Möwenlied von Christian Morgenstern?
Kann mir jemand sagen, was der Kerngedanke dieses Gedichts ist?
Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
ich laß sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
2 Antworten
Es gibt keinen Hauptgedanken. Es ist ein humorvolles Spiel, ein Nonsense-Gedicht im Stil des Dadaismus.
Zuerst wird die Möwe mit dem Namen Emma verbunden, also vermenschlicht. Dem folgt aber die provozierende Aussage, dass sie erschossen wird.
Dann treuherzige Bekenntnisse eines Möwenfreunds, der sie füttert, sogar mit "Zibeben", wobei ein altertümlich-mundartlicher Begriff auffällt und erheitert.
"O Mensch" parodiert das expressionistische Pathos. Der Mensch erscheint der Möwe unterlegen, er solle zufrieden sein, wenigstens Emma zu heißen und ihr zu gleichen.
Wenn Menschen etwas nicht verstehen, neigen sie zu "Overthinking". Morgenstern zeigt am Beispiel der Möwen, wie locker und fluffig Gedanken sein können.
Eine Wortneuschöpfung "Flaus", damit der Reim passt? Kein Problem! Genauso lassen sich auch Gedanken, Ideen und Vorstellungen neu schöpfen, wenn sie das Leben leichter machen.