Sind "Straßenhunde" schwerer zu erziehen oder "dankbar"?

14 Antworten

Hi,

diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, da mir persönlich beide Fälle bekannt sind. Wir hatten auch einen rumänischen Straßenhund den wir aber leider wieder abgeben mussten da er sehr aggressiv war und immer wieder angegriffen hat er hatte einfach zu schlimme Erlebnisse. Es gibt aber auch welche die sehr dankbar sind und nichts machen. Als ersten Hund würde ich es aber nicht empfehlen. Wenn ihr schon Hunde Erfahrung habe dann dürfte das eher weniger zum Problem werden. Es kommt aber auch immer auf die Geschichte des Hundes an und auf das Umfeld bei euch zu Hause. Meistens ist es für solche Hunde besser, wenn sie möglichst nicht zu viele Bezugspersonen auf einmal haben.

LG Julia

Es kommt darauf an, meistens werden die total verwilderten Hunde sowieso nicht weiter vermittelt, die sterben in der Tötungsstation. Oder auf der Straße.

Ich hatte eine Hündin, ich weiß nicht genau, was ihr passiert ist, sie kam schwerst traumatisiert aus einer Tötungsstation und sie war überhaupt nicht schwierig, im Gegenteil. Sie hat monatelang gar nichts gemacht, wirklich nichts. Sie hat in einer Ecke gesessen und gezittert. Sie hat versucht sich unsichtbar zu machen, damit man sie in Ruhe lässt. Sie war später das sozialste und liebste Tier, das man sich vorstellen kann.

Und die Kleine hier, kommt aus Spanien, sie hat ihre Macken und Vögelchen aber sie ist lieb und süß und nett. Zu uns, ihrer Familie. Mit anderen will sie nicht viel zu tun haben.

Ich würde immer wieder solche Hunde aufnehmen, ich habe es keine Sekunde bereut, sie bei mir zu haben.

Sind sie agressiv oder fremden gegenüber misstrauisch? Oder haben sie sogar Angst fremden gegenüber?

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@Busfahrt

Also meine Hündinnen waren/sind schon etwas vorsichtig dabei. Bei meiner jetzigen hilft aber die Regel, wer zum ersten Mal kommt ignoriert sie. Keine ansprache. Kein augenkontakt. Nicht anfassen. So kann sie sich in ruhe an die neue person und ihre anwesenheit gewöhnen und das klappt super :)

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@Busfahrt

Meine verstorbene Hündin, hatte Todesangst, ich weiß nicht was diesem armen Hund passiert ist aber ich habe so etwas noch nie im Leben gesehen, sie war extrem traumatisiert und misshandelt worden. Sie war nur noch Haut und Knochen und ich meine das so weil sie kein Fell hatte, sie sah wie etwas aus, das jeden Moment sterben wird.

Mir haben Freunde und Verwandte verboten mit ihr vorbei zu kommen, die hatten Angst, dass sie sich was Schlimmes bei dem Hund holen können, so schrecklich sah die Arme aus. Und als sie endlich bei uns angekommen ist, als sie wusste, dass sie hier sicher ist und eine Familie hat, die sie liebt, war sie der netteste Hund der Welt. Sie hat immer Kontakt zu Menschen gesucht (erstaunlich, nach allem was ihr angetan wurde), sie war nett und freundlich zu jedem und jeder Besuch (auch der vom Nachbarn) wurde auf dem Parkplatz freundlich empfangen und begrüßt. So war sie auch zu Fremden, immer.

Die Kleine, die ich jetzt habe ist sehr vorsichtig und unsicher, sie hält sich von Fremden fern, sie möchte nicht von Fremden angefasst werden und sie sucht auch keinen Kontakt. Muss sie auch nicht.

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@vanillaschote

Ach ja, noch etwas. Ich habe bis zu meinem 15. Lebensjahr in Rumänien gelebt und ich hatte immer Straßenhunde an mir kleben, die suchten Nähe und Futter. Und streichelnde Hände, ich habe keine einzige schlechte Erfahrung damit gemacht. Ich durfte leider nie einen Hund behalten, leider. Aber wenn, wären es nette Familienhunde gewesen, davon bin ich überzeugt.

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Also so pauschal lässt sich das natürlich nicht sagen. Hunde von Züchter die man als Welpen zu sich holt können ebenso zu Problemverhalten neigen, vor allem wenn sie bei Leuten landen, die von welpen und hundeerziehung keine Ahnung haben. Wir hatten bereits zwei Hunde die aus solchen "armen Verhältnissen" stammen. Die eine Hündin kam aus einer ungarischen Tötungsstation die andere ist aus Rumänien. Für solche Hunde braucht man auf jeden Fall auh viel Zeit und Geduld. Es gibt viel was sie vielleicht nicht kennen und ihnen Angst macht. Bei meiner jetzigen waren es zu beginn dinge wie Heuballen auf dem Feld, Fahrräder, etc. Wir haben sie nun 2 Jahre und die ersten 1,5 waren ein auf und ab. Sie hat gebissen und uns in bestimmten situationen attakiert. Die situation in einer familie zu leben, sich unterzuordnen, warten und vertrauen zu können, dass kannte sie alles nicht und auch futtergeschichten bereitete einige Probleme. Seit einem halben jahr aber ist sie ein ganz anderes Wesen. Sie versteht vieles und reagiert auf aufforderungen. Sie lernte geduldig sein und nicht gleich zu schnappen, lernte grenzen kennen und versteht nun auch die freude die das spielen mit sich bringt. Es ist wundervoll diese Veränderung beobachten zu können und dieses immer weiter wachsende Vertrauen zu spüren. Unsere letzte Hündin aus Ungarn hatte auh zu beginn einige probleme wenn auch nicht so grosse. Letztlich begleitete sie meine Mutter sogar täglich zur Arbeit in ein Altenpflegeheim und war eine gütige und dankbare Seele bis zu ihrem letzten Tag. Ich persönlich würde mich immer wieder für so einen Hund entscheiden auch wenn es viel Kraft und Geduld von einem verlangt. Sicher gibt es auch ausnahmen aber das solche tiere grundlegend gestört wären ist völliger unsinn.

Ich hatte früher einen Straßenhund, die jedoch auch Kontakt mit Männern hatte, die sie geschlagen hatten. Mehr wussten wir von dem Hund nicht, da sie uns zugelaufen war (Sie kam also hier in der Umgebung, wo es teilweise auch Hundrudel gab).

Mein Vater hatte immer Schwierigkeiten mit ihr, da sie panische Angst vor Männern hatte, jedoch legte sich das nach ca einem Jahr. Dennoch war der Hund sehr dankbar, hatte jedoch noch komische Marotten, die garnicht weggingen oder nur schwer. Bei ihr blieb nur die Angst, dass ihr Futter weggefressen wird. Der Rest ging problemlos weg und sie lebte sehr lange.

Ich würde aber immer zu solchen Hunden oder Hunde aus Tierheimen raten, da sie immer dankbarer sind als Zuchttiere.

Das kann man pauschal so nicht sagen. Es gibt auch unter den Straßenhunden extrem traumatisierte Hunden, deren Trauma in einem neuen Zuhause erst wirklich aufbricht. Ich habe einen Ketten-/Straßenhündin aus Griechenland, die erst nur sehr ängstlich zu sein schien. Nach 2 Wochen entpuppte sie sich plötzlich als Angsbeißerin. Das erforderte sehr großes Durchhaltevermögen, und ich glaube, jeder "normale" Hundebesitzer hätte sie zurückgegeben. Wir brauchten unedlich viel Geduld, Respekt, ja gar Demut dem Hund und seinem Schicksal gegenüber, Liebe,Empathie, Achtsamkeit, Ruhe und Souveränität, und dann wurde aus diesem Hund ein Traumhund.

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