M. Opitz Gedicht "übersetzen"?

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1 Antwort

Dich verunsichert vielleicht der vorangestellte Genitiv:

der edlen Schönheit Gaben = die Gaben der edlen Schönheit

der Wangen Ziehr = die Zier der Wangen

der Augen Feuer = das Feuer der Augen

der Jugend Frucht = die Frucht der Jugend

der Jahre Flucht = die Flucht der Jahre

Ferner:

greiß = alt (vgl. der Greis)

ungestalt = formlos

drumb = darum

Das ist ein typisches Barockgedicht über das Thema "tempus fugit" (die Zeit entflieht), also Vergänglichkeit.

Das Ich wendet sich an eine Frau und macht aus dieser Perspektive ein Argument, um sie davon zu überzeugen, dass sie ihn (sinnlich) lieben soll, denn es ist dann zu spät, wenn sie alt und hässlich ist.

Du kannst das mit französischen Gedichten parallelisieren, etwa von Ronsard (Quand vous serez bien vieille, le soir..."), die genau dieser Perspektive entsprechen.

Pass auf Vers den Vers "Wir haben Zeit" auf. Das ist kein Widerspruch, denn das bedeutet hier nicht, was das für uns bedeutet (warum sollten wir eilen, da wir doch Zeit haben?

Wir haben Zeit bedeutet hier: Zeit ist in uns, wir sind zeitliche (und also sterbliche) Wesen und darum vergänglich.

Sehr schwer sind dagegen die Schlussverse. Ich möchte aber meinen, dass das auch der Fall ist für den Lehrer/ die Lehrerin. Bin gespannt, wie er/sie das interpretiert :)

Eine solche "Pointe" nannte man in der damaligen Rhetorik eine "argutia", mit anderen Worten eine sexuelle Anspielung. Soll deshalb nicht direkt verständlich sein.

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Kommentar von ekam02
29.02.2016, 15:37

danke

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Kommentar von ekam02
29.02.2016, 16:50

aber den Teil versteh Ich nicht "Gieb mir das, wann du giebest,
Verlier auch ich" Kannst du mir das vielleicht erklären!?

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