Warum sagen wir zu 1975 "Neunzehnhundertfünfundsiebzig" aber zu 2013 nicht "Zwanzighundertdreizehn"?

101 Antworten

Ich meine es hängt mit dem Sprachgefühl zusammen, alles möglicht kurz sagen zu wollen.

2013:

Zwanzighundertdreizehn = 6 Silben, Zweitausenddreizehn = 5 Silben.

1975:

Neunzehnhundertfünfundsiebzig = 8 Silben. Eintausendneunhundertfünfundsiebzig = 10 Silben.

Also immer das kürzere.

Im Business erlebe ich es noch kürzer: Zwanzigdreizehn = 4 Silben.

Letzteres könnte auch mit einer (versteckten) Anglisierung unserer Sprache zusammenhängen:

Zwanzigdreizehn = Twentythierteen.

Dann hätten die Schweizer mehr Sprachgefühl als die Franzosen. 90 heißt nämlich auf Französisch "Quattre-vingt-dix", in der Französischen Schweiz "Nonante". Es gibt in jeder Sprache Formulierungen und Wörter, die nicht der Logik folgen, und bei denen plötzlich auch das Sprachgefühl offensichtlich keine Rolle mehr spielt, sondern eher die Gewohnheit.

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@mychrissie

Und wenn es um Sprachgefühl geht, dann klingt wiederum Französisch doch wohl eindeutig besser als Schwyzerdütsch, eine Sprache, die eigentlich eher eine Halsentzündung vermuten lässt.

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Ich habe mich das auch gefragt, als das Jahr 200 kam. Am Anfang habe ich es auch so gemacht, wie gewohnt, doch dann hat sich das andere etabliert. Warum auch immer. Ich fand es auch doof. Jedenfalls ist es heute so.

Was ich aber immer noch nicht verstehe, ist- weil es absolut logisch ist- dass man sich angewöhnen soll, zu den z.B. 60er- Jahren jetzt 1960er Jahre zu sagen. Das ist, wenn es z.B. um die Beatles geht, dann doch von vornherein klar, dass damit nur speziell dieses Jahrzehnt gemeint ist. Ich nenne so etwas Volksverdummung!

Bei deiner Antwort fehlt eine Null, denn es steht dort das Jahr 200 gemeint ist ja wohl das Jahr 2000.

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@healey

Das war ein Tippfehler. Danke, ich habe es auch gemerkt, kann es aber so nicht korrigieren. Ich denke, jeder weiß, was ich meine!

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Es hört sich besser an und spricht sich leichter aus, solange die zweitausend noch etwas neues an sich hat...

Ich wette, dass es später auch nicht heißt einundzwanzighundertdreizehn, sondern - wenn sich das 2tausend einmal eingebürgert hat - wie früher 19xx nur noch die zehnerzahlen genannt werden, also '78 ... oder wenn es komplett sein soll 21-78 ohne "hundert" oder "tausend". Aber auch hier: Trennung bei Hundert. Warum? Weil sich zwei zweistellige Zaheln einfacher merken und spezifizieren lassen als z.B. 2(tausend)- 178 ... .

Das ist vielleicht noch nicht der Fall solange nur die Null hinter der 2 liegt. Aber auch hier sagt man ja auch schon 20-13 (ohne hundert)... (kommt wohl aus den USA oder klingt moderner).

kurz gesagt: Ich weiß es nicht. ;-P

Das kommt aus dem Römischen, da dort 1913 = MCMXIII

1000 = M

900 = CM

10 = X

1 = I

1 = I

1 = I

Hier steht also am Anfang 1.000 + 900 also eine Hunderter Zahl!!! (Das ist sehr kompliziert das kann ich euch auch nochmal erklären warum das eine Hunderterzahl für die Römer war!!!)

Für 2013 steht jedoch MMXIII

1000 = M 1000 = M 10 = X 1 = I 1 = I 1 = I

Hier steht also zwei mal das tausend vorne also 2.000!

Bei dem Jahr 2112 wäre es jedoch wieder eine Hunderterzahl.

Hoffe das hat euch geholfen!!! :) Liebe Grüße euer Remolus98

Ich schätze, in der Sprachentstehung / Wortbildung / Dialektik hat Anteil, was du dir selbst in der Fragestellung beantwortest ("Klang").

Und zwar die "Mundart" der Silbenabfolgen :

...zehn-hundert... - enthält einen Silbenübergang aus "gedehnt-weichen" (Aussprache) Buchstaben (..ehnhu...),

während ...zig-hundert... einen eher "kurz-harten" Silbenübergang (Aussprache) der Buchstaben ...ighu.. enthält.

Aus der, sich daraus ergebenden unschönen "Sprachmelodik", bzw. Intonation der Silben ...zighundert.. dürfte sich das alternative Zahlwort (zB. Neunzehnhundert), im Falle der -zig-Zahlen, nicht durchgesetzt haben, bzw., der Gebrauch der Mathematisch-korrekteren Wortzusammensetzung / Wortbildung (z.B. Zweitausendeinhundert), relativ "automatisch" bevorzugt, durchgesetzt haben.

Eine Erscheinung, vielleicht also, lediglich, des Zeitraumes Mittelalter / 20.stes Jhdt..

Der Historiker sagt wahrscheinlich, z.B., bei der mündlichen Nennung des Jahres 1675 v. Chr, schon öfter mal "tausendsechshundertfünfundsiebzig vor Christus", als "sechzehnhundertfünfundsiebzig vor Christus", denn anderes würde ja evtl. ein wenig die "Flüssigkeit" des schnelleren Vorstellungsvermögens irritieren.

So wird vielleicht auch, beispielsweise, der Historiker des Jahres 2643, ein ganz gewohnheitsmäßiges Sprechenlernen in seiner Kindheit gehabt haben, den Begriff "im Jahre Tausendneunhundertvierundsiebzig" zu benutzen. Von dem "damals" abweichenden Gebrauch der zehn-hundert-Ordnung erfährt er vielleicht nur noch in Sprachwissenschaftlichen Teilbereichen, oder ähnlichem, falls es noch manchmal interessieren sollte, oder über die Erklärung nostalgischer audio-files....

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Diese Antwort ist wirklich sehr gut!

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Anmerkung zu "zig-hundert": Bei korrekter Aussprache ist es kein "kurz-harter Silbenübergang", da "-zig" korrekt "-zich" ausgesprochen wird.

Und da würde es perfekt passen ("zwanzich-hundert", also "...zichun..."), aber zugegebenermaßen trotzdem noch seltsam klingen :)

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@Cubitus

Nein Cubitus, das ist eine dialektisch relative Aussprache oder auch persönlich individuell und sollte nicht pauschal als korrekt festgestellt werden.

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