Was sollen wir aus der Ödipus-Sage lernen?

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6 Antworten

Was daraus gelernt werden kann, hängt von der Deutung der Tagödie ab, bei der es beträchtliche Unterschiede gibt.

Ödipus erleidet ein schlimmes Schicksal durch sehr unglückliche Umstände, wobei er aber auch durch eigenes falsches Verhalten einen Anteil daran hat. Obwohl er durch ein Orakel vorgewarnt war, hat er einen Mann getötet, der der Alter nach sein Vater sein konnte, und eine Frau geheiratet, die seine Muter sein konnte.

Er war kein böser Mensch, hat sich aber - durch einen vorangegangenen Übergriff provoziert - im Zorn hinreißen lassen bzw. aus Freude über die neue Stellung als König von Theben bei der Heirat nicht vorsichtig genug durch genauere Erkundungen achtgegeben.

Als Jahre später die Pest ausbricht, verrennt er sich imer mehr aus Sturheit, Verliebtheit in die Herrscherstellung und Eitelkeit über seine Intelligenz und ist in seiner lange anhaltenden Verblendung nicht wirklich bereit, auf Hinweise anderer zu hören. Dabei hat er gute Absichten, die Angelegenheit durch rationale Überlegungen aufzuklären und für das Wohl der Stadt zu sorgen.

An dem Unglück haben also menschliche Charakterschwächen einen Anteil. Die ganz unverhältnismäßigen Folgen können Mitleid und Erschrecken auslösen. Ein Lernen ist in der Richtung möglich, grundsätzlich auch nicht vor solchen Schwächen sicher zu sein und die Bedeutung der Kultivierung von Affekten zu erkennen.

Ich finde eure Ansichten sehr interessant. Ich bin der Meinung, dass wir alle erkennen sollen, dass auch in uns der Charakter des Ödipus steckt.Wir denken, wir kennen uns und unser Inneres . Die Ödipus tragödie macht uns klar, dass sich unser Leben von einer Sekunde auf die andere stark negativ verändern kann. Wir sollen lernen an solchen Situationen nicht zugrunde zu gehen.

Moralische Schuld setzt das Bewußtsein der Tat voraus. Man kann nur für Dinge die Verantwortung tragen, die man hätte abwenden können oder die man bewußt begangen hat.

In der griechischen Teit sagte es aber auch aus, daß man seinem eigenen Schicksal nicht entfliehen kann, egal was man probiert. Der Mensch kann sich nicht erfolgreich gegen die Götter und sein Schicksal auflehnen.

Vielleicht sollen wir daraus lernen, dass man Menschen nicht für Dinge verurteilen soll, für die sie oft nichts können. Ödipus beispielsweise hatte keine Ahnung, was er mit seinem Handeln anrichtete. Obwohl er die schlimmsten Tabus (Inzest, Vatermord) brach, konnte man ihn eigentlich nicht dafür verantwortlich machen. War eben eine schicksalhafte Verstrickung. Heute würde man vielleicht sagen, dass er ein Opfer der Umstände war und nicht im eigentlichen Sinne schuldig.

das ist ein guter Gedanke. Danke . DH

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Der Mensch führt seine Zukunft selbst herbei - vor allem, wenn er eine Vorstellung davon hat, wie die Zukunft aussieht (Orakelspruch). Den gleichen Gedanken veranschaulicht der Film Paycheck.

Die Psychologie hat für sich daraus den Ödipus Komplex entlehnt. Ein Mann, der von seiner Mutter nicht loskommt.

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