Warum reden sich Kollegen mit Nachnamen an?

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Ich habe einen Schulfreund, der professioneller Synchronsprecher ist. 

Er hat mir sehr viel über seinen Beruf erzählt.

In der Tat wird beim  Lip-Synch (! Ja, das Wort Lippe ist im Englischen darin) sehr stark Wert gelegt auf

- Lippenbewegung  und

- Eindeutschung der Begriffe , Bezeichnungen und Namen

Zumindest bei alten Serien und Filmen.

Es hat sich viel geändert.  Man übernimmt heute beim Synchronisieren die  (englischen)  Namen und die Titel der Personen.

In älteren Filmen ist es in Tat nicht unwahrscheinlich , daß die sich in der Originalversion mit Vornamen ansprechen.    Aber nicht in der deutschen Synchronfassung.

Auffällig war es früher bei Titeln:

Ein Commissioner wird zum Kommissar ,  obwohl der Commissioner den Rang eines Kriminalrats hätte (ungefähr, wenn man die Ränge vergleicht). Also,  viel höher als Kommissar.

Inspector Columbo war etwa im Rang eines Hauptkommissars ( Inspector ist ein sehr hoher Rang im angelsächischen Raum) .  Bei uns nur Inspektor, also ein sehr niedriger Rang in Deutschland. 

Immerhin ist man nun so schlau und nimmt seit einigen Jahren direkt die englischen Bezeichnungen.

Zurück zu den Namen:  In Deutschland sprechen sich die Kollegen bei der Polizei tatsächlich meistens einfach mit dem Nachnamen an,  selbst wenn sie sich irgendwann duzen.  

Vielleicht hat man deshalb so früher (falsch)  synchronisiert. 

Ich werde meinen Kumpel nochmal fragen , wie es ganz genau mittlerweile ist.

Auch dir vielen Dank, OnkelBerni.

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Bei einer Synchronisation müssen auch kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden. Das ist gegen die (nahezu) wortgetreue Übersetzung aufzuwiegen.

In den USA signalisiert die Anrede mit Vornamen keine Nähe, sondern gilt als normal. Damit der deutsche Zuschauer nicht den Eindruck hat, dass alle agierenden Personen einander nahestehen, wird dann in der deutschen Fassung auf die Anrede mit Nachnamen ausgewichen.

Anrede mit dem reinen Nachnamen kenne ich nur aus der Beziehung Chef - Untergebener ("Schulze, schauen Sie mal nach, was da los ist!"), und da nur bei Männern. Bei einer Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung ist es meiner Erfahrung nach in Deutschland auch heute noch eher üblich, die Anrede "Frau" bzw. "Herr" davorzusetzen. ("Herr Meier, können Sie mir mal die Unterlagen heraussuchen?")

Die Ränge nicht zu übersetzen, ist die andere Möglichkeit. Auch wenn sie der Zuschauer normalerweise nicht richtig einordnen kann, macht das nichts, verhindert aber Fehldeutungen bei denen, die die Wertigkeit der deutschen Ränge kennen.

Meistens?Es könnte ja sein, dass das, was du für einen Familiennamen hältst, der Vorname der Person ist. Da sind sie ja nicht kleinlich: Washington Irving, Franklin D. Roosevelt, Jefferson Davis, Maxwell Anderson,Wilson S. Hill, Porter Wagoner ...


Nein, ich verfolge diese Serien über Jahre (bin ein großer Fan von Krimiserien) und da ist mir das jetzt aufgefallen. 

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Weil sie das im richtigen Leben auch tun? Meist ist das ja nur die Abkürzung für "Titel Nachname" (also etwa "Sergeant Taylor"). Vermutlich hat diese Konvention auch etwas mit der Außenwirkung zu tun, Polizisten müssen ja oft in der Öffentlichkeit miteinander kommunizieren, da wirkt das Ansprechen mit dem Nachnamen (wenn auch ohne Titel) seriöser.

Aha. Leuchtet ein. 

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Hallo, Virginia47. Die Frage mußt du den deutschen Synchronsprechern stellen, bzw. den Drehbuchübersetzern - da wird manches buchstäblich in der Bedeutung umgedreht wofür die Filmemacher nix können, lG.

Danke ilknau, für diesen hilfreichen Hinweis. Da werde ich mal recherchieren. 

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