Warum ist NATHAN DER WEISE ein DRAMATISCHES GEDICHT?

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2 Antworten

Gedicht hat da eine andere Bedeutung als in der Lyrik. In Frankreich spricht man zu dieser Zeit auch von "poème dramatique" (etwa bei Diderot), und meint damit ein Theaterstück.

Das Blankvers-Argument ist nicht wirklich überzeugend. Viele Dramen werden in Blanversen geschrieben (das ist der klassiche Vers des deutschen Theaters gewesen) und werden doch nicht als "dramatisches Gedicht" bezeichnet.

Entscheidend ist bei Nathan der Weise, dass Lessing den Vers nicht "des Wohlklangs wegen" gewählt hat, sondern weil er meint, die orientalische Atmosphäre würde in der Prosa "zu sehr auffallen". Funktion des Verses ist also, das Befremdende zu kontrollieren und damit den Leser (an einen Zuschauer denkt er da gar nicht) in die Lage zu versetzen, mitdenken zu können, indem das Emotionale reduziert wird.

Das bestätigt die Annahme, dass Gedicht hier (damals) nicht gattungsgebunden ist, sondern allgemein zu verstehen ist, wie das auch bei Diderot der Fall ist. Die sprachliche Behandlung ist deshalb entscheidend, weil sie bei Lessing leserorientiert ist.

Weil es im Blankvers verfasst ist...

Vielen Dank für die schnelle Antwort! Gibt es allerdings nur dieses Argument? 

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@berndl17

Das Werk entspricht im Aufbau einem klassischen Drama. Dazu gehören folgende Elemente:

-Gliederung in fünf Akte

-Enjambements

-Stichomythie

-Rhetorische Fragen

-SprecherwechselMinimum an Handlung

-Satzbrüche

-Geichheit von Ort und Zeit

Als Metrum für sein Drama hat Lessing den Blankvers gewählt, der in England seinen Ursprung hat und sich erst durch ihn in Deutschland durchsetzen konnte. Die Handlung ist geteilt auf 5 Aufzüge, die wiederum in Auftritte gegliedert sind.

Nathan der Weise enthält sowohl tragische als auch komische Elemente, ist aber trotz des versöhnlichen Ausgangs weder eine Komödie noch eine Tragödie.

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