Welchen Sinn hat es heute noch, in der Schule Latein zu lernen?

11 Antworten

Meine Latein-Kenntnisse haben mir sehr oft geholfen, bestimmte Begriffe unmittelbar zu verstehen, wenn ich allein an die Etymologie der Begriffe denke. Wenn ich mich sehr konzentriere, kann ich damit sogar oft die italienische und spanische Sprache verstehen, zumindest den wesentlichen Inhalt. Und es hilt mir sehr beim Erlernen anderer romanischer Sprachen (übrigens, ich habe Latein und Französisch in der Schule gelernt).

Pro Latein:

  1. Man hat es beim Erlernen sämtlicher romanischer Sprachen und bezüglich des Wortschatzes einiger anderer Sprachen erheblich leichter
  2. Viele Fremdwort erschließen sich so von selbst
  3. An Latein lässt sich sehr gut das Wesen der Grammatik erlernen und verstehen; natürlich ist die Grammatik von Sprache zu Sprache unterschiedlich, aber bei allen lebenden Sprachen ist die Versuchung groß, zur Not auch ohne Grammatik loszuplappern, während es bei Latein in der Regel an geeigneten Gesprächspartnern bzw. gar Muttersprachlern und Einheimischen fehlt und man sich so mehr auf die gründliche Erforschung der Strukturen konzentrieren kann - das hat etwas von Mathematik! Ich habe Sprachen studiert (keine romanischen, sondern orientalische, die an sich keine Verbindung zu Latein haben) und kann nur sagen, dass Latein mir sehr dabei geholfen hat und ich es nicht missen möchte.

Logonaut  16.05.2007, 22:37

DAS BRINGT ES EXAKT AUF DEN PUNKT!! Super Antwort!!

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DennisKo123  30.01.2014, 19:12

Übrigens das Latein, dass man heutzutage in der Schule eingeredet kriegt ist keine Sprache. Es ist nur eine Schriftart

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Pro: 1. Die romanischen Sprachen lernen sich mit Latein als Grundlage leichter.

  1. Miss Superhirn sagte es schon: Latinum im Studium nachzuholen, ist die Hölle!

  2. Man steht so schön gebildet da, wenn man lateinische Zitate auf Tasche hat (o.k. die kann man auch so lernen - aber man versteht auch besser, was die andern so daherreden!) - alte "Lateiner" fühlen sich auf langweiligen Stehparties sehr verbunden miteinander!

  3. Seeehr hilfreich bei "Wer wird Millionär?"!!!!

Kontra: O.k. die Zeit zum Lateinlernen fehlt dann für andere Fächer. Aber ich hätte liebend gerne Religion gegen Latein eingetauscht (hatte 10 Jahre Realschule und erst die letzten 3 Jahre Gymnasium) oder auch die zwei Jahre Französisch, die ich auf dem Gymnasium belegen musste. Da haben wir nämlich genau dasselbe wiedergekäut, was ich schon in der Realschule hatte. Übrigens: Mein Französisch ist heute praktisch null. Lateinvokabeln lerne ich im täglichen Leben immer noch dazu, z.B. bei der botanischen Bezeichnung von Pflanzen usw.

Über die Notwendigkeit zum Studium wurde hier leider viel falsches (veraltetes) gesagt.

An der Uni Würzburg ist Latein noch für folgende Fächer notwendig (kann aber auch oft im Studium nachgeholt werden):

  • Lehramt Gymnasium (Deutsch, Englisch, Französisch, Geschichte, Italienisch, Spanisch, Religion)
  • Theologie
  • Geschichte
  • Archäologie
  • Musikwissenschaft
  • Kunstgeschichte
  • einige Philologische Studiengänge

Diese Liste ist komplett (für die Uni Würzburg).*** Insbesondere die genannten Fächer Jura, Medizin oder Pharmazie, Biologie oder Chemie erfordern kein Latein. ***

Bei den Lehramtsstudiengängen kommt man durch Latein nicht unbedingt um das Lernen einer zweiten aktiven Fremdsprache "drumherum". So braucht auch der Englischlehrer Englisch, Latein und eine weitere Fremdsprache.

Wer noch nicht weiß, was er später mal studieren will, sollte zumindest auf die Häufigkeit der genannten Fächer schauen. Und abgesehen von Lehramt und Theologie sind die Jobaussichten in diesen Fächern eher schwierig.

Quelle: https://www.uni-wuerzburg.de/fuer/studierende/zsb/info/latinum_graecum_hebraicum/

Kontra Latein: die Grammatikochserei treibt viele Schüler zur Verzweiflung und überlagert, zumindest an Schulen mit starker humanistischer Prägung, manchmal sogar ihre Aufnahmefähigkeit für das System ihrer Muttersprache (das sich nicht ausschließlich mit Begriffen aus der Lateingrammatik erklären lässt, wie einige D/L-Lehrer vielleicht immer noch meinen).

Pro Latein: die Sprache lag nun mal mit in der Wiege unserer Zivilisation. Ab einem bestimmten Bildungsniveau kommt keiner ohne das Verständnis von Begriffen lateinischen Ursprungs, ob mit Umweg über das Englische/Französische oder nicht, aus. Manchmal glaube ich: je neuer die Wissenschaft, desto "lateinischer" - Auch wenn man sich nach der Schule alle Mühe gibt, das vermutlich ungeliebte Latein schnell zu vergessen: es kann jederzeit durch einfaches Nachschlagen wieder reaktiviert werden, Nachlernen als Erwachsener: sehr schwer. NB: Ähnliches gilt natürlich für Altgriechisch.