Sollte Philosophie ein Pflichtfach in der Schule sein, genauso wie Mathe, Deutsch etc..?

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13 Antworten

Als Philosophielehrer, der ich bin oder war, sollte ich die Frage eigentlich mit einem Klaren Ja beantworten. Und immerhin war das Studium der sieben freien Künste im Mittelalter ja die Voraussetzung für die Fachstudien. Aber die Philosophie hat sich inzwischen natürlich weiterentwickelt und ist dabei nicht leichter geworden. Es gibt daher leider einige Probleme.

Leichte philosophische Texte gibt es nicht. Einige sind sogar sehr schwer; die sind für den Schulunterricht kaum geeignet. Aber im Prinzip muss Philosophieunterricht unter anderem auch darauf gerichtet sein, das Verständnis philosophischer Texte im Unterricht zu erarbeiten. 

In der gymnasialen Oberstufe ist das machbar, in der neunten und zehnten Klasse des Gymnasiums auch, wenn es dort die Ausnahme bleibt. Mit den übrigen Schüler-inne-n ab Klasse 5 kann man zwar philosophische Fragen ansatzweise erörtern, wird auf philosophische Originaltexte dabei aber verzichten müssen und auf andere Medien ausweichen.

Ob man einen solchen Unterricht dann noch "Philosophieunterricht" nennen mag, ist eine Frage der Namensgebung. Namen sind Schall und Rauch.

Das zweite Problem ist, dass Religion ordentliches Unterrichtsfach ist, aber nicht von allen Schüler-inne-n besucht werden muss. Für sie muss es also ein Ersatzfach geben. Es bietet sich an, dafür ein Fach zu formen, das philosophische Propädeutik, aber auch Elemente von Soziologie, Psychologie und Religionswissenschaft enthält, egal ob man das dann "Philosophie", "Ethik", "Werte und Normen" oder sonstwie nennt. Nennen wir es  X.

In der Sekundarstufe 1 sind die philosophischen Aspekte darin recht gut aufgehoben, bedauerlich ist allerdings in der Tat, dass Schüler-innen, die Religion wählen, davon nicht auch profitieren können. Zu fordern ist also, dass diese Aspekte  auch einen starken Eingang in den Religionsunterricht finden. 

Das war am Ende des letzten Jahrhunderts auch der Fall; aber die Kirchen haben ihren Einfluss geltend gemacht, kräftig zurückzurudern. Ob das weise war, sei dahingestellt. Immer mehr Schüler-innen, auch getaufte, nehmen ja heute am "Ersatzunterricht" teil, der in vielen Großstädten längst zum Regelunterricht geworden ist.

Es bleibt die Frage nach dem Umgang mit der Philosophie in der gymnasialen Oberstufe. Wie Schulen damit umgehen, ist ihnen weitgehend freigestellt. Philosophie zum Pflichtfach zu machen, ist unrealistisch. Warum sollte man jemanden mit philosophischen Texten quälen, der sein Abitur nur braucht, um Mechatroniker werden zu können? Andererseits, wenn man eine entsprechende Schüler-innen-schaft hat, besteht auch im Unterricht X die Möglichkeit, echten Philosophieunterricht zu halten.

Weil das aber oft nicht der Fall ist, bieten viele Schulen die Möglichkeit, in der gymnasialen Oberstufe statt dem Unterricht X auch Philosophie zu wählen, andere Schulen bieten Philosophie als zusätzliches Wahlfach an. Das ist zwar selten, aber sehr sinnvoll an Schulen, an denen es viele Schüler-innen gibt, die zwar religiös sind, aber trotzdem philosophisch interessiert. Das gibt es ja auch, insbesondere an Schulen, die Religion als Leistungsfach anbieten.

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Kommentar von ulrich1919
10.07.2017, 21:16

Vielen Dank für die ausführliche Argumentation. Ich möchte aber etwas hinterfragen; nicht unbedingt widersprechen.

Im Prinzip muss Philosophieunterricht unter anderem auch darauf gerichtet sein, das Verständnis philosophischer Texte im Unterricht zu erarbeiten. 

Ist das wirklich so? Wenn die Texte so schwerverständlich sind, frage ich mich, warum?

Philosophie zum Pflichtfach zu machen, ist unrealistisch. Warum sollte man jemanden mit philosophischen Texten quälen

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Viel wichtiger ist die philosophische Werkzeugkiste. Verständliche Logik; wie verfasst man Definitionen, wie muss man Negationen handhaben, wie umgehen mit Sprache (Semiotik, Semantik, Hermeneutik; natürlich auf Schülerniveau), wie argumentiert man sauber und mehr solcher philosophischen Formalregeln.

Das ganze ergänzt mit ethischen und kulturphilosophischen Grundbegriffen, und die Schüler profitieren viel mehr als wenn sie sich mit Kant'schen Problemen auseinandersetzen.

Es gibt im deutschen Sprachgebiet hervorragende Schulbücher für Philosophie, welche nur wenig Originaltexte enthalten, aber sehr viel Verständnis vermitteln.

Falls diese Art von Philosophie tatsächlich zum Pflichtfach wird, könnte es sein dass das Durchschnittsniveau der GF-Fragen unter der Sparte Philosophie wesentlich ansteigt.

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Es sollte überhaupt erstmal flächendeckend angeboten werden, auch auf Real- und Hauptschulen, natürlich mit abgestuften Schwierigkeitsgraden.

Man kann es zum Pflichtfach machen. Da allerdings den Fächern am meisten Bedeutung zugemessen wird, die für das Berufsleben, nicht für das Privatleben am wichtigsten sind, müsste es nicht unbedingt Pflichtfach werden.

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Nein, kein Pflichtfach aber definitiv Wählbar. 

Nicht jeder braucht/kann Philosophie... Manchen liegt es einfach, anderen nicht. Und wenn jemand später nur wegen seiner schlechten Philosophie -Note sein ganzes Abschluss Zeugnis extrem verschlechtert, obwohl er sowieso etwas ganz anderes werden will, ist das doch doof.

Trotzdem finde ich wichtig, dass man ein gewisses Grundwissen hat. Deswegen hab ich auch für nächstes Jahr Philo gewählt^^

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Ich wäre definitiv dafür. Natürlich, nicht jeder interessiert sich dafür. Aber ich denke, dass es wichtig ist, ein gewisses Grundwissen zu haben.

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Hm, schwierige Frage... Auch an unserer Schule stirbt Philosophie leider gerade aus. Meiner Meinung nach sollte Philosophie jedoch kein Pflichtfach sein. Erstens, da in Ethik häufig Philosophie gelehrt wird. Und da sich immer mehr Jugendliche von Gott abwenden, ist der Ethik Kurs meist gut besucht. Dort wird Philosophie "angerissen", manche Themen widmen sich komplett der Philosophie, auch wenn dies nicht die Überschrift davon ist. Zweitens, wenn Philosophie Pflichtfach wird, muss jeder Schüler dieses besuchen. Ich möchte hier Menschen nicht beleidigen und erkläre es anhand eines Beispiels. Ein Schüler besucht trotz realschulischer-/ hauptschulischer Empfehlung das Gymnasium. Schafft überraschenderweise 4 Klassen, also bis zur Neunten (etwas unrealistisch, aber nehmen wir das mal an). Erste Problemfrage: Ab welcher Klasse soll Philosophie überhaupt unterrichtet werden? Wenn es ein Pflichtfach ist, ab der 5. Klasse. Wie möchte man denn überhaupt den Stoff an Fünftklässler vermitteln? →wahrscheinliche Lösung der Schule: Der Stoff wird vereinfacht. Schon wegen den gymnasialreifen jungen Menschen, um ihnen den Stoff zu erklären. Ich hätte wahrscheinlich in der Fünften den "normalen" Stoff auch nicht verstanden. Wegen Schülern, die eine bessere Entwicklung und Entfaltung eigentlich an einer Realschule/ Hauptschule erhalten würden, aber trotzdem noch am Gymnasium sind, SEHR vereinfacht. Bis Irgendwann Philosophie nicht mehr das ist, was es einmal war. Höchstwahrscheinlich wird, wie jeder alte Stoff heutzutage, alles modernisiert und den Jugendlichen der Zeit angepasst. Klar, die Lehren von damals sind unveränderbar, aber letztendlich WIE es gelehrt wird ist ausschlaggebend. Mal ehrlich, wenn der zukünftige Philosophie Lehrer mit ,,Jo, jo" in die Klasse kommt, wo ist da noch die Moral der Philosophen? Ein gutes Beispiel für den Gang der Philosophie ist Deutsch. Man schaue sich nur mal die Wörter an, die heute im Duden stehen. Ebenfalls diese extreme Vereinfachung der Schrift. Das Fach Philosophie sollte freiwillig wählbar sein und damit von jungen Menschen besucht werden, die wirklich Interesse daran haben. Dass dieses Fach sowieso irgendwann ausstirbt, halte ich für unvermeidbar. Da könnte ich auch etwas dazu sagen, lasse es jetzt aber lieber, da das nicht deine Frage war. Also Pflichtfach: Nein. Falls Philosophie Irgendwann mit F noch geschrieben wird, bringe ich mich selbst um. Also Tschüss, Danke fürs Lesen, hoffe ich konnte die Frage etwas durchleuchten ;)

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Kommentar von Ottavio
10.07.2017, 16:41

Kein Grund sich umzubringen: In Italien schreiben sei "la filosofia" gleich mit zwei f, aber die filosofische Diskussion dort hat ein hoher Niveau.

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Kommentar von CandyX
10.07.2017, 21:13

Jaaa, das ist ja auch ein Unterschied :)

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Den einfachsten Teil habe ich natürlich vergessen: Philosophie ist nicht unbedingt notwendig für den späteren Beruf, falls man nicht gerade Philosophie studieren möchte. Und diese Anzahl der Studenten ist geringer, als die Anzahl derer, die z.B Mathe studieren :)

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Zusammen mit Ethik als Ersatz für Religion.

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das sollte ein pflichtfach sein, da es das eigendenken trainieren kann

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Nein, die Grundvorraussetzung für Fächer wie Philosophie sind eine breite Allgemeinbildung und 1A Sprachkenntnisse der eigenen Muttersprache.

Die wird schon nicht mehr vernünftig gelernt, das sollte man lieber wieder ausbügeln, und so wie es derzeit ist, weitergehandhabt werden: Wer sich dafür interessiert, bildet sich privat weiter oder belegt in der Oberstufe den entsprechenden Kurs.

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Kommentar von daumrun
10.07.2017, 15:33

Dein Erörterungsgrundsatz beschränkt sich offensichtlich darauf, die eigentliche Frage zu ignorieren und eine andere Problematik anzuprangern. Dies wäre dir sicherlich aufgefallen, hättest du dich privat fortgebildet ;)

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Kommentar von Meeew
10.07.2017, 15:47

Was hat Latein mit Philosophie zu tun? Ich bege beides und außer das wir in Latein mal einen Text eines römischen Philosophen übersetzt haben, haben sich sie Fächer nie überschnitten. Wenn man orginal Texte von Philosophen lesen will wäre altgriechisch und französich besser. Also wieso ist Latein so extem wichtig für Philosophie? Und selbst wenn man sich privat weiterbildet, gutes Disskutieren lernt man durchs disskutieren. Wieso sollte die Schule nicht für jeden dieses Portal sein?

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Nein - genauso wenig wie das Fach  "Religion", was versteckt KATHOLISCHE Religion ist.

Den:

Der Gedanke ist frei! 

Wir können nicht davon ausgehen, dass jeder kritische Fähigkeiten besitzt, die die Bibel automatisch schon nach wenigen Sekunden mehrmals hinterfragt.

Keine Indoktrinieration!

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Kommentar von Manikia
10.07.2017, 22:14

Im Religionsunterricht, wird wenigstens "kritisch" hinterfragt, bzw kriegt man mit, dass das Ding eben nicht zu Jesuslebzeiten geschrieben wurde usw und konzentriert sich heutzutage eher auf Geschichtliches, war zumindest bei mir so (Abi 2013? oder 14 keine Ahnung :D, ging eher um das Leben damals, und das Leben heute grobgesagt)

Ansonsten sehe ich es bei Philosophie genauso wie du Der
Lehrer entscheidet, welche Texte mit welchen Argumenten behandelt
werden.

Klar die sehr guten Schüler informieren sich über den Unterricht
heraus und haben ihre eigene Meinung, die nicht so Hellen (und das ist
der Großteil nunmal) sieht nur eine Sicht der Dinge und hält sich für
kritisch.

Genauso, wie im Englischunterricht, wenn es um "Globalisation" geht, das würde jetzt hier allerdings den Rahmen sprengen.

Man sollte den Schülern lieber solide Basics (Analyse/Interpretationen/Grammatik&Allgemeinbildung) mitgeben, statt so Halbgares zu betreiben. Ich habe es schonmal gesagt, es ist inetwa so, als würdest du
Grundschülern erst Kurvendiskussionen und erst später/nebenbei, die
Grundrechenarten beibringen.

Klar, gibts vermutlich 1-2 Kinder dies draufhaben, der Rest wird
danach nicht in der Lage sein 1+1 zusammenzuzählen, kriegts aber evtl
durch auswendiglernen/selektive Mustererkennung hin, eine Parabel
richtig in ein Koordinatensystem einzuzeichnen, was Lehrer und Kinder
und Eltern froh macht, da es Niveau/Anspruch vorgaukelt

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Nein!

Ein viel zu großes,vielfälitiges, vor allem ANSICHTSHEMA. Bist du nicht der gleichen Ansicht wie der Lehrer dürftest du es schwer haben eine gute Note zu bekommen.

Und OHNE Noten? macht auch keinen Sinn, weil das dann vielen am  A... vorbeigeht.

Religion und wer nicht will Ethik, das ist schon in Ordnung. Mehr braucht es nicht.

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Kommentar von DanIsMyName
10.07.2017, 16:17

Das mit dem ANSICHTSTHEMA kann ich nicht ganz nachvollziehen. Es geht in der Philosophie immer um Argumente, welche auf der Basis von LOGIK beruhen. Mit dieser Logik beschäftigt man sich im übrigen auch in der Philosophie. Wenn ein Schüler seinen Standpunkt logisch erklärt steht ihm keine schlechte Note im Weg. Ich nehme mal an du hattest noch nie Philosophieunterricht? Ethik ist auch eine der drei (bzw.5) großen Themen in der Philosophie. Wieso also nur Ethik unterrichten? Eine Frage hätte ich da noch. Du sagst Philosophie sei ein Ansichtsthema. Was ist deiner Meinung nach Religion? Und hast du dich schon einmal tiefer mit der Philosophie beschäftigt?

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Kommentar von DanIsMyName
10.07.2017, 17:54

Welche Fakten meinst du? Nenn mir doch bitte mal diese Fakten.

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Auf jeden Fall!

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Ja, genau wie Wirtschaft

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