Warum wird klares PVC beim Abkochen "milchig" und ist nicht mehr durchsichtig?

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Polyvinylchlorid besteht aus langen Ketten, die sich beim langsamen Erstarren möglichst regelmäßig zusammenlegen. Man spricht von Kristallisation. Du kannst es dir so vorstellen als ob durch diesen Vorgang etwas Glasartiges entsteht.

Erwärmt man das Ganze geht diese Ordnung verloren, die Ketten bewegen sich durch die Temperaturerhöhung und zerstören die Nahordnung. Der kristalline Bereich ist nun durch amorphe Gebilde (ohne einheitliche Struktur) unterbrochen. Das Licht bricht sich stark an dieser Unregelmäßigkeit.

Du kannst dir das so vorstellen: Du schaust durch eine Glasscheibe und siehst alles ganz klar, nun aber teilt sich diese Scheibe in viele dünnere (durch die Erwärmung), diese stehen in allen möglichen Richtungen, also alle schräg. Wenn du schon mal schräg auf eine Scheibe geschaut hast, weißt du, dass sich das Licht so spiegelt und man nicht mehr ganz hindurchsehen kann. Da aber nun sehr viele Scheiben hintereinander schräg stehen kannst du nicht mehr erkennen was hinter den Scheiben ist, es ist alles verschwommen milchig.

Kühlt sich die Maske wieder ab, ordnen sich die Ketten (Scheiben) wieder langsam in einen Kristall (hintereinander) an. Man kann wieder hindurchsehen.

Das mit dem Kalk ist Quatsch! PVC-Weichfolien sind hydrophil, d.h. sie nehmen Wasser auf. Durch die Wasseraufnahme verändert sich die Molekülmatrix und die Folie wird milchig. Sieht man ganz gut in Thermalbädern mit Außenbecken. Der Übergang zum Außenbereich ist meist mit PVC-Lamellen abgetrennt. Der Teil, der im Wasser hängt ist milchig, während der Teil oberhalb des Wasser klar bleibt. Der Vorgang der Wasseraufnahme kann durch hohe Temperaturen beschleunigt werden. Das ist das was beim Dampfsterilisieren der Atemmaske passiert.

PS: Weich-PVC-Folien bestehen hauptsächlich aus Polyvinylchlorid (d.h. Chlor und kein Kalk!), Weichmachern, Stabilisatoren und Additiven!!

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