"Schreiben heißt sich selber lesen"

7 Antworten

Gute Frage - und damit meine ich nicht,- daß ich sie nicht verstanden habe. (Wie man heute oft sagt, wenn man die Antwort nicht weiß). Ich verstehe Max Fritsch so, daß man seinen eigenen Text mit Distanz zum Geschriebenen liest. Also nicht das, was man sagen wollte - sondern das, was man wirklich gesagt /bzw. in diesem Falle besser geschrieben hat. Oft sagt schon die Wortwahl, wenn man sie am nächsten Tag liest, sehr viel über den Schreibenden aus. Also sagt sie Dir, die den eigenen Text liest, auch sehr viel über Dich, die den Text geschrieben hat, aus. Bißchen umständlich, ich weiß. Aber wahrscheinlich verstehst Du es so, wie ich es schreiben wollte.

'Sich selber lesen' ist durchaus wörtlich gemeint. Zu jeder Kommunikation bedarf es eines Gegenübers, eines tatsächlichen oder auch nur eines fiktiven, nur vorgestellten. Dieses vorgestellte Gegenüber ist in diesem Bild der Schreibende selbst. Auf diese Weise unterscheidet sich die Arbeit des Schriftstellers von der eines Menschen, der zum Beispiel einen Brief schreibt, sich also nicht selbst, sondern jemand anderen als fiktives Gegenüber hat.

In dem was man niederschreibt interpretiert man unbewußt ein ganzes Stück von sich selbst. Erlebtes, Erfahrenes, Erlerntes und Prägendes beeinflussen die Texte und wiederspiegeln dich.

Beim Schreiben hört man gewissermaßen sich selber zu und notiert das Gehörte. Oder man liest eben in seinem inneren Buch und schreibt es gewissermaßen ab. Unter den Komponisten ist Mozart besonders bekannt dafür, dass er beim Komponieren gar nicht groß nachgedacht, sondern mühelos aufgeschrieben hat, was er an Musik schon in sich hatte.

während des Schreibens gibt man alles über sich selbst preis, wie bei einer Autobiographie - denke ich einmal. LG

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