Was sind Traditionelle Werte und was sind moralische Normen (wie lassen sich diese definieren) und was sind deren wesentliche Unterschiede?

3 Antworten

Moralische Normen gehören zu den Gruppennormen. Das sind Verhaltensvorschriften, die nicht von einem Gesetzgeber schriftlich fixiert sind, aber innerhalb eines gewissen Spielraums eingehalten werden müssen. Wird dieser Spielraum überschritten, so wird der Verstoß von der Gruppe kollektiv sanktioniert. Das System der Gruppennormen wird gerechtfertigt durch überlieferte (traditionelle) Werte. Sie sind also der theoretische Überbau über der praktischen Anwendung der Normen.

So würde ich den Unterschied definieren. Genaueres, bzw. besseres, findet sich sicher in der Literatur der Sozialpsychologie.

Kurz:

Traditionelle Werte sind z.B. dass man in einer Ehe treu bleibt, seine Kinder mal die Stelle der Eltern antreten oder man z.B. jedes Jahr eine Familienfeier ausrichtet oder den Ehering seiner Großeltern weiter reicht bei der Hochzeit.

Moralische Normen sind z.B. das man einer Frau die Tür aufhält, beim Essen manieren zeigt, älteren Leuten einen Platz in einer vollen U-Bahn anbietet oder sich für die Umwelt (und damit die nächsten Generationen) einsetzt (Nachhaltigkeit).

Unterschied: Oft nicht ganz eindeutig (außer vielleicht bei Begriffsdefinitionen) aber im Wesentlichen ist es bei traditionellen Werten öfters Familien und Generationenbezogen (z.B. in Dörfern mit Ritualen usw.) und bei moralischen Normen ein Verhaltensmuster im Alltag.

Schönen Sonntag noch :D.

Die moralischen Werte sind aus der Ethik einer Gesellschaft abgeleitet. Zur Ethik gehören die Verhaltensnormen, die für das gute Zusammenleben der Gemeinschft förderlich sind. Dazu gehören z.B. die Leitlinien der zehn Gebote mit allen ihren Differenzierungen und Auslegungsvarianten.
So ist es z.B. unerlässlich, dass das Privateigentum eines Individuums als unantastbar deklariert wird, weil eine alternative Gewohnheit, dass jeder ständig jedem anderen alles wegnehmen darf, zu unendlichen Konflikten mit einer Aufzehrung von Lebensenergie und Lebenszeit führen würde. Damit würde eine solche Gruppe kaum noch Freiräume für Nahrungsbeschaffung, Kinderversorgung und Gestaltung ihres Lebensraums oder gar zur Abwehr von natürlichen Belastungen haben.
Auch der Respekt vor den Eltern (viertes Gebot) ist lebensdienlich, weil in der Regel sie es sind, die durch die Tatsache, dass sie "noch" leben und ihre Kinder erfolgreich großgezogen haben, bewiesen haben, dass sie über erfolgreiche Strategien verfügen, die dieses Überleben ermöglichten. Wenn Kinder also in Opposition zu den Weisungen der Eltern traten, gebot es die Moral, dass den Eltern entsprochen wurde, weil das die bewährtere Strategie war. Dass in unserer sehr schnell sich weiterentwickelnden Welt dieses traditionelle Prinzip nicht immer stimmig ist, ist eine neue Entwicklung und erzeugt dadurch Disskussionsbedarf.
Traditionelle Werte sind nun nur noch partiell überlebensfördernd, sondern sie dienen vielmehr der Identitätsstabilisierung. Sich einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen, sozusagen eine Einbettung in eine bestimmte Gemeinschaft mit einem ganzen Kanon an Gebräuchen zu erleben, schafft ein Gefühl der Geborgeheit und Sicherheit. Nur wenn sich der Mensch sicher fühlt, kann er seine Kreativität entfalten, was für jede Gesellschaft ein großes positives Potential darstellt. Mit diesen Traditionen definieren sich die Gruppen und grenzen sich auch gegen andere rivalisierende Gemeinschaften ab. Das fürt dann meist zu einem relativ friedlichen Wettbewerb, der wiederum stimulierend wirkt. Trachten, Festtage, Gebräuche bei der Nahrungsgewinnung und Nahrungszubereitung, Heiratsrituale, Formen der Totenbestattung und Totenvereherung sowie die Ausdrucksformen des Religiösen gehören zu den traditionellen Werten.

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