Osmanisch und Arabisch

2 Antworten

Spät komm ich, hoffe nicht zu spät.

Es gibt schon einige Unterschiede. Zum einen gibt es einige dem Arabischen nicht eigene zusätzliche Buchstaben, teils aus dem Persischen übernommen (etwa für P, G, französisch klingendes J oder Tsch) sowie das Phänomen der unterschiedlichen Lesung des Buchstaben K (K, G, J, NG, GH), was erst relativ kurz vor Einführung der lateinischen mittels diakritischer Sondferzeichen gescchehen ist. Alte Texte zeigten i.d.R. immer nur einfach Kaf, selbst beim G. Außerdem gibt es einige scheinbar vom Arabischen abweichende Schreibweisen in Sachen Buchstabenverbindungen. Da konnte es schon vorkommen, dass das (einfache, deutsch klingende) Ha und das Lam unverbunden einander folgten, da das Lam z.B. den Plural .lar bzw. ler kennzeichnete und das Ha nicht zu hören war als H, weil es eigentlich das Wortende im Singular ist. man kann das z.B. an den Beispielen dere/dereler (دره / دره لر und nicht etwa دره / درهلر) bzw. ada/adalar (اطه / اطه لر und nicht etwa اطه / اطهلر) sehen. Solche und andere "merkwürdige" Schreibungen sind i.d.R. der Grammatik geschuldet, d.h. der Erkennbarkeit grammatischer Strukturen. Und aussprachemäßig kommt es z.B. auch nicht selten vor, dass U gelesen wird aber das Ya steht. ... Stichwort Vokalharmonie. ...

Denn wenn ein Name wie ÜNAL in arabischer Schrift اوكال/ اوك آل (manchmal aber auch nur rein phonetisch اونال ûnâl) geschrieben wurde, liest sich das erstmal wie "ûkâl" bzw. "ûk âl". Da es aber im Osmanischen für das Kâf (ك) mehrere Aussprachen gab, nämlich K, G, NG/N und J/Ğ, ist das nicht so einfach. Erst gegen Ende der Zeit der Verwendung der arabischen Schrift hatte man im Türkischen z.B. für das G die persische Form گ eingeführt oder für das NG/N ein Kâf mit drei Punkten. Und so würde die sozusagen neuosmanische Schreibweise des Namens dann auch so zu lesen sein: „ûngâl“ bzw. „ûng âl“. Das mit dem Ü oder dem Ö ist wieder eine andere Sache. Und das mitunter allein stehende Mîm nach dem He ist auch eine Besonderheit. Alle Besonderheiten haben ihren Ursprung in Grammatik oder sind der türkischen Vokalharmonie geschuldet.

Hier ein paar Kostproben zu rein türkischen Namen, die zeigen, dass es eben nicht gar so einfach ist:

Altan =/ آلتان/ آل طان / آلطان / آل تان Aşkın = آشقین / عشقك Binnaz = بیك ناز / بیكناز Birol = بیر أول / برأول / بیرول / برول Burcu = بورجو / بورجی Deniz = دكیز Didem = دیدم / دیده م Jalehan = ژاله خان Sevilay = سویلای / سه ویلای Sonay = صوكای / صوك آی Sürmeli = سورمه لی Tansu = تاكصو / طاكصو Yenigül = یكیگل / یكی گل Yurdanur = یورده نور

Speziell zu türkischen Namen gibts übrigens die Website Osmanlıca İsimler [Osmanische Namen] - عثمانلیجه اسملر http://1001turkishnames.alsakirtasiye.com/ Diese Website enthält eine riesige Menge türkischer Namen, allerdings sind nur die wenigsten von ihnen mit arabisch geschriebenen Formen notiert. Und leider fehlen auch die Bedeutungen der Namen.

Arabisch und osmanisch sind grundverschieden. Sprachlich, aber auch in der gemeinsamen arabischen Schrift, d.h. orthografisch.

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