Wenn ein Kernkraftwerk explodieren wurde, hatte man Zeit zu fliehen?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hier mal etwas Grundlegendes zum Unterschied zwischen einer Kernwaffe und einem Kernreaktor :-)

Kernwaffen (Kernspaltungs-Sprengsätze) bestehen aus mindesten 70% Uran-235 oder 95% Plutonium-239 (in konventionellen Kernkraftwerken ist das Uran-235 zu etwa 3%-5% angereichert). Ist die Anreicherung auch nur etwa 3% geringer, ergibt sich eine Frühzündung oder es kommt überhaupt nicht zu einer Explosion.

Weiter spielt der Auslösemechanismus eine sehr wichtige Rolle. Bsp. Was passiert, wenn man ein Häufchen Schwarzpulver anzündet? Es wird recht rasch jedoch überschaubar verbrennen und dabei vielleicht auch etwas Schwarzpulver weg wehen. Was passiert, wenn man nun dieses Schwarzpulver in einem Rohr fest komprimiert und mit einer Lunte entzündet? Es kommt zur Explosion. Es ergeben sich also nur Aufgrund der mechanischen Anordnung zwei recht unterschiedliche Resultate. Dieses Beispiel gilt eigentlich auch 1 zu 1 für Kernwaffen. Formiert man die kritische Masse (siehe Wiki.) zu langsam (mehr als ms), verpufft die Kernexplosion und die kritische Masse wird zerstört, bevor die eigentliche Kettenreaktion ihr volles Potential erreicht. Als Bsp. schau mal unter http://de.wikipedia.org/wiki/Demon_Core .

Aus dieser Erkenntnis ergibt sich also: ein Kernspaltungs-Reaktor kann nicht wie eine Kernwaffe explodieren :-). Das was jedoch passieren kann, ist beim KKW-Unglück von Tschernobyl eingetreten. Die Kettenreaktion stieg auf Grund von Fehlkonstruktion und Fehlbedienung (bei gut konstruierten Reaktoren egal) exponentiell an und ließ so den Reaktorkern durch die Wärme-Ausdehnung aufplatzen. Nach dem Aufplatzen war der Reaktor-Kern unterkrittisch, sodass die Kettenreaktion abriss.

Durch vergleichbar einfache Konstruktionen ist ein Durchgehen des Reaktors, wie das beim KKW Tschernobyl der Fall war, von Grund auf ausgeschlossen. Es sei darauf hingewiesen, dass das nicht durch Mechanik oder andere technische Eingriffe sicher gestellt wird. Ausschließlich durch elementar physikalische Effekte wie den Void-Effekt, Dichte-Abnahme mit steigender Temperatur, Doppler-Verbreiterung, ... wird im Fehlerfall die Sicherheit des Reaktors sicher gestellt. Das funktioniert so gut, das man damit Forschungsreaktoren sicher im Impulsbetrieb fahren kann (siehe ati.tuwien.ac.at/reaktor/ oder en.wikipedia.org/wiki/TRIGA oder im deutschen Wiki unter "TRIGA" und "Void-Effekt")

Schau mal im Netz nach negativer Temperaturkoeffizent, Dopplerverbreiterung, Dampfblasenkoeffizient

Weiter ist es sehr wohl möglich mit Hilfe einer kritischen Anordnung aus reinem Uran-235 eine gepulste Neutronen-Quelle zu haben, ohne das einem die ganze Anlage als Kern-Explosion um die Ohren fliegt. Schau hierzu mal im Netzt nach GODIVA-Reaktor.

Wie gesagt, um eine Kern-Explosion herbei zu führen bedarf es viel Erfahrung mit schneller Kompression (Stichwort: Sprenglinsen, ...), sodass einem die anfängliche nukleare Kettenreaktion nicht gleich die kritische Anordnung zerstört, bevor sie überhaupt eine nennenswerte Stärke angenommen hat. Das ist wie beim Beispiel mit dem Sylvester-Böller.

Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/Demon_Core Beispiel dafür, dass einem eine kritische Anordnung bei versehentlicher Kritikalität nicht explodiert

de.wikipedia.org/wiki/Godiva-Reaktor hochleistungs Puls-Neutronen-Quelle arbeitet mit einer kritischen Anordnung aus 100% angereichertem Uran-235 ohne zu explodieren

de.wikipedia.org/wiki/Kritikalit%C3%A4t - Wikipedia Kritikalität

en.wikipedia.org/wiki/Passive nuclear safety - Wikipedia passive Sicherheit im Kernreaktor

ww.kernfragen.de/kernfragen/lexikon/d/dopplereffekt.php

de.wikipedia.org/wiki/Dampfblasenkoeffizient - Dampfblasen-Koeffizient

ww.kernenergie.de/kernenergie-wAssets/docs/service/623tschernobyl 2011.pdf - negativer Dampfblasen Koeffizient, wie wichtig ist es, das dieser Koeffizient negativ ist. Vergleich Tschernobyl zu deutschen Reaktoren

ww.nuceng.ca/br space/class/Module3C Temp&VoidJun21.pdf - Grundlage zur Reaktor-Sicherheit am Bsp. des kanadischen CADU-Reaktors

PS. Aufgrund der Wärmeausdehnung der nuklearen Anordnung, ist es übrigens nicht einfach eine Kernwaffe zu bauen.

@ArturPolnik: Vielen Dank für Deine Beurteilung :-)

0

8 Kilometer ist schon ein bisschen nah.
Bei uns gibt es auch ein Atomkraftwerk in der Nähe ca. 70 Kilometer Luftlinie entfernt.

Es ist das Atomkraftwerk Tihange was langsam auseinander fällt aber laut der belgischen Atomaufsichtsbehörde völlig sicher wäre.

Klar hier arbeiten auch nur Leute die schon mal in dem Atomkraftwerk gearbeitet haben.

Die haben mal gesagt das die Wolke ca. in zwei Stunden bei uns wäre je nach Windgeschwindigkeit.

Die Städteregion bei uns und Greenpeace in Belgien und zahlreiche andere Politiker haben schon Klage eingereicht.

Fragt sich nur wie weit man fliehen müsste.
Bis zu meinen Eltern wäre es ca. 30 Kilometer also ca. 15-20 Kilometer Luftlinie.

also wenn das explodiert, stirbst du wahrscheinlich mit alss erster... wenn die strahlung langsam austritt hast du wohl auch keine chance, aber denk nicht über sowas nach. Es gibt so viel was passieren könnte, wodurch du plötzlich stirbst. vertrau darauf, dass alles gut werdenwird oder zieh um ;)

ach und im zweifel solltest du froh sein, wenn du sofort stirbst, alles andere ist ein sehr leidvoller tod

Es ist so, Atomkraftwerke in Deutschland sind die besten der Welt. Ich hatte bzw. habe Strahlenangst auch... Die müssen wir nicht haben denn: - Deutschlands AKWs sind total sicher - Die Mitarbeiter sind super ausgebildet - Eine Kernschmelze bzw. ein GAU ist ein langer Prozess. Selbst bei Fukushima ( das ist sooo krass das etwas ähnliches hier nichtmal passieren kann) hat es länger gedauert bis viel Radioaktivität ausgetreten ist. Das heißt Zeit hat man schon zu fliehen in DE gibt es aber sowas wie den Katastrophenschutz der dich innerhalb von 24h (etwa solange hat man Zeit bis es richtig los geht) evakuieren kann. - Alle AKWs in DE befinden sich im Nachbetrieb und bis jetzt ist noch nichts passiert in AKWs die im Nachbetrieb sind - Die AKWs werden spätestens 2022 abgeschaltet ES WIRD NICHTS PASSIEREN 😘 Keine Angst

so einfach explodiert ein AKW nicht. Das schlimmste was passiert, ist ein GAU (bzw. Super GAU).

Ein AKW ist keine Atombombe. Bei einem GAU wirst du nicht unmittelbar sterben, eher an den Folgen der Strahlung über längere Zeit, und 8KM reichen dir da nicht.

Was möchtest Du wissen?