein Leben so gestalten, dass man sich nicht völlig davon abhängig macht, unbedingt Jemand sein zu müssen, um so im Rahmen gewisser sozialer konventioneller Zwänge trotzdem der zu sein, der man in seinem Denken und Fühlen auch ist und sein möchte.

Man kann es aber auch so verstehen, wer man wäre, wenn man (ein) Niemand sein müsste.

Natürlich verstecken sich Manche gern hinter der Mauer der Unsichtbarkekt, der Unauffälligkeit.

Aber letztlich möchte doch Jeder Mensch für mindestens einen anderen Menschen etwas bedeuten, wichtig sein, wahrgenommen werden.

Das Gefühl, ein Niemand zu sein, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einsam machen wie in einer Blase und führt dazu, sich nicht zu spüren. Ruft man keine Ressonanzen hervor, fehlt das Gefühl der eigenen Existenz - und der Sinnhaftigkeit des Lebens, weshalb man m.E. davon ausgehen kann, dass dies zu Depressionen führt.

Jeder Mensch braucht die Reibung, die Ressonanz, das Korrektiv, das "be- und geachtet werden". Darauf bauen alle sozialen Strukturen auf, damit stehen und fallen sie.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Hey, Sternchen für ne echt gute Frage! :-)

Aaaber: sie hat einen "blinden Fleck", "totenWinkel", eine "unbeleuchtete Rückseite" (des Mondes) - egal - ich versuchs mal mit ner 3-teiligen Gegenfrage bevor die "dicken Bücher" über >Rollentheorie<, >Theorie selbstreferentieller / offener Systeme<, >psychologische Theorien zur Bedingungen von Möglichkeiten einer Selbstwahrnehmung<, >existenzbedingende Wechselwirksamkeit von Denken und Denkgegenstand / Wahrgenommenem und Wahrnehmendem<, >existenzbedingende Wechselwirksamkeit von "Ich" und "Du", usw. usw. .... aufgeschlagen werden.

Also:

a) Könntest du überhaupt "Jemand" (als Persönlichkeitsprofil / identifizierbares "Ich") sein, ohne es zu wollen? - Wärst du überhaupt wenn du nicht (Etwas bestimmtes) sein wolltest? - und

b) Woher (aus welcher Systematik) könnte diese offensichtlich funktionierende "Wollen" entstehen?"

im Fazit:

c) Könnte es sein, dass Leben einfach nur Leben will und bei seiner Selbstentfaltungsspielerei dummerweise Wesen produziert hat, die von sich selbst wissen (Be-Wußt-Sein) und jetzt blöder Weise mit dieser Erkenntnis "leben" und klar kommen "wollen" - und sich in diesem Zusammenhang ständig mit dem Versuch abquälen, eine befriedigende Antwort auf diesen "Naturstreich" zu finden? ;-)

PS: die Frage ist echt gut. Aber sie macht uns dadurch auch klar, dass Strukturen eben Strukturen erzeugen - mehr nicht.

Ansonsten könnte man auch fragen: "Wer wäre ich wenn ich nicht geboren worden wäre?" ;-)

Gruß

Das ist eigentlich eine schöne Frage, denn ich meine zwar, eine gute Vorstellung davon zu haben, wer ich bin, aber sie zeigt mir auf, wie schwierig es ist, mich in Worte zu fassen.

Es hat etwas Meditatives, sich äußere Einflüsse wegzudenken, in sich zu horchen, besonders die, die uns fast unser ganzes Leben lang begleiten.

Am Ende bleibt ein Kern. Das Bild des Kerns ist ganz gut, weil es etwas in sich Konzentriertes ist. Der Kern ist gar nicht so breit gefächert. Aus dem Kern leitet sich vieles andere ab.

Meine steile These ist, dass wir uns im Kern alle gar nicht mal sooo sehr unterscheiden. Das ist, als hätte bei jedem von uns ein kleiner Urknall stattgefunden. Was daraus entstehen kann, ist höchst unterschiedlich.

Dann bin ich das was ich sein möchte !

Ein guter Mensch einfach :)

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