Was ist der Vorteil von einem Spiegelteleskop gegenüber einem Fernrohr?

5 Antworten

Ein Spiegelteleskop hat im Gegensatz zum Linsenteleskop keine chromatische Abberation.

Es hat alles so seine Vor- und Nachteile.

Ein großer Vorteil eines reinen Spiegelteleskops besteht aber darin, dass es keinen Farbfehler hat. Bei Objektiven/Teleskopen mit Linsen sieht man stärker oder schwächer ausgeprägt farbsäume um kontrastreiche Kanten/Objekte. Das nennt man chromatische Abberation und resultiert daraus, dass Licht unterschiedlicher Wellenlänge beim durchgang durch Glas unterschiedlich stark gebrochen wird. Langwelliges rotes Licht hat eine geringfügig andere Brechzahl als langwelliges blaues Licht. Bei ausreichender Vergrößerung bilden sich dann eben Farbsäume. Bei einem Spiegelteleskop wird kein Licht gebrochen, sondern nur reflektiert. Dabei spielt die Wellenlänge des Lichtes keine Rolle. Man hat also immer ein farbenreines Bild. Es gibt natürlich auch Linsenteleskope mit weitestgehend korrigierter Optik ohne nennenswerten Farbfehler (sogenannte Apochromaten), diese kosten aber mindestens das dreifache eines vergleichbaren Teleskops ohne diese Qualität. Es werden dann aber auch drei (Triplet) oder vier (Quadruplet) Linsen verwendet, statt zwei (Fraunhofer).

Spiegelteleskope kann man auch wesentlich größer bauen als Linsenteleskope. Das liegt daran, dass sich Glaslinsen ab einem gewissen Durchmesser (ca. 90 bis 100 cm) sehr schwer werden und sich durch ihr eigenes Gewicht verbiegen. Man erhält dann logischer Weise kein scharfes Bild mehr. Die Spiegelzellen von Spiegelteleskopen können wesentlich größer sein, man kann sie zudem auch aus mehreren kleineren Spiegelzellen herstellen. 5 bis 10 Meter Durchmesser sind heutzutage kein Problem. Man kann hier also von einer leichteren Bauweise reden.

Da man also wesentlich größer bauen kann, erreicht man eine höhere Lichtempfindlichkeit. Denn je größer das Teleskop, desto mehr Licht gelangt hinein und man kann lichtschwächere Objekte besser beobachten oder fotografieren. Ebenfalls steigt auch die maximal sinnvolle Vergrößerung mit zunehmender Teleskopgröße. Bei 10cm Öffnung kann man ca. 200x vergrößern, während man bei 20cm Öffnung theoretisch 400x vergrößern kann. Macht hier auf der Erde aber auch nur bedingt sinn, da man durch die Luftunruhe meist sowieso nur bis zu einem gewissen Grad vergrößern kann, bevor alles zu sehr wabbert und unscharf wird. In klaren Nächten ist hier aber natürlich jedes größere Spiegelteleskop von Vorteil.

Und das schlägt sich auch im Preis nieder. Ein Spiegelteleskop mit 150mm Öffnung kostet z.B. genausoviel (ca. 300 Euro) wie ein Refraktor mit etwa 120mm Öffnung. Ein Refraktor, der ebenfalls 150mm Öffnung hat, liegt schon bei etwa 600 Euro. Die Rede ist hier aber von preiserten Refraktoren ohne Farbkorrektur. Möchte man einen Refraktor ohne den oben genannten Farbfehler, so liegt selbst ein 100mm-Refraktor schon bei gut 2000 Euro! In 150mm Durchmesser wieder das Spiegelteleskop sind es ca. 5000 Euro...

Aber natürlich haben da diese teuren Refraktoren auch ihren Vorteil. Ein Refraktor bietet in der Regel einen besseren Kontrast als ein Spiegelteleskop und man hat naturlich keine Spikes (Strahlen) an den helleren Sternen.

Bei einem reinen Spiegelteleskop verzieht sich auch das Bildfeld am Rand. Das Bild wird dunkler und die Sterne verziehen sich leicht zu Eiern. Das ist das sogenannte Newton-Koma und lässt sich nur durch Linsen (sogenannte Flattener und Koma-Korrektoren) ausbessern. ABER: Dann hat man Linsen und mitunter auch schon wieder eine leichte chromatische Abberation.

Und: verwendet man Dinge wie Barlow-Linsen, so hat man dieses Problem ebenfalls. Es gibt natürlich auch noch andere Spiegelteleskope, z.B. Schmidt-Cassegrains oder Maksutov-Newtons. Diese verwenden eine Kombination aus Spiegel und Linsen um das Teleskop kürzer zu bekommen und gleichzeitig eine höhere Brennweite zu erreichen. Diese sind dann ein Kompromiss aus Spiegelteleskop und teurem Apochromat.

Man könnte hier noch wesentlich weiter reden, aber ich glaube, die Hauptunterschiede werden deutlich. In erster Instanz ist ein Spiegelteleskop eben vergleichweise günstiger und ein klein wenig leichter, wenn aber auch nicht viel. - Dafür muss man dann aber auch öfter mal die Spiegel neu justieren.

Es ist viel schwieriger, so große Linsen zu fertigen und zu stützen,                   als so große Spiegel. 

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