orgeln zu laut?

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4 Antworten

Orgeln haben ein riesiges Klangspektrum, von Klangfarben bis eben auch der Lautstärke.

Vielleicht weißt du, dass eine Orgel verschiedene Register (Knöpfe zum Ziehen) hat, die allesamt verschieden klingen. Da gibt es zum Beispiel klassische Grundstimmen wie das Prinzipal oder die Oktav, die klingen "orgeltypisch" und sind schon relativ kräftig, da sie oft die Basis einer Registrierung eines Stückes bilden (z.B. bei der Gemeindebegleitung). Dann gibt es noch Flöten, Streicher, Zungen und Mixturen sowie einige andere, verfeinernde Register. Flöten klingen (meistens, nicht immer!) zarter und auch etwas leiser, Streicherpfeifen wie Violoncello, Baß oder Geigen sind Holzpfeifen und haben ebenfalls einen angenehmen, weichen Klang, Zungen haben einen leicht schnarrenden Klang (z.B. Posaune, Fagott, Schalmey, Oboe, Clairon, Krummhorn, Trompeten aller Art,...), der sehr markant ist und deswegen wohldosiert und überlegt eingestzt werden sollte. Mixturen sind ebenfalls sehr markant und "hoch", deswegen wirken sie eher "quietschig", was für die Ohren durchaus unangenehm werden kann, aber nur, wenn man direkt davorsitzt (ich als Organistin komme bei direkt in das Gehaüse eingebaute Spieltische bei krassen Mixturen auch an meine Grenzen). Ansonsten geben sie gerade barocken Stücken ihren unverkennbaren Charakter. Dabei ist eben auch eine große Bandbreite an Lautstärke vorhanden.

Also, es gibt schier unendliche Möglichkeiten, diese Klangfarben zu kombinieren. Je nach Charakter des Stückes (festlich (pompös), klar, meditativ, Trauer, Dank, Gemeindebegleitung, Solo, usw.) registriert der Organist anders und dementsprechend verändert sich auch die Lautstärke (siehe meine Erklärung zu Flöten und Co.). Deswegen kann man auch keine dB-Zahl angeben, da ein Subbaß im Pedal in tiefen Lagen kaum zu hören ist, dh. eine minimale dB-Zahl haben dürfte und ein voll gekoppeltes volles Werk (alle register zusammen) je nach Orgelgröße durchaus einem wahren Gewitter gleichen kann und dann wahrscheinlich die Lautstärke einer Hauptstraße einnimmt.

Ich nehme an, du hast besonders die Gemeindebegleitung während den Liedern und den Ein- und Auszug als sehr laut empfunden, da besonders in einer überfüllten Kirche mehr humanes Lautstärkekapital anwesend ist und dementsprechend die Orgel etwas mehr Power braucht - gerade, weil sie die Gemeinde ja führen soll. Wenn du dann noch direkt an der Orgel bist, kann das schon unangenehm werden, vorallem weil die Akustik fehlt, die die Töne "zerstreut" und so wunderbar füllend macht.

Naja, natürlich muss die Orgel auch ein mehr oder weniger Großes Kirchenschiff füllen und dabei überall gleich gut zu hören sein. Wusstest du, dass jede Kirche einzigartig ist und es deswegen keine zwei gleichen Kirchenorgeln gibt? Optisch vielleicht, aber es sind immer genau an den Kirchenrau angepasste Klangfarben und Tonspektren.

Und dass Organisten wegen der Lautstärke Hörgeräte öfters tragen, ist quatsch. Orgeln sind nicht so laut, wie man meint und es kann ja nicht der Sinn sein, Menschen mit Musik freude zu bereiten, indem man ihnen einen Hörschaden verpasst, oder? Ich glaube eher, Deni93 hat bisher eher die Heerschar von alten Organisten kennengelernt, die das wegen Ihres Alters machen...

Sorry für den Roman, aber ich liebe mein Instrument halt und hoffe, ich konnte dir etwas weitergeben!

lg giraffe007

Danke für das Sternchen

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@giraffe007

danke für die gute antwort ;) also eigentlich mag ich ja den klang von orgeln kann von mir aus auch mal was lauter sein aber morgens geht das gar net da will ich mich nachher noch ma hinlegen.....

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@nomad1238

Ja, der Klang ist einzigartig - jedes Mal anders und man kann immer bestimmen, wie man spielen möchte. Was meinst du, wie grausam die 5.oo Uhr Messe an Ostern für mich jedes mal ist? Schlaftrunken 3000 Pfeifen dirigieren und das auch noch fehlerfrei ist nachts etwas schwer :) gähn

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Ich weiß ja jetzt nicht, was für eine Orgel das war. Offenbar hatte der Kollege alle Register gezogen, vor allem wahrscheinlich eine Mixtur o.ä., das macht dann natürlich ordentlich Krach. Umgekehrt kann man das auch so registrieren, daß die Orgel ganz sanft spielt, da kannst Du ohne Probleme direkt an den Pfeifen sitzen. Darum kann man auch nicht sagen, wie laut eine Orgel im Durchschnitt ist - kommt auf die Registrierung an, teilweise auch auf die Kirchen - haben sie innen viel Holz, wird viel Klang geschluckt, während Stein ihn oft sehr hart wiedergibt.

Ansonsten - die Antwort von giraffe007 ist sehr kompetent.

Vielen Dank für dein Lob... Normalerweise wundern sich die Leute nur, dass ein Jugendlicher durchaus Hirn hat... Bist du beruflich Organist oder nur hobbymäßig?

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@giraffe007

Nebenberuflich. Hobbymäßig nicht, ich bekomme ja Geld dafür, aber davon leben könnte ich nicht.

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@Parsifal271

Hm... dann mache ich das mit 13 auch schon nebenberuflich? Interessant, ich wusste gar nicht dass ich einen Beruf habe, neben dem ich einen Nebenberuf haben kann :)Nein, ich glaube dir das mit den Finanzen vollkommen. Ich überlege, ob ich Orgel und Kompossition tudieren soll...

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Na klar sind die Dinger laut. Immerhin müssen die auch riesige Kirchenräume mit Klängen füllen? Du saßt sicherlich auch mal weit vorne und da hört man die Orgel ja auch noch sehr laut, klar und deutlich. Und damit du sie vorne noch so gut hören kannst, muss sie sehr laut spielen. Normalerweise kommt man aber eher selten in die Gelegenheit, so nah an der Orgel, bzw. den Flöten zu sitzen. Außerdem musste sie sicherlich noch etwas lauter spielen, wenn so viele Leute in der Kirche waren.

Tja das ist der Grund warum die meisten Orgelisten ein Hörgerät haben. Ich denke die lautstärke in DB kann man mit einem Jungfernhäutchen das man zerreißt vergleichen. etwa 110 db

Ich brauche auch nach 15 Jahren keines. Erstmal spielt kein Organist ständig volle Lautstärke, dann sitzt er meistens auch nicht direkt vor den Pfeifen, sondern oft darunter und teilweise befinden sie sich in seinem Rücken (war bei einer "meiner" Kirchen so).

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