Was waren die Möglichkeiten und Entlohnung eines Gladiators?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Möglichkeiten des Freikaufs

Die Möglichkeiten eines Freikaufs waren nicht für alle Gladiatoren genau gleich. Es ist bei der Untersuchung zwischen verschiedenen Gruppen zu unterscheiden:

1) freiwillige Gladiatoren

2) unfreiwillige Gladiatoren

a) versklavte Kriegsgefangene

b) Sklaven, die zum Gladiatorendienst verurteilt wurden (scheint bis ins 1, Jahrhundert n. Chr. Recht jedes Sklavenbesitzers gewesen zu sein; spätere Verordnungen bestanden auf einer Verurteilung durch ordentliche Richter des römischen Staates; seut dem späten 4, Jahrhundert erfolgte dann eine damnatio in ludum/damnatio ad ludum/damnatio ad ludos nicht mehr durch den Staat)

c) als Strafe wegen Verbrechen Verurteiltefreiwillige Gladiatoren

Für einen freiwilligen Gladiator bestand zumindest die Möglichkeit eines Freikaufs, ohne irgendeine Mindestfrist.

Ein freiwilliger Gladiator hatte sich duch einen Vertrag mit einem Gladiatorenunternehmer/-meister (lanista), den Leiter einer Gladiatorenschule/Gladiatorenkaserne (ludus gladiatorius), zum Gladiatorendienst verpflichtet. Ein freiwilliger Gladiator behielt die rechtliche Stellung eines Freien, gab aber durch den Vertrag und seinen Gladiatoreneid seine Freiheitsrechte gegenüber dem lanista auf und unterwarf sich dessen Disziplinargewalt.Ein solcher freiwilliger Gladiator wurde auctoratus genannt (auctoratus = für Geld/Lohn verdingt/vermietet; Plural: auctorati; der Vertrag kann auctoramentum genannt werden).

Eine Freilassung bedeutet in Bezug auf einen freiwilligen Gladiator eine Entlassung aus dem Gladiatorendienst/der Gladiatorenschule.

Sein Gladiatorendienst endete nach der vertraglich festgesetzten Zeit bzw. Anzahl der Kämpfe.Ein ausdrückliches Recht auf jederzeitigen Freikauf scheint nicht direkt aus der Überlieferung bekannt zu sein. Vertagsstexte im Wortlaut sind nicht überliefert. Aber es war für einen freiwilligen Gladiator anscheinend möglich, jederzeit, nicht erst nach Ablauf einer bestimmten Zeit, vom Gladiatorendienst loszukommen, indem er den durch den Vertrag erhaltenen Geldbetrag zurückzahlte bzw. andere (z. B. Verwandte oder Freunde) die Summe für ihn zurückzahlten. Eventuell war es nötig, sich mit einigem Bemühen und geschickter Argumentation dafür einzusetzen. Eine Befreiung aus dem Gladiatorendienst vor Ablauf des Vertrages ist bei Quintilian, Institutio oratoria 8, 5, 12 und Artemidor 5, 58 erwähnt.

Christian Mann, Die Gladiatoren. Originalausgabe. München : Beck, 2013 (Beck'sche Reihe ; 2772 : C. H. Beck Wissen), S. 51:

„Üblicherweise nach drei Jahren wurden die unfreien Gladiatoren aus dem Dienst entlassen, die auctorati nach der vertraglich festgesetzen Zeit oder Kampfzahl. Erkennungszeichen der ausgedienten Gladiatoren war der rudis, ein Holzstab. Zumeist bleiben die Veteranen der Arena verbunden, indem sie als Ausbilder oder Schiedrichter tätig waren.“

Christian Mann, „Um keinen Kranz, um das Leben kämpfen wir!" : Gladiatoren im Osten des Römischen Reiches und die Frage der Romanisierung. Berlin : VA, Verlag Antike, 2011 (Studien zur alten Geschichte ; Band 14), S. 90:

Auctorati verpflichteten sich für eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Anzahl von Kämpfen und erhielten dafür einen Geldbetrag. Sie konnten auch schon vor Ablauf des Vertrages aus dem Gladiatorendienst befreit werden, wenn Familienangehörige oder Freunde eine ensprechende Summe aufbrachten. Quintilian führt den Fall an, daß ein Gladiator mehrfach von seiner Schwester ausgelöst wurde. Artemidor nennt einen auctoratus, der auf energisches Betreiben seiner Freunde aus dem Dienst entlassen wurde.“

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : das Spiel mit dem Tod. Mainz am Rhein : von Zabern, 2008, S. 25:

„Die Freilassung eines Gladiators geschah gewöhnlich durch Verleihung des Holzstabes (rudis), wodurch er zum rudiarius […] wurde oder indem er sich freikaufte bzw. freigekauft wurde. In unbegrenzter Unfreiheit befanden sich Gladiatoren, die als Sklaven oder Verurteilte in einen ludus gekommen waren.“

S. 186 erklärt er zum rudis der Freilassung, es sei kein Holzschwert gewesen, sondern (nach einigen Grabstelen) ein Holzstab, das ein flaches, wie ein kleines Spatenblatt aussehendes oberes Ende besaß und wohl eine entsprechende Beschriftung trug.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Albrecht
08.12.2015, 08:04

unfreiwillige Gladiatoren: Sklaven

Kriegsgefangene, die als Gladiatoren kämpften, waren versklavt und hatten kein Anrecht auf Freikauf. Es konnte höchstens eine Begnadigung geben. Ihre rechtlichen Möglichkeiten waren die von Sklaven.

Thomas Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren : die Macht der Spiele im antiken Rom. Aus dem Englischen von Nicole Albrecht. Darmstadt: Primus-Verlag 2001, S. 111:

„Besiegte Feinde als Gladiatoren kämpfen zu lassen, hatte eher den Zweck, diesen Männern die Möglichkeit zu geben, ihr Leben zurückzugewinnen, indem sie zeigten, dass sie außergewöhnlich tapfer waren: Gelegentlich wird von Kriegsgefangenen berichtet, die das römische Publikum durch ihren Kampfgeist derart beeindruckten, dass ihnen das Leben geschenkt wurde und sogar ihre Freiheit, wie beispielsweise einige der Briten, die Claudius während seiner Besetzung des südlichen Britanniens im Jahre 43 n. Chr. gefangen genommen hatte.“ Quelle: Cassius Dio 60, 30, 3

Sklaven, die als Gladiatoren kämpften, konnten sich nicht einfach freikaufen. Sklaven konnten nur mit Zustimmung ihrer Herren Eigentum besitzen. Sklaven hatten kein uneingeschränktes Eigentum. Ihre Herren konnten ihnen ein Sondervermögen (peculium) gewähren. Gagen und Gewinnpreise als Gladiator konnten dann dort einfließen.

Ein Freikauf eines Gladiatoren, der Sklave war, war nur bei Bereitschaft seines Herrn (in der Regel ein Gladiatorenunternehmer/-meister [lanista]) möglich. Eine feste Geldsumme wird dafür nicht genannt, es war nicht genau festgesetzt, wieviel zu zahlen war.

Informationen zur Freilassung (manumissio) von Sklaven allgemein:

Leonhard Schumacher, Sklaverei in der Antike : Alltag und Schicksal der Unfreien. München : Beck, 2001 (Beck's archäologische Bibliothek), S. 291 - 302

Gottfried Schiermann, Freilassung C. Rom. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 4: Epo – Gro. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1998, Spalte 654 – 656

Testamentarische Freilassung (manumissio testamento) führte entweder unmittelbar beim Tode des Erblassers zur Freiheit oder konnte auch davon abhängen, daß der Sklave dem oder den Erben einen Preis bezahlte.

Unter Augustus ergingen Gesetze zur Beschränkung der Freilassung. Nach der Lex Futia Caninia (2 v. Chr.) durfte testamentarisch nur ein bestimmter, gestaffelter Anteil der Sklaven freigelassen werden, z. B. von 30 Sklaven nur 10. Nach der Lex Aelia Sentia (4 n. Chr.) war z. B. Freilassung zum Zweck der Benachteiligung von Gläubigern nichtig. Dasselbe galt regelmäßig für Freilassung, der Herr im Alter unter 20 Jahren vornahm. Bei praetorischer Freilassung wurde das Mindestalter des Sklaven auf 30 Jahre festgesetzt.

Andere Freilassungshandlungen außer Testament waren eine Rechtshandlung bei einem Magistraten, Eintragenlassen in das Bürgerverzeichnis, Freibrief oder Willenserklärung vor Zeugen.

Sklavenbesitzer konnten aus Geschäftsgründen Sklaven an einen Gladiatorenunternehmer/-meister (lanista), den Leiter einer Gladiatorenschule (ludus gladiatorius), verkaufen oder ein solcher Verkauf eine besondere Art von Strafe darstellen.

Der Sklave hatte als Gladiator ein Risiko, vor dem Ansammeln einer Menge an Gagen und Preisgeld zu sterben.

Freilassungen von Gladiatoren hat es gegeben. Eine Aussage, wie häufig eine Freilassung gelungen ist, hängt auch von der Deutung von Inschriften ab, in denen Gladiatoren/ehemalige Gladiatoren als lib. (oder eine entsprechende Abkürzung in der griechischen Sprache) bezeichnet werden (die Bedeutung des vollständigen Wortes kann allgemein Freier oder Freigelassener sein, je nach Deutung, wie die Abkürzung in einem Fall zu ergänzen ist).

Marcus Junkelmann, Gladiatoren : das Spiel mit dem Tod. Mainz am Rhein : von Zabern, 2008, S. 25:

„Die bis heuet in ihrer Deutung umstrittene Abkürzung lib., die auf vielen Gladiatorengrabsteinen auftaucht, kann einen Freien (liber) oder einen Freigelassenen (libertus) meinen.“

2
Kommentar von Albrecht
08.12.2015, 08:05

Thomas Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren : die Macht der Spiele im antiken Rom. Aus dem Englischen von Nicole Albrecht. Darmstadt: Primus-Verlag 2001, S. 128:

„Die Hinweise in Rechtstexten auf Freigelassene, die Gladiatoren gewesen sind, veranschaulichen nicht nur das Bedürfnis der Gesellschaft, die Unterscheidungen zwischen normalen Bürgern und früheren Gladiatoren aufrechtzuerhalten, sondern zeigen auch, dass frühere Gladiatoren in die bürgerliche Gesellschaft integriert werden konnten. Während die Gesetze festschrieben, dass diejenigen, die ad ludos verurteilt worden waren, niemals römische Bürger werden konnten, konnten Sklaven-Gladiatoren zu Freien werden, wenn sie sich verpflichteten, für ihren früheren Besitzer in operae zu kämpfen. Wenn Sklaven-Gladiatoren sich dafür entschieden, wieder zu kämpfen, nachdem sie ihre Freilassung erlangt hatten, dann wahrscheinlich deshalb, weil sie keine andere Möglichkeit hatten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, oder weil sie, wenn sie erprobte und vom Publikum hoch geschätzte Kämpfer waren, auf beträchtliche finanzielle Entlohnung hoffen durften.“

Quellenverweis: zu operae vgl. Callistratus, Digesten 38, 1, 38

Karl Schneider, Gladiatores. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft : RE Supplementband III. Aachen bis ad Iuglandem. Stuttgart : Druckenmüller, 1918, Spalte 775

:„Unter welchen Bedingungen und nach welcher Wartefrist Berufsfechter aus dem Sklavenstande vom Auftreten entbunden oder gar freigelassen werden konnten, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls aber kamen solche Fälle vor wie Beischriften lib. l. ἐλευ. ἐλ. hinter G.-Namen auf Inschriften beweisen.“ Die Abkürzungen seien wahrscheinlich zu liberatus - ἐλευθερωθείς zu ergänzen.

2
Kommentar von Albrecht
08.12.2015, 08:07

unfreiwillige Gladiatoren: als Strafe wegen Verbrechen Verurteilte

Wer als Bestrafung wegen Verbrechen zum Kämpfen als Gladiator verurteilt worden waren, hatte keine rechtliche Erlaubnis, sich entgegen dem Urteil freizukaufen (denkbar ist nur eine Aufhebung des Urteils durch Revision oder Begnadigung).

In der späteren Kaiserzeit gab es die Möglichkeit, nach ein paar Jahren (falls dann noch lebendig) die Freiheit wiederzugewinnen. In der späten römischen Kaiserzeit war in der Praxis eine Beendigung des zwangsweisen Gladiatorendienstes nach 3 Jahren üblich und nach 5 Jahren ein Wiederbekommen der vollen Freiheit.

Christian Mann, Die Gladiatoren. Originalausgabe. München : Beck, 2013 (Beck'sche Reihe ; 2772 : C. H. Beck Wissen), S. 38:

„Im ersten nachchristlichen Jahrhundert wurde in den Strafenkatalog des römischen Rechts die Verurteilung in die Gladiatorenkaserne (damnatio in ludum) aufgenommen. Nach diesem Urteil wurden die Delinquenten entweder in die kaiserlichen Gladiatorenkasernen eingewiesen oder an einen lanista verkauft. Diese Strafe wird häufig mit der «Verurteilung zum Schwert» (damnatio ad gladium) verwechselt, doch dabei handelt es sich um zwei strikt voneinander zu unterscheidende Strafen, wie der römische Jurist Ulpian (ca. 170–223 n. Chr.) erläutert: Die Verurteilung «zum Schwert» war eine Form der Todesstrafe, die innerhalb eines Jahres vollstreckt werden musste, häufig in der Arena. Die «zur Gladiatorenkaserne» Verurteilten hingegen erhielten eine Ausbildung zum Gladiator, und trotz aller Lebensgefahr hatten sie die Chance, zu überleben und wieder in die Gesellschaft integriert zu werden. Denn nach Ulpian endete ihr Zwangsdienst als Gladiator nach drei Jahren; wenn sie diese Zeit überstanden hatten, erhielten sie einen Holzstab als Zeichen der ausgedienten Gladiatoren. Noch zwei weitere Jahre mussten sie bei ihrem lanista verbleiben, beispielsweise als Ausbilder der neuen Rekruten, dann erlangten sie ihre volle Freiheit wieder. In der Praxis wurde die Strafe manchmal noch abgemildert: Plinius der Jüngere (61/62–ca. 115 n. Chr.) berichtet in einem Brief an Trajan, dass in der Provinz Bithynien am SchwarzenMeer die Sitte eingekehrt sei, die in ludum Verurteilten nicht als Gladiatoren kämpfen zu lassen, sondern als Gemeindesklaven einzusetzen, zum Beispiel in der Putzkolonne. Dies allerdings ging dem Kaiser zu weit: Trajan verfügte, dass alle Verbrecher ihrer ursprünglichen Strafe zugeführt werden sollten, sofern die Verurteilung nicht länger als zehn Jahre zurücklag.“

Plinius, Epistulae 10, 31 – 32

Christian Mann, „Um keinen Kranz, um das Leben kämpfen wir!" : Gladiatoren im Osten des Römischen Reiches und die Frage der Romanisierung. Berlin : VA, Verlag Antike, 2011 (Studien zur alten Geschichte ; Band 14), S. 89 Anm. 6:

„Coll. 11, 7, 4 est autem differentia inter eos, qui ad gladium, et eos, qui ad ludum damnantur: nam ad gladium damnati confestim consumuntur vel certe intra annum debent consumi: hoc enim mandatis continetur. enimvero qui in ludum damnantur, non utique consumuntur, sed etiam pileari et rudem accipere possunt post intervallum, siquidem post quinquennium pileari, post triennium autem rudem induere eis permittitur. („Es gibt aber einen Unterschied zwischen denjenigen, die ad gladium, und denjenigen, die ad ludum verurteilt werden. Denn die ad gladium Verurteilten werden unverzüglich hingerichtet oder müssen innerhalb eines Jahres hingerichtet werden. Die in ludum Verurteilten hingegen werden nicht hingerichtet, sondern können nach einem gewissen Zeitraum auch die Freiheit erlangen und die rudis erhalten, weil ihnen ja gestattet ist, nach fünf Jahren die Freiheit zu erlangen, nach drei jahren aber die rudis zu nehmen.“)“

Coll. = Collatio legum Mosaicarum et Romanarum

2
Kommentar von Albrecht
08.12.2015, 08:08

Thomas Wiedemann, Kaiser und Gladiatoren : die Macht der Spiele im antiken Rom. Aus dem Englischen von Nicole Albrecht. Darmstadt: Primus-Verlag 2001, S. 112:

„ Der Verbrecher, den man ad ludos verurteilt hatte, war zwar gesellschaftlich ein „toter Mann“, hatte aber die Chance, wieder „lebendig“ zu werden. In der spätrömischen Collatio Mosaicorum et Romanarum Legum, die Ulpian zitiert, ist von der Möglichkeit die Rede, dass ein Verbrecher, den man ad ludos verurteilt worden war, nach drei Jahren die Erlaubnis erhielt, sich vom Kämpfen zurückzuziehen und dass er nach fünf Jahren sogar seine Freiheit geschenkt bekäme. Natürlich galt dies nur, wenn der Gladiator die Kämpfe, zu denen er gezwungen werden überlebte: Aber auch bei anderen Strafen wie beispielsweise harter Arbeit in den Bergwerken (bei Verurteilung ad opus oder ad metallum) dürften die Überlebenschancen nicht sehr groß gewesen sein. Der jüngere Plinius setzt zur Zwangsarbeit Verurteilte gleich mit denen, die dazu verurteilt waren, als Gladiatoren zu trainieren, wenn er Trajan berichtet, dass viele solcher Sträflinge es tatsächlich vermieden hatten, die Strafe auf sich zu nehmen, zu der sie, vermutlich von römischen Statthaltern in Bithynien, verurteilt worden waren.“ Quellen: Collatio legum Mosaicorum et Romanarum 11, 7, 4; Plinius, Epistulae 10, 31

2

Sie mussten nicht zu den anderen Sklaven in den Steinbruch.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?