Schwarze-Schaf-Theorie

6 Antworten

Das mit dem "Schwarzen Schaf" verhält sich so, wie hier vielfach beschrieben, in Wahrheit aber ist das noch viel einfacher:

"Das Schwarze Schaf", der "Prügelknabe", der "Sündenbock", die "Zielscheibe", die Begriffe dafür sind vielfältige, bezeichnen aber alle dasselbe, all das sind Synonyme für ein- und dasselbe Phänomen:

Das "Schwarze Schaf" selbst kann 0 % dafür, es wird zum Opfer bestimmt, ganz einfach, weil die Gruppe ein Opfer benötigt, das für alles und jedes stets verantwortlich gemacht werden und "bestraft" werden kann, das als Projektionsfläche für Schuldgefühle, Frustrationen und Aggressionen der anderen dient: Primitive Familien und Gesellschaften brauchen immer Sündenböcke, "Schwarze Schafe", auf die sie alle Ihre Aggressionen ableiten können und die für alles und jedes alleinverantwortlich gemacht werden, um tatsächliche Schuld geht es dabei nicht, Schuldzuweisungen dienen nur der Pseudorechtfertigung von Aggressionen durch die Tätergruppe. Wehrt sich das "Schwarze Schaf" gegen die Ungerechtigkeiten, dann wird das vom Rest der Gruppe als Bestätigung interpretiert, dass diese Person "böse" sei und eine solche Behandlung verdiene. Gelingt es dem "schwarzen Schaf" die Familie (oder eine andere soziale Gruppe) zu verlassen was meist eine übermenschliche Anstrengung bedeutet), oder stirbt es, tritt sofort eine andere Person an dessen Stelle, die dann Zielscheibe der Aggressionen wird. Mit der Person selbst hat das "Schwarzes-Schaf-Phänomen" nichts zu tun, es gibt Familien und Gesellschaften, die auf Grund eigener Unfähigkeit immer einen Sündenbock, ein Opfer, brauchen.

Zwei Beispiele dafür: - Menschenopfer in alten Kulturen (z.B. Opfer eines Unschuldigen (Herz herausreißen bei lebendigem Leib) bei den Maya - Mobbingopfer in modernen Unternehmen - Das Sündenbockmotiv aus biblischer Zeit: Hier wurden alle Aggressionen/Schuld/Frustrationen einem Schaf- bzw. Ziegenbock zugewiesen, dieser wurde dann unter Stockhieben in die Wüste getrieben, wo das Tier i. d. R. verendete. Grausam, aber immer noch weniger bestialisch, als Menschen zu opfern. Dass das in diesem Fall verwendete Tier keine reale Schuld traf, dürfte klar sein.

Das Problem für das "Schwarze Schaf", d. h. die zum Opfer/zur Zielscheibe gemachten Person selbst ist es, überhaupt zu erkennen, dass es selbst nicht die geringste Schuld trägt, und dass es einfach von anderen als Opfer ausgewählt und zum "Aggressionsabsorbator" bestimmt wurde. In der Regel trifft das Personen, die besonders leistungsfähig/intelligent/gewissenhaft sind, da diese Neid auf sich ziehen und dann Zielscheibe für Aggressionen werden.

Eine Buchempfehlung dazu, worin dieses Phänomen sehr genau beschrieben und analysiert wird, ist: "Die Masken der Niedertracht" von Marie-France Hirigoyen, einer in Paris tätigen Psychiaterin.

Zum "Schwarzen Schaf" wird man gemacht, man wird dazu bestimmt. Natürlich fragen sich "Schwarze Schafe" dann, was sie getan haben, um eine solche grausame Behandlung zu verdienen. Die Antwort darauf ist: Nichts. "Schwarze Schafe" denken dann, z.B. es liege daran, dass sie anders dächten, individueller seien etc.

Das ist aber unrichtig: 1. Werden hier Ursache und Wirkung verwechselt: Jemand, der fortwährend gemobbt, drangsaliert, zu Unrecht beschuldigt, unterdrückt, ausgegrenzt wird, muss, um zu überleben, ganz besondere individuelle Fähigkeiten entwickeln, er/sie muss als Individuum, alleine, zu bestehen lernen, wozu auch, folgerichtiger Weise, die Fähigkeit gehört, eigenständig zu denken, um alleine leben und sich somit der mobbenden Gruppe entziehen zu können. Die starke Individualisierung ist somit überlebenswichtige Folge, eine Kompetenz, die das Opfer, das "Schwarze Schaf" erwerben muss, um nicht unterzugehen, nicht Ursache des "Schwarzes Schaf" Phänomens.

Dieser durch Ausgrenzung, Drangsalierung, grausame Behandlungsweisen seitens der Gruppe verursachte Zwang für das Opfer, das "schwarze Schaf", eine ausgeprägte Eigenständigkeit zu entwicklen wiederum ermöglicht es den Mobbern (ob nun in Familie, Unternehmen oder anderen Stellen in der Gesellschaft) zu sagen: "Da seht ihr es: Er/sie zieht sich heraus! Er/Sie gliedert sich nicht ein!", was dann eine Fortsetzung der Aggressionen gegen das "Schwarze Schaf" ermöglicht.

  1. "Schwarzen Schafen" ist sehr selten bewusst, dass sie selbst für das Problem nicht verantwortlich sind, sondern einfach als solche bestimmte und ausgewählte Opfer, die somit gar keine Chance haben, der Ihnen zugewiesenen "Opfer- bzw. Sündenbockrolle" zu entkommen. Da sie sich in den meisten Fällen nicht alles haben gefallen lassen und durch die andauernde psychische Zermürbung durch die Aggressoren selbst auch einmal aufbegehrt haben, in Form einer Gegenaggression (die dann nur dazu führte, dass die Aggressoren sagten: "Da seht ihr es, er/sie ist so, immer aggressiv etc.".)Die mobbende Gruppe zieht das dann als erneute Rechtfertigung für die weitere, noch schlimmere grausame Behandlung des "Schwarzen Schafs" heran und rechtfertigen damit, des weiter so zu behandeln. Es ist sehr schwer für das Opfer, das "Schwarze Schaf" zu erkennen, dass es selbst nicht schuldig ist, da;

a) Es durch beständige Schuldzuweisung gewohnt ist, sich schuldig zu fühlen und ohnehin zu einer überselbstkritischen Haltung neigt.

b) Es i. d. R. keinerlei ausreichenden Abstand zu den Aggressoren hat, die es zum "schwarzen Schaf" stempeln, was es dann erlauben würde, die Situation selbst richtig zu bewerten und zu erkennen. Aber selbst dann gelingt das selten ohne die Hilfe Außenstehender zur Gänze.

Sich aus einer solchen Situation, zum dauerhaften "Schwarzen Schaf" bestimmt worden zu sein, zu befreien, ist für diese Opfer unendlich schwer. Diese "Schwarze Schafe" verstehen, wie erwähnt, i. d. R. erst nach deutlichem räumlichen und zeitlichen Abstand, wie ihnen mitgespielt wurde und dass sie einfach zum "Opfer" bestimmt wurden, ohne das geringste dafür zu können.

In der Regel zeigt es sich, dass das "schwarze Schaf" tun kann, was es will, nie ist es den Aggressoren Recht. Denn die angeblichen Kritikpunkte sind nur vorgeschoben, den Aggressoren geht es nicht darum, dass das Opfer, das "Schwarze Schaf" tatsächlich irgendein anderes Verhalten an den Tag legt un sich "bessert", es gibt nämlich i. d. R. auf der Seite des sog. "Schwarzen Schafs" nichts zu "bessern", diese Personen sind i. d. R. ohnehin bereits überselbstkritisch. "Bessern" müsste sich die Tätergruppe, indem sie davon ablässt, jemanden zum chancenlosen, ohnmächtigen Sündenbock zu machen. Es geht den Mobbern, den Tätern, nur darum, ein Opfer zu haben, das sich nicht wehrt. Wer das genau ist, ist unwichtig.

Abschließendes Fazit: "Schwarze Schafe" sind Personen, die zum Opfer, zum Sündenbock gemacht wurden, ohne etwas dafür zu können. Hauptsächlich sind davon Personen betroffen, die den Neid der anderen auf sich ziehen (z. B. wegen persönlicher Vorzüge) und deshalb zur gemeinsamen Zielscheibe gemacht werden. Jede Verteidigungsreaktion des Opfers (des "Schwarzen Schafs") wird von der Tätergruppe nur als Beleg für die "Schuld" der zum "Schwarzen Schaf" bestimmten Person mißbraucht.

Die einzige mögliche Dauerlösung für die Person, die zum "Schwarzen Schaf" gemacht wurde, ist es, die Gruppe zu verlassen und sich ein eigenständiges Leben aufzubauen (und damit aber eine Fähigkeit zu entwickeln, die die wenigsten haben, und wofür "Schwarzes-Schaf" Personen zukünftiger Neid bereits wieder sicher ist.)

Also ich bin selber ein schwarzes Schaf... Ich kann der Antwort nur zustimmen, dass man schnell dazu gemacht wird, wenn man nicht mit dem Strom schwimmt. Unterschiedliche Einstellungen zum Leben oder der Lebensweise, Konflikte aufgrund unterschiedlicher Meinungen etc. Wenn der Großteil einer Familie oder Gemeinschaft einer Lebensweise oder Meinung folgt, wird man schnell zum schwarzen Schaf, wenn man diese nicht teilt. Vielleicht ist es aber auch nur der Neid, dass man sich was anderes traut oder die Angst vor neuen Wegen, die die Familei so reagieren lässt...

ich war - als Einzelkind - auch eins; seidem ich aber eine Familie hab, kann ich besser dagegen angehen, trag aber immer dieses Gefühl mit mir herum, dass meine Eltern "gegen" mich arbeiten.....ob es vielleicht übertragener Frust als Selbstschutz ist..?

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Das schwarze Schaf ist "anders". Daher zieht es erhöhte Aufmerksamkeit, oft auch Aengste, auf sich und wird oft auch ausgegrenzt. - Manchen gefällt das, sie spielen damit, provozieren die einen und erhalten Beifall von den andern... und richten sich ihr Leben so ein. Mit dem schwarzen Schaf kann aber auch der Sündenbock gemeint sein. Der Name kommt von einem Ritual im alten Israel: Da wurden jedes Jahr vom Oberpriester rituell die Sünden der Gemeinschaft auf einen Bock übertragen, der anschliessend - natürlich in Anwesenheit dieses Volkes - in die Wüste hinausgejagt wurde. So wähnte sich das Volk wieder frei von der Sünde. Natürlich ist das nicht nur ein abergläubischer Brauch, sondern es entspricht dem unbewussten Funktionieren unseres Ichs: Was meinem Ideal nicht entspricht, grenze ich aus und "schicke es in die Wüste". Natürlich machen wir damit das Leben leichter, aber im Effekt machen wir uns damit innerlich ärmer... Viel Glück!

Danke! Ich komm schon damit klar, wollte aber der Sache schon immer mal auf den Grund gehen.

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Irgendwie scheinen viele Familien einen Sündenbock für alle Fälle zu brauchen, wahrscheinlich um von eigenen Fehlern abzulenken und sich stark fühlen zu können. Der Sündenbock ist das schwarze Schaf.

Kenne das auch bin Einzelkind meine mutter meinte ich war garnicht geplant wurde vernachlaessicht dann abgeruscht Drogen usw.deswegen bin ich meiner Familie Peinlich wollen garnicht mit mir reden aber habe zum glueck eine tolle Frau die zu mir steht.

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Auch, wenn man mal ein schwarzes Schaf war, kann man sich im Leben durchsetzten, vielleicht auch schon deßwegen.Wenn man natürlich die Opferrolle einnimmt, dann hat man lediglich eine Ausrede, warum nichts klappt.Ich war schon als eins von sechs Kindern stark, daher ein Problem für die Eltern-sprich" das schwarze Schaf". Habe meinem Kind die Rechte eingeräumt, die ich nicht hatte, und es ist ein toller Mensch daraus entstanden.L.G.Nordi

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