Rationalismus vs. Empirismus was ist besser?

4 Antworten

Empirismus heißt nicht, dass die Erfahrungen nicht rational durchdacht werden. Im Gegenteil, David Hume hat gezeigt, dass alle Verknüpfungen, die wir postulieren wie Gesetze oder Kausalitäten unsere rationalen Konstrukte sind und so nie rein empirisch zu beobachten sind. Was Du als Empirismus unterstellst, scheint mir ein naiver Empirismus oder Realismus zu sein. Rationalismus, so wie er sich Kant darbot (durch seine deutschen Vorläufer) wollte Wahrheit rein aus begrifflichen Ableitungen finden. Dem trat Kant entgegen und betonte, dass Begriffe ohne Erfahrung leer sind, reine Definitionsmonster ohne Anbindung an die Realität.

Analytische Urteile verdeutlichen, legen aus, was ein Begriff enthält. Wieso synthetische Urteile auf Erfahrung nicht wissenschaftlich sein können, ist etwas schleierhaft. Dann wäre der größte Teil unserer Wissenschaft keine Wissenschaft. Du solltest noch mal genau nachlesen, was a priori bedeutet. Es ist umstritten, ob man mathematische Gesetze Wissen a priori nennen kann, weil diese Verknüpfungen in den mathematischen Strukturen stecken, also nur komplexe analytische Urteile sind, Aussagen und Auslegungen von Strukturen. Der Grundannahme des Rationalismus, dass Begriffe und Logik allein ausreichen, um Wahrheit zu formulieren, hat Kant widersprochen.

Auf der Basis, dass unsere Begriffe gute Abbildungen der Realität sind und bleiben, ist Rationalität kein Problem und kein Empirist wird behaupten, nur mit Empirie ohne rationale Durchdringung Wahrheit finden zu können. Das ist auch die Grundlage des Kritischen Rationalismus nach Popper.

Vielen dank für ihre Antwort! Da ich jedoch in der Philosophie noch nicht soweit bin wie sie als experte, konnte ich natürlich nicht alles ausführlich formulieren und nachweisen. Meine frage ist lediglich ob es stimmt, dass kant ( mit der begründung von oben...) versucht hat empirismus und rationalismus erfolgreich zu vereinen. Da ich dieses thema noch nicht in der schule gehabt habe kann ich nicht sagen ob diese begründung (wenigstens teilweise) stimmt. Ich bitte um ihre Antwort

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@martialartslee

Kant hat das - und da liegst Du richtig - nochmal vor allem im deutschen Raum betont. Wer David Hume kannte oder Locke oder Hobbes oder die französischen Enzyklopädisten wie Diderot, der wusste das auch schon vor Kant. Du findest dieses Bemühen aber auch schon bei Aristoteles und Epikur oder der Stoa. So neu ist das nicht, nur hatten sich die sog. Rationalisten nach der Scholastik etwas verrannt. Die Scholastik hat der Philosophie mehr geschadet als genützt. Sie hat nur der Theologie einen scheinphilosophischen Anstrich gegeben.

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Hallo,

man kann nicht sagen, dass Kants Erkenntnistheorie, die Du hier kurz skizziert hast, 'richtig' ist. Das geht ja in der Philosophie generell nicht. Was sich allerdings sagen lässt, ist, dass Kant den Konflikt zwischen Empirismus und Rationalismus und die beiden Problemstellen, die diese beiden erkenntnistheoretischen Richtungen aufweisen, ziemlich gut gelöst hat.
Zum zweiten Teil der Frage: Ich würde sagen, dass es nicht reicht nur auf Kant einzugehen, wenn von Dir gefordert wird, Empirismus und Rationalismus zu bewerten. Mein Vorschlag wäre, dass Du die beiden Richtungen zuerst skizziert, ihre Problemstellen anschließend aufzeigst und worin der Konflikt zwischen den Richtungen liegt, um dann letztendlich zu dem Schluss zu kommen, dass Empirismus und Rationalismus sowohl gute, als auch schlechte Aspekte aufweisen. So kannst Du dann erklären, dass eine Synthese beider Richtungen gut wäre, die durch Kant dann durchgeführt wird.

Vielen dank!! Natürlich würde ich erst beides erläutert ect. Ect. War nur zu faul es zu erwähnen ;) Also kann ich, wie ich aus deinem kommentar verstanden hab, wenn ich zu einem zusammenfassenden schluss komme diese Argumentation von kant aufgreifen (?). Achja und ohne dir hier etw. Unterstellen zu wollen, aber woher weißt du dass diese argumentation von kant richtig zsmgefasst ist, hast du es schon in der schule gehabt? Natürlich gehe ich davon dass du das gelernt hast :D

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Du kannst auf jeden Fall zu dem Schluss kommen, dass beides, Empirismus und Rationalismus, ungenügend sind und sowohl Vernunft, als auch Erfahrung (wie Kant eben sagt) eine maßgebliche Rolle bei der Erkenntnis spielen.
Die obig zitierte Textstelle in deine Stellungnahme einfließen zu lassen, ist, denke ich, nicht nötig. Die Unterscheidung synthetischer und analytische Urteile ist für eine kurze Stellungnahme nicht nötig, stattdessen solltest du Kants Gedanken lieber grob zusammenfassen.

Ich habe mich mit Empirismus und Rationalismus in der Schule beschäftigt, mit Kant nur privat.

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Du, das kommt wohl maßgeblich auf den jeweiligen Kontext an, tät ich mal materialistisch sagen.

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