was ist ein " existenzialist"?

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5 Antworten

Ein Existenzialist ist jemand, der die philosophische Richtung des Existentialismus vertritt, und jemand, der sein Leben danach führt.

Im Mittelpunkt steht dabei das Thema der Existenz. Menschen werden als in ihrer Bestimmung offen verstanden. Sie bestimmen sich durch ihr Handeln. Es gibt nach dieser Auffassung kein vorausgehendes allgemeines Wesen des Menschen, bei dem das Individuum einfach Exemplar eines allgemeinen Wesensbegriffs ist. Das Dasein (die Existenz) geht dem Wesen (der Essenz) voraus. Menschen erfinden sich gleichsam selbst und entwerfen sich auf die Zukunft hin. Existenz ist Vollzugsweise des menschlichen Daseins, das einmalig und unverwechselbar ist. Es gibt nach diesem Standpunkt keinen vorgegebenen Sinn und keine an sich guten Ziele des Handelns; insofern ist die Existenz nicht objektivierbar. Menschen sind zu einer subjektiven Selbsterschaffung verurteilt und setzen sich selbst Ziele.

Im Vordergrund stehen beim Existenzialismus einzelne Menschen in ihrer Freiheit und geschichtlichen Selbstverwirklichungsaufgabe. An die Menschen tritt die Anforderung heran, ihr Sein frei übernehmen zu müssen und zu können. Sie finden sich in die Welt geworfen vor, begegnen sich und anderen, verstehen sich aus ihrem Lebensvollzug heraus, entwerfen sich in die Zukunft und bestimmen sich danach im konkreten Verhalten.

Die Erfahrung der Ungeborgenheit und Auf-Sich-Verwiesenheit des endlichen Menschen kann eine Rolle spielen.

Existentialisms ist insbesondere die Bezeichnung für die französische Variante der Existenzphilosophie, mit Jean-Paul Sartre (1905 - 1980), Simone de Beauvoir (1908 - 1986), Albert Camus (1913 - 1960)und Gabriel Marcel (1889 – 1973) als wichtigen Vertreten (bei denen es auch Unterschiede zueinander gibt).

In Philosophielexika steht etwas unter Existentialismus oder Existenzphilosophie.

Kurt Wuchterl, Existenzphilsophie. In: Handwörterbuch Philosophie. Herausgegeben von Wulff D. Rehfus. Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 2003 (UTB : Philosophie ; 8208), S. 348 gibt an:

In der Existenzphilosophie als philosophische Strömung geht es darum, alles von einem „Kern“ der Menschen her erfahrend zu verstehen. Dieses fundamentale Prinzip der Innerlichkeit bezeichnet man mit dem von Kierkegaard geprägten Begriff der Existenz, der im „existierenden Denker“ einen Gegensatz zum „abstrakten Denker“ Hegels gefunden hat. Mit diesem Begriff ist nicht das abstrakte Das-Sein (existentia), als Gegenbegriff zum Was-Sein (essentia) der klassischen Ontologie gemeint, das ja auch Dingen und Beziehungen zukommt, sondern die Fülle des Erlebten eines auf das nackte Dasein zurückgeworfenen Menschen. In diesem erlebten Das-Sein erfährt der Mensch Furcht und Angst (Kierkegaard), Krankheit und Schuld (Jaspers), das Wissen vom eigenen Tod und die Ahnung des Nichts (Heidegger), die Absurdität menschlichen Handelns (Camus), aber auch die Möglichkeit von Freiheit (Sartre), die Offenheit für Andere sowie Treue und Hoffnung auf ein göttliches Du (Marcel). Obwohl sich die Existenzphilosophie in den positiv und negativ gestimmten Ausprägungen verbreitet, wird der personalistische und religiöse Existentialismus (Kierkegaard, Marcel) im Allgemeinbewußtsein bald vom säkularen und atheistischen Existentialismus (Jaspers, Heidegger, Sartre) verdrängt. Die Bezeichnung Existenzphilosophie wird von den Zeitgenossen vor allem mit den drei zuletzt Genannten verbunden, obwohl sich Heidegger sehr früh von dieser Etikettierung distanziert, bei Jaspers einige Jahre später das Gleiche geschieht und Sartre seine Lehre zuletzt als neue Form des Humanismus deutet.

Albrecht 20.06.2011, 02:54

Barbara Frischmann, Existenz/Existenzphilosophie/Existentialismus. In: Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften. Herausgegeben von Hans Jörg Sandkühler. Band 1: A – N. Hamburg : Meiner, 1990, S. 371 gibt an:

Existenzphilosophie ist eine radikalisierte Philosophie der Subjektivität. Sie intendiert nicht die Erarbeitung eines allgemeinen Subjektbegriffes, sondern zielt auf Freiheit, Individualität, den Selbstbezug (Innerlichkeit) und die Authentizität des als „Einzelner“, „Ich“ oder „Selbst“ konkretisierten Subjektes. Als Absolutum gilt nicht mehr das allgemeine Subjekt in seiner Bestimmung als Vernunftwesen, sondern „ich bin selbst das Absolute“. Existenz betrifft die Selbstbezüglichkeit, Sinnbedürftigkeit und Selbsterschaffung des Einzelnen, mit seiner irreduziblen (nicht zurückführbaren, nicht ableitbaren) Verantwortung für sich selbst. Die Existenzphilosophie thematisiert zwar die lebensweltliche Situierung des Einzelnen, will aber dem Menschen nicht empirisch aus der Welt oder der Geschichte erklären, sondern die Modi originären Selbstseins entwickeln.

Das Wesen des Menschen ist Freiheit, aber nicht im Sinn von Willkür, sondern als Übernahme von Verantwortung für sich selbst, für das eigene Leben und Handeln. Freiheit ergibt sich aus der prinzipiellen Unbestimmtheit und Offenheit des Individuums, aus Möglichkeitsstruktur. Die gesamte Existenzphilosophie zentriert sich in dem Problem der Freisetzung des Menschen zur Selbstbestimmung, im Selbstentwurf auf die je eigenen Möglichkeiten hin. Existenz ist nicht eine Faktizität, ein Gegebensein, sondern sie ist aufgegeben; sie ist das beständige Überschreiten (Transzendieren) des Erreichten und Bestehenden. Die Existenzerfahrung ist aber nur ein einzelner, gesteigerter Augenblick, eine herausgehobene Situation im Leben, der gegenüber das alltägliche Leben zumeist das Dasein bestimmt. Existenz ist das allen Bestimmungen vorausgehende, irreduzible Faktum, daß ich bin, das Urerlebnis des Selbstseinmüssens und – könnens. Dieses Faktum wird nicht in der Erkenntnis bewußt, sondern in der erschließenden Funktion der Befindlichkeit, der Stimmungen und Gefühle. Angst, Sorge, Verzweiflung, Absurdität, Endlichkeit und Tod werden zu wichtigen existenzphilosophischen und existentialistischen Themen. Das heißt aber auch, daß Wahrheit vom Objektivitätsanspruch losgelöst und an die Subjektivität der Befindlichkeiten und Stimmungen des Einzelnen in seiner jeweiligen existentiellen Situation gebunden wird.

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Als Existentialismus im philosophischen Sinne bezeichnet man die französischen Philosophen Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Albert Camus und Gabriel Marcel. Diese gründen auf die Existenzphilosophie von Kirkegaard, Jaspers, Heidegger und den Phänomenalismus Husserls. Manche zählen bereits Schopenhauer und Nietzsche dazu. Diese Philosophien beziehen sich wieder stärker auf den Menschen und wie er leben kann und soll. Während die Existenzphilosophen eher "das Geworfensein", die Grenzerfahrungen der Existenz herausstellen, wenden sich die französischen Existentialisten stärker dem "gesellschaftlichen Sein" der individuellen Existenz und der Erfahrung der eigenen Existenz im Spiegel der anderen zu. Das "Geworfensein" nimmt bei Camus die Erfahrung des Arbsurden an.

Beide Vorstellungen, das Absurde und die Eigenerfahrung im Spiegel der anderen gerinnen in den 50er Jahren in Paris zu einer gewissen Lebensattitüde. Fast zu einer Marke, einer Gruppenidentität. Man trägt schwarz. Man hört Cool-Jazz oder die Chansans von Juliette Greco, Filme wie "Fahrstuhl zum Schafott" und dazu die Filmmusik von Miles Davis. Sidney Bechet wurde gefeiert. Der Film Noir griff die Lebensstimmung auf. Man gab sich cool. Das Leben musste ausprobiert werden. Auch wenn man sich gegenseitig auf die Neven ging, irgendwie musste man sich ja existentiell erfahren.

Ein Existenzialist ist ein Anhänger der französischen Spielart der Existenzphilosophie, genauer: der Existenzphilosophie Sartres. Sie hat einige Gemeinsamkeiten mit den anderen Existenzphilosophien, z.B. der Heideggers (wobei Heidegger den Begriff „Existenzphilosophie“ für seine Philosophie abgelehnt hat, weil dieser Begriff zu sehr auf den Menschen bezogen sei; ihm geht es aber vor allem um Fundamentalontologie, d.h. um die Lehre vom Seienden und vom Sein). Gemeinsam ist allen Existenzphilosophien, dass die Existenz der Essenz vorausgeht. Das heißt, der Mensch ist nicht aus einem bestimmten vorgegebenen Wesen (Essenz) zu verstehen, die jedem Individuum eine Richtschnur sein müsste (z.B. hat er eine göttliche Vernunft, also muss er nach den Kriterien dieser Vernunft auch handeln), sondern der Mensch kann sich nur aus der „Geworfenheit“ seines individuellen Lebens verstehen, aus der er sich dann zu einem von ihm selbst bestimmten Ziel hin entwirft und sich dadurch als freies Individuum erfährt. „Geworfenheit“ und „Sich - entwerfen“ (hin zu einem selbstbestimmten Ziel) sind also zentrale Begriffe jeder Existenzphilosophie. Was aber bedeutet „Geworfenheit“? Es ist das schlichte „Vorhandensein“ des Menschen in irgendeinem nur ihm eigentümlichen Zusammenhang, in den er gewissermaßen „hineingeworfen“ ist (Familie, Umfeld etc.); dort lebt er zunächst unfrei, das heißt, er ist bloß „vorhanden“. In dieser Unfreiheit darf er aber nicht verharren, sonst lebt er dumpf wie die Tiere, die auch nur „vorhanden“ sind. Der Mensch muss sich also zu einem Ziel hin „entwerfen“, das er selbst bestimmen kann. Gelingt es ihm, dieses Ziel gegen alle Widerstände zu erreichen, dann erst „existiert“ er und ist dann wahrhaft frei. Dieses Heraustreten aus der Unfreiheit des bloß Vorhanden-seins in die Freiheit der Existenz ist allen Existenzphilosophien gemeinsam. Nur gebrauchen sie hierfür verschiedene Ausdrücke. Sartre nennt das bloße Vorhandensein in der Unfreiheit „en-soi“. Das Existieren in Freiheit nennt er „pour-soi“. Bei Heidegger heißt das Vorhandensein in der Unfreiheit „uneigentlich Seiendes“ im ’Man’“ und das Heraustreten in die Freiheit jenseits des „Man’s“: „eigentlich Seiendes in Seins-Nähe“. Jetzt aber gehen die Auffassungen der genannten Philosophen auseinander. Für Sartre kommt es nur darauf an, frei zu sein. Denn Existenz ist für ihn gleich Freiheit. Sein Hauptaugenmerk richtet er folgerichtig darauf, wie diese von ihm verklärte, über alles geschätzte Freiheit verwirklicht werden kann. Hierzu muss der Mensch - wie gesagt - gewaltige Widerstände überwinden; sie werden ihm vor allem durch die „en-soi“ entgegengesetzt, die ihn immer wieder in die unfreie Welt herunterziehen wollen; die „klebrigen“ Dinge der „ensoi-Welt sind es, die starken Einfluss auf den Menschen ausüben; auch die „Blicke der Anderen“ gehören dazu, sie beeinflussen und behindern das Freiheitsstreben des Menschen. (Siehe z.B. Sartres Filmdrehbuch „Das Spiel ist aus“: Hier sieht man, wie die Liebenden, die ihre große Liebe „frei“ verwirklichen wollen, durch den mächtigen Einfluss gesellschaftlicher Gruppen von ihrem „freien Entwurf“ geradezu weggerissen werden und anschließend nur noch als Tote im Bereich der „Nichtexistenz“ umherwandeln). Hat der Mensch es also geschafft, sich von den „en-soi“ frei zu machen, das heißt: hat er diese „klebrigen“ Dinge „genichtet“, dann ist er wahrhaft frei und beginnt zu existieren, aber er muss in diesem Zustand des totalen Freiseins auch die volle Verantwortung für sein Tun übernehmen; er kann z.B. nicht die Verantwortung auf das Schicksal oder auf Gott oder auf die Gesellschaft abwälzen. Bei Heidegger ist es anders. Zwar hält sich der Mensch, der sich aus dem „klebrigen“ ’Man’ befreit hat, ebenfalls in einem freiheitlichen Raum auf, den Heidegger „Eigentlichkeit des Daseins“ nennt („Dasein“ = der Mensch, der nicht mehr ein Seiender unter Seienden, sondern ein „existierender“ Seiender ist ), aber diese Freiheit genügt ihm nicht als solche (wie bei Sartre), sondern das „Dasein“ strebt außerdem die Hervorbringung des „Seins“ an. Heidegger spricht hier von „Seinsnähe“, zu der die „Eigentlichkeit des Daseins“ führe. (Auch vom „Aufgang des Seins“ oder auch von der „Lichtung des Seins“ ist bei ihm die Rede). Das also ist für ihn das Entscheidende: dass das (menschliche) „Dasein“ durch das entschlossene Hinaustreten in die „Eigentlichkeit des Daseins“ in Seinsnähe kommt und damit auch den Sinn des Seins zumindest erahnt oder spürt (wenn er auch keine echte Kenntnis vom „Sein“ erlangen kann, denn was das „Sein“ ist, kann man nicht erklären; auch Heidegger konnte es nicht. Er sagt nur so viel: „das Sein ist dem Seienden vorgelagert, es ist das, wodurch das Seiende das ist, was es ist“).

Der Existenzialist betrachtet den Menschen und (wie das wort schon leicht andeutet) seine Existenz als Ausgangspunkt in der Welt bzw. im Wissen. Sie wollen deshalb auch nie zu theoretische Allgemeinheiten akzeptieren, da sie alles im praktischen Zusammenhang mit dem Leben betrachten - auch unsere Werte.

Es gibt aber verschiedene Auffassungen davon, wie genau unsere Existenz aussieht oder was wir damit anfangen sollen.

Kierkeggard zum Beispiel meinte es gäbe drei Stadien der Existenz, die ästhetische (=hedonistische), das ethische Stadium (also nicht bloß den Willen folgen, sondern sich moralisch und frei entscheiden) und zuletzt das religiöse (logisch - kierkegaard war schließlich Christ und er sah unsere Essenz nur durch den Glauben gegeben).

Andere Existenzialisten, wie Sartre, betrachten die menschliche Existenz anders. Leider kenne ich mich hiermit nicht so sehr aus. Ich glaube er sieht unser Leben als Geworfen an. Wir haben uns nicht dafür entschieden zu leben, werden aber durchs Leben zu weiteren Entscheidungen gezwungen. Er unterschied die Dinge in An-Sich-Sein (also so wie die Dinge wirklich sind) und Für-Sich-Sein (das was wir in den Dingen sehen). Irgendwie hat er das auch auf unser Leben bezogen, ich weiß aber leider nicht wie :) vielleicht kann dabei ja wer anders weiterhelfen.

MfG ich

Das ist abwertend für Teeny, welcher auf übliche bürgerl. Weise lebt.

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