Michelangelo- Die Erschaffung Adams- Bedeutung?

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Dabei spielt sicher mit, dass die Bibelquelle 1. Mose 2,7 besagt:

"Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen."

Eine eigenständige Formfindung, eine neue (Um-)Deutung der Szene durch die ausgestreckten Arme ist ein Beispiel für Michelangelos kühne künstlerische Freiheit.

Auf dem Boden der noch Erde ohne Vegetation liegt der erste Mensch, müde, als sei er aus einem Urschlaf müde erwacht.(Anm.aufrechter Gang?) Michelangelo beschreibt Adam als einen kräftigen und anmutigen jungen Mann, der sich mühsam aufzurichten versucht, während er seinen linken Arm dem Schöpfergott entgegen streckt. Die würdevolle greise Gestalt mit grauweißem Haar und langem Bart, begleitet und getragen von Engeln. Ein majestätischer Mantel, wie ein Segel im Fahrtwind aufge­bläht, umhüllt die himmlische Formation und geleitet sie durch das Universum. In nächster Nähe zu Adam streckt Gottvater seine Hand aus und vollendet seine Schöpfung, indem er ihm durch eine kurze Berührung der Zeigefin­ger Leben und Geist spendet.

Michelangelo zeigt den Moment unmittelbar vor dem entscheidenden Schöpfungsakt. Die ganze Dramatik der Darstellung lebt von dieser Berührung, der gesamte Bildaufbau mit dem an dieser Stelle ausgeblendeten Hintergrund ist darauf ausgerichtet. Michelangelo nutzte das relativ niedrige, aber breite Deckenfeld für einen kompositorischen Kunstgriff. Die beiden Hauptakteure sind schräg und dabei parallel zueinander angeordnet mit einem noch halb schlafenden Adam und einem schwebenden Gottvater.

Wie untersch. Welten: links Jugend und Unerfahrenheit, Hilflosigkeit und Passivität, eine leblose, an die Schwerkraft der Erde gebundene Kreatur, die ihren Finger kaum zu heben vermag und den Blick sehnsüchtig auf den Schöpfer richtet. Rechts die kreative Kraft eines alten, weisen Gottes, der sein Werk vollendet, indem er sich des Menschen mit beinahe väterlicher Fürsorge annimmt. Michelangelo beschreibt den Schöpfungsakt nicht als ein göttliches Modellieren mit Ton und Erde. Adam ist bereits als körperlich vollkommenes Geschöpf existent. Der Schöpfungsakt ist hier in unbeschreibbare Sphären entrückt, Geist und Odem fließen unsichtbar durch die Kuppen der Zeigefinger. Der große erste Akt der Menschheitsgeschichte wird mit besonderer Leichtigkeit und genialer Einfachheit vorgetragen. Der Künstler vergaß auch nicht eine andere wichtige Tatsache: In weiser Voraussicht hält Gott gegen Adams Einsamkeit ein weibliches Wesen bereit, das unter seinem Arm neugierig hervorschaut.

Michelangelo folgte mit seiner Darstellung der Erschaffung Adams der Beschreibung in der Genesis, dem 1. Buch des AT-. Dort heißt es, dass Gott den Menschen als sein Ebenbild schuf. Als letztes Werk der Schöpfung wird der Mensch als deren Krönung hervorgehoben – von Gott in die Welt gesetzt und zugleich ihm ebenbürtig.

Quelle:Bertelsmann Lexikon

Anatomisch betrachtet ergibt das abgewinkelte Bein Adams scheinbar die Hypophyse und der Hintergrund des Gottesbildnisses den Querschnitt des Gehirns. Mit etwas phantasie sehr anregend zum philosphieren. :)

Es heißt, Michelangelo erfuhr die Stadien der Schöpfung an sich selbst, sowohl durch die Religion als auch mithilfe der Kunst verfolgte er den Weg der göttlichen Quelle zurück. Die Erschaffung Adam´s durch die leichteste Berührung. Sozusagen das wundervollste Ereignis zwischen Gott un dem Menschen.

Ich glaube, weil es genau den Augenblick zeigt, in dem der Mensch seine Seele von Gott bekommt. Außerdem sind die Fresken in der Sixtina an sich grandiose Kunstwerke, die ja Jahrhunderte für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren - vielleicht deshalb?

Gerade für dieses Fresko ist die hohe philosophische Bildung Michelangelos von Bedeutung. In seiner Jugend wurde er ja von Cosimo de'Medici aufgenommen und gemeinsam mit dessen Söhnen von den Gelehrten der neoploatonischen Akademie Marcilio Ficino und Pico della Mirandola unterrichtet.

Die Erschaffung des Menschen ist zentraler Bestandteil dieser neoplatonischen Philosophie. Sie vertrat die Auffassung, dass Gott den Menschen "als ein Geschöpf von grenzenloser Natur"* erschaffen habe, dessen Einzigartigkeit darin bestehe, dass es die Stufen des Seins nach der platonischen Lehre aus eigenem Antrieb und eigenem Bewusstsein hinauf- und hinabsteigen könne.

Nur wenn man sich mit den Grundlagen des neoplatonischen Renaissance-Humanismus auseinandersetzt, geht einem die ganze Bedeutung von Michelangelos Fresken auch wirklich auf.

*) zit. nach A. Bickel, Neuplatonismus, auf http://www.wikiweise.de

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