Psychologie studieren ja oder nein?

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Hallo, ich studiere in Düsseldorf.

Es stimmt, dass das Studium recht theoretisch angelegt ist. Darum geht es ja eigentlich: Theorien auf ihre Korrektheit hin überprüfen. Aber diese Theorien beschreiben Dinge, die u.U. (also wenn die Theorie denn stimmt) WIRKLICH passieren.

Was man praktisch macht: Man muss z.B. Studien durchführen (also Daten erheben). Dann macht man noch ein Praktikum in einem Betrieb (z.B. in einer Psychiatrie oder so).

Es stimmt auch, dass man recht viel lernen muss.

Mathematik ist definitiv ein Teil des Studiums. Aber ist vor allem auch sehr viel Biologie (Neuroanatomie usw.).

Ob sich das Studium lohnt oder nicht, hängt meiner Meinung nach davon ab, ob es denn in einen Beruf führt. Ansonsten hat man zwar ganz interessante Dinge gelernt; aber ich glaube, dass wenn man keine Karriere damit plant, dass man das auch im Grunde sich im Selbststudium zu Hause erarbeiten kann (quasi hobbymäßig sich mit Psychologie beschäftigen). Das hat nämlich den großen Vorteil, dass man sich mit anderen Dingen beschäftigen kann, die einem relevanter erscheinen. Aber auch das kann man nicht so pauschal sagen, es gibt vielleicht manche Menschen, die zwar woanders gelandet sind, die aber trotzdem ein abgeschlossenes Psychologiestudium haben und das auch nicht missen wollen (könnte ich mir auch vorstellen; ein Dozent bei uns, der seinen Doktor in Psychologie gemacht hat, ist plötzlich in der Medizin sehr aktiv und macht da, soweit ich weiß, auch bald seinen Master).

Meistens lohnt es sich, noch den Master zu machen. Optimalerweise sollte man sich vorher schon ungefähr Gedanken darüber machen, in welche Richtung es gehen soll mit dem Studium (ich selbst hatte und habe auch immer noch ungefähr vor Augen, Psychotherapeut zu werden). Wenn man plant, den Master zu machen, ist es wichtig schon im Bachelor gut zu lernen, damit man gute Chancen auf einen Masterplatz hat. In Düsseldorf ist die Grenze bei 2.0, also man sollte den Bachelor mit einer Durchschnittsnote von 2.0 oder besser abschließen. Bei mir hat das ein bisschen gedauert, bis ich mich auf das Studium eingestellt habe (ich hatte zuerst ein paar Vieren geschreiben, weil ich das mit dem Lernen etwas unterschätzt habe; und bereue das ein bisschen, weil die ersten Klausuren eigentlich nicht sooo schwer waren; habe mich aber inzwischen deutlich gebessert).

Falls Du irgendwelche Fragen hast, auch bezüglich der Studieninhalte, stehe ich gerne dafür zu Verfügung.

Übrigens, mathematisch geht das Studium nicht soo tief. Also in Statistik ist es so, dass wir oft irgendwelche Formeln kriegen, mit denen wir irgendwas ausrechnen, ohne jetzt irgendwie wissen zu müssen, woher denn diese Formel jetzt kommt, und warum die so ist und nicht anders. Also man muss zwar verstehen, was man macht, und wozu die Formel da ist, aber man muss nicht alles hundertprozentig herleiten können (optimalerweise könnte man das; ich kann es nicht ;-) ). Also das Fach Statistik wird sehr anwendungsorientiert unterrichtet, in dem Sinne, dass es nicht darum geht, irgendwelche Formeln herzuleiten und zu beweisen, sondern diese anzuwenden, um irgendwelche Daten aus einer Studie auszuwerten.

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Äh, Korrektur: Der Dozent, der inzwischen in der Medizin unterwegs ist, macht bestimmt nicht seinen Master (weil es gibt ja soweit ich weiß noch kein Bachelor/Master-System in der Medizin).

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Äh, Korrektur: Der Dozent, der inzwischen in der Medizin unterwegs ist, macht bestimmt nicht seinen Master (weil es gibt ja soweit ich weiß noch kein Bachelor/Master-System in der Medizin).

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Hey, erstmal Danke dass du dir soviel Zeit genommen hast für deine ausführliche Antwort.

Grundsätzlich ist es so, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, später einmal etwas in diese Richtung zu arbeiten, gerade weil es in diesem Studium so viele verschiedene Berufsfelder gibt, die sich an den Bachelor oder eher Master anschließen. Ich denke nicht, dass ich dann mit Mathematik Probleme bekommen würde, gerade weil wie du es beschrieben hast es machbar ist. In welchem Semester bist du denn? Und bereust du es, dich für Psychologie entschieden zu haben? Ich bin einfach noch sehr unschlüssig, ob ich meine Zusage annehmen soll, da ich einfach ein sehr breites Spektrum an Interessen habe und mich auch noch für ein anderes Fach beworben habe (Veterinärmedizin).

Also nicht dass ich es später bereuen würde wenn ich den Platz nicht angenommen hab und mir sagen muss: hättest du mal Psychologie studiert...

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Alles sehr gute Antworten. Noch zur Aufklärung: Um später Therapie anbieten zu dürfen, brauchst Du den Bachelor, einen Master und eine anschließende Ausbildung. Das wissen viele nicht bei Studienbeginn, deshalb sage ich das.

Das weiß ich, trotzdem dankeschön :-)

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Wenn es dich wirklich interessiert und du später auch in diesem Bereich arbeiten möchtest, dann mache es.

Ich habe es immer bereut, daß die Chance für mich vorbei ist. (Mein Interesse für die Psychologie kam leider etwas zu spät und dann war ich schon in einem anderen Studiengang).

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