Katamaran segeln

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So ganz unrecht hat dein Segellehrer mit dem Spruch zwar nicht, aber seine Sicht ist natürlich die aus der Perspektive des Mono-Seglers.

Katamarane sind nicht zwangsläufig Wohnschiffe, es hängt genau wie beim Mono davon ab in welche Richtung ich die Prioritäten lege.

Wenn ich einen Kat leicht baue, den Wohnkomfort eher spartanisch gestalte ( wegen der Gewichtsersparnis ) und das Rigg nach Mehrrumpfboot-spezifischen Kriterien optimiert gestalte habe ich ein richtig heißes Sportgerät das jeden Mono ( auch größere ) stehen läßt als würden er ankern, habe aber gleichzeitig mehr Lebensraum und meist immer noch mehr Komfort als auf reinen Mono-Sportgeräten.

Stopfe ich allerdings meinen Kat mit allerlei Zeugs voll das mein Leben bequem machen soll, dazu noch vielleicht mit Tauchkrempel, Werkzeug und Ersatzteilen für eine Weltumsegelung,1000 Liter Wasser und Verpflegung für 6 Wochen bekomme ich ein Boot mit lahmen bis vielleicht sogar gefährlichen Segeleigenschaften was tatsächlich eher ein vom Wind angetriebenes Wohnmobil ist.

Aufgrund des vergleichbar großen Platzangebotes neigen leider viele Eigner dazu, ihr Boot gewichtsmäßig zu überladen, was die eigentlich guten Segeleigenschaften schnell kaputt machen kann. Daher kommen dann auch die meisten Vorurteile Kats gegenüber.

Unsere Baltec-Visiona hatte eigentlich auch zuviel Speck auf den Rippen, allerdings hatten wir das Boot konsequent auf maximale Unabhängigkeit hin ausgebaut und ausgerüstet. Mehrwöchige Törns auch zur kalten Jahreszeit in nördlichen Gewässern ohne jeden zweiten Tag einen Hafen anlaufen zu müssen waren bei uns daher der Normalfall.

Was stimmt ist, das ein Fahrtenkatamaran oft auf sportlich ambitionierte Mono-Segler ziemlich langweilig wirkt. Wer es gewohnt ist ständig die Segel zu trimmen und auf der Kante zu hocken weiß auf einem Fahrtenkat schnell erst mal nix mit sich anzufangen.......: wir haben das häufig beobachtet wenn wir Segler an Bord hatten die zum ersten Mal auf einem Kat waren.

Allein schon die tägliche Bordroutine läuft völlig anders ab als auf einem Mono, es ist tatsächlich eher so als würde man sich  in einem Ferienhaus bewegen als auf einem Boot. 

Den größten Unterschied merken Mono-Segler bei uns an Bord immer wenn man sein Tagesziel erreicht hat...: Bei gleicher Strecke ist man mit einem Kat entweder schneller, oder kommt enspannter an........ meist sogar beides zusammen.

Es gibt da noch einen Spruch über Kats der aber tatsächlich stimmt....: " Der beste Platz für einen Kat ist der Ankerplatz "........

Ein Boot mit gern mal  6 oder mehr Metern Breite ist tatsächlich nix für das nachmittägliche Rennen um den besten Liegeplatz im Sportboothafen, aber wer will das schon....?

Wir ankern zu 80% oder suchen uns einen " kreativen " Liegeplatz irgendwo abseits wo nur ein Kat mit seinem geringen Tiefgang hinkommt. Hat erstens den Vorteil das man seine Ruhe hat und zweitens das es meist nix kostet.

Da Katamarane normalerweise zwei unanhängige Antriebe haben ist so ein Boot extrem manöverierfähig....: ich fahre rückwärts nur mit den Motoren steuernd  Pirouetten in den kleinsten Häfen, die ein Mono nicht mal vorwärts in einem großen hinbekommt.

Der geringe Tiefgang hat aber auch Nachteile....: bei Seitenwind und ohne Fahrt im Schiff hat man schnell mal Schweiß auf der Stirn weil das Boot macht was der Wind will......

Kennt man das nicht, kann man schnell in kritische Situationen kommen.

Ein weiterer Nachteil ist das manchmal ruppige Seeverhalten mancher Kats auf bestimmten Kursen / bei bestimmten Wetterlagen.  Ein schweres Mono-Dickschiff geht durch manche Wellen schon um einiges weicher durch als ein leichter Kat mit seinen flachen Unterwasserschiffen, da kann man manchmal schon ordentlich durchgeschüttelt werden.

Alles in allem ist ein Kat aber ein perfektes Reiseboot um auch mit Nichtseglern entspannt längere Reisen unternehmen zu können.

Cool danke für deine ausführliche Beschreibung! Was ich momentan anschaue ist das "Lagoon 500" da haben gut 10 Pers. Platz und ich denke man hat alles was man braucht.. Was hältst von dem Teil? Und Mittelmeer müsste für den Anfang ok sein oder? ZB Elba..? Wie ist das eigentlich beim Ankern.. Braucht man immer eine Nachtwache oder können da alle getrost schlafen sofern das Wetter gut ist und bleibt? (Ich weiß das werde ich beim SKS noch lernen.. Aber mich interessierts jetzt hihi)

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@TomWinchester

Von so einem 50-Fuß Monsterboot würde ich dringend abraten, erst recht für Anfänger.

Selbst ein Kat um die 40 Fuß ist für jemanden der sowas das erste Mal bewegt erst mal Respekt-einflößend.

Abgesehen davon würde ich mit 10 Personen auf einem Boot höchstens zwei oder drei Tage-Törns machen, jedenfalls mit Leuten die noch nie miteinander oder überhaupt gesegelt sind. Für die kurze Zeit können sich die meisten noch zusammenreißen, dauerts länger gibts meistens schon Stress. Bei Seglern die wissen wie´s läuft oder die sich kennen kein Problem, aber nicht bei zusammengewürfelten Crews mit hohem Nichtsegleranteil.

Ich würde fürs erste Mal Kat allein ein Boot mit max. 42 Fuß ( eher kleiner ) empfehlen und dazu wenn möglich nicht mehr als sechs Leute. Boote in der Größe sind noch überschaubar und von Handling her auch füt Kat-Neulinge beherrschbar, daneben haben sie auch schon alle Atribute die einen Kat so angenehm machen. Mit so einem 50 Fuß-Klotz kommt man im übrigen dann auch schon oft nicht mehr in die hübschen abgeschiedenen Ecken oder kleinen Fischerhäfen hinein.

Die " neuen " Lagoons finde ich im übrigen pottenhässlich...., die erste Serie hatte wesentlich schönere Formen, vor allem im bezug auf den Aufbau. Lagoons sind typische Charterdampfer die gut segeln, reichlich Platz und Komfort bieten und zum Urlaubs-Islandhopping prima geeignet sind.

Zum ankern....: wir fahren überdimensioniertes Ankergeschirr wie man es auf einem Charterkat wohl kaum finden wird. Der Anker wird grundsätzlich betaucht um zu sehen wie er sich eingegraben hat und oft liegen wir sogar vor zwei Ankern. Ich habe zwar einen gesunden Schlaf, bin aber verlässlich sofort wach wenn irgendwas ungewöhnliches passiert. Daneben haben wir noch mehrere Navigationsgeräte die eine Ankerwache-Funktion haben und meinen zuverlässigen " Kochtopf auf dem Deckshaus-Schnur-Klappdraggen "- Ankeralarm. Außerdem wird nur in geschützten Ecken ohne Wache geankert und nur wenn das Wetter perfekt ist und bleiben soll.

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@TomWinchester

Nach deinen Fragen zu schließen, fehlt dir noch viel an Erfahrung.

Die Lagoon 500 ist ein tolles Schiff. Das Bewegen auf engem Raum ist mit einem Cat leichter als mit einer Monohull. Ich mache seit Jahren Skippertrainings, auch auf Katamaranen. Wenn man den Dreh kennt, tun sich im Hafen alle Teilnehmer mit dem Cat leichter. Die beiden Maschinen können den Cat am Platz präziser drehen als eine Monohull mit Bugstrahlruder. Beim Cat brauchst du keine Hilfsleinen zum eindampfen. Die Leute die über den Cat schimpfen sind noch nie mit so einem Boot erfolgreich gefahren.

Zwei Punkte gehen zu Gunsten der Monohull:

1.) billiger in Anschaffung, Charter, Hafengebühren

2.) geiler Amwindkurs mit Schräglage

Alle anderen Punkte gehen eindeutig zu Gunsten des Cat. Besonders wenn man die Verteilung der Nutzung betrachtet. 2 Stunden geiler Amwindkurs versus 24 Stunden Komfort!

Zur Geschwindigkeit des Cat muss man sagen, dass da oft Äpfel mit Birnen verglichen werden. Im Wettkampf sind Cats eindeutig schneller als die Monohulls. Wenn du allerdings eine sportliche Monohull mit einem komfortablen Cat vergleichst ist das umgekehrt.

Ankern ist mit dem Cat leichter wegen dem geringeren Tiefgang. Damit kannst du den Cat weiter hinten in eine Bucht legen und hast bei gleicher Kettenlänge mehr Sicherheit.

Als schönstes Segelrevier in Europa wird immer wieder Kroatien genannt. Ich kenne nur das Mittelmehr und aus dieser Sichte stimme ich voll zu.

Für die Kornaten ist Biograd der beste Ausgangspunkt. Du kommst in einer Woche zu den schönsten Plätzen, inklusive Krka-Wasserfälle. Dort bekommst du auch bei der Firma Pitter eine Lagoon 500.

Mehr zum Thema findest du hier:

www.sailing.czaak.at

Handbreit

PS: für weitere Fragen gerne per Mail: sailing@czaak.at

 

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@sejler

Zum Stress mit großen Crews und bunt zusammengewürfelt:

Ich fahre seit vielen Jahre als Profi für Kojencharter-Firmen.

Beim Kojencharter lernen sich die Teilnehmer erst am Boot kennen. Keine Spur von Abstimmung vorweg. Ich erachte es als meine Aufgabe als Skipper, die Leute bei der Schiffseinweisung auch auf die sozialen Stolperfallen aufmerksam zu machen. Im Laufe der Woche bin ich sehr aufmerksam, wie sich die Stimmung entwickelt und greife ein, bevor es Probleme gibt. Dazu ist Sensibilität und Fingerspitzengefühl notwendig. Trainer von Mannschaftssportlern erkennen das  als tägliches Brot. Obwohl sich das Team dort kennt, kann es zu Spannungen kommen.

Probleme lösen bevor sie entstehen ist mein Grundsatz. Daher hatte ich noch nie diese oft beschriebenen Probleme während eines Törns.

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Aus unverständlichen Gründen herrscht förmlich ein "Religionskrieg" zwischen Monohull- und Kat-Seglern. Tatsächlich haben diese beiden Schiffstypen unterschiedliche Eigenschaften.

Die Monohull ist unschlagbar geil bei einem Hart-Am-Wind-Kurs.

Der Kat ist bei Vorwind- und Halbwindkursen schnell. Besonders ist aber der Komfort in den Kabinen, dem Salon und der "Terrasse". Der Begriff Cockpit ist weit untertrieben.

Vom Salon bzw. Küche gehst du über nur eine Stufe auf die Terrasse. Bei der Monohull kletterst du über eine steile Stiege vom Keller an Deck.

Beim Kat kannst du vom Salon inkl. Navitisch die ganze Umgebung sehen.

Nach meiner Beobachtung schimpfen eigentlich nur Leute über den Kat, die noch nie damit eine Woche unterwegs waren.

Bei den Hafenmanövern schlägt der Kat mit seinen zwei Maschinen jede Monohull inkl. Bugstrahlruder!

Wen du in einem 38er oder 40er Kat 8 Personen in 4 Kabinen unterbringst, dann haben diese Leute auch jede Menge Platz im Salon und auch an Deck. Bei der Monohull wird es nicht nur bei Lage mit 8 Personen sehr, sehr eng. Am Kat liegen die Sonnenhungrigen in der Bucht bequem im Netz. Bei der Monohull gibt es höchstens einen Liegeplatz für eine Person.

Ich hatte bei einer Veranstaltung eine Party mit 23 Personen auf einer Lagoon 43 im Cockpit.

Am Kat bleibt mein Getränk dort stehen, wo ich es hingestellt habe, egal welchen Kurs ich fahre.

Ich mache seit Jahren Skippertrainings auf Katamaranen und die Schuler sind alle nach dem Training begeistert. (http://sailing.czaak.at)

Ich verwende den Kat erfolgreich als "Einstiegsdroge" für Leute die gerne segeln gehen würden, aber Angst vor der Schräglage und den engen Platzverhältnissen haben.

Handbreit!

Woher ich das weiß:Beruf – Skippertrainer, Ausbildner und professioneller Yachtskipper;

Gratulation zu deinem Entschluss!

Ich segle seit mehr als 55 Jahren. Davon ca. 35 Jahre auf See. Die letzten 10 Jahre als Profiskipper und Skippertrainer mit Schwerpunkt Katamaran. Zuletzt auch als Buchautor von "Skippertraining & Skipperpraxis".

Für deine Anforderungen ist der Kat zu 100% das richtige Gerät.

Allerdings ist ein Kat etwas anders in der Handhabung. Beim manövrieren auf engem Raum (Hafen Marinas) ist der Kat unschlagbar. Auch bei ungünstigen Winden.

Der Wohnkomfort ist unvergleichlich.

Auf einer Monohull hast du ein enges Cockpit, am Kat eine Terrasse!

Dein Bier steht dort wo du es zuletzt hingestellt hast.

Die Monohull ist "geiler" bei einem Am-Wind-Kurs und hat günstigere Charter- und Hafengebühren. Ansonsten gehen alle Punkte an den Kat.

Ich empfehle dir ein Skippertraining am Kat. Da lernen meine Schüler alle Besonderheiten des Kat intensiv kennen.

Das schönste Revier Europas ist Kroatien. Das haben 3 Journalisten auf der Boot in Düsseldorf einstimmig behauptet. Sehr viele Inseln, gute Infrastruktur. Tolle Buchten und Hafenstädte.

Noch ein Tipp zum Reffen: beim Kat musst du dich in einer Refftabelle über die notwendigen Reffs bei den verschiedenen Windstärken informieren. Eine Refftabelle muss in jedem Kat vorhanden sein. Überprüfe das bei Schiffsübernahme und fordere sie nötigenfalls vom Vercharterer an.

Im Gegensatz zur Monohull zeigt dir der Kat zu starken Wind mangels Krängung  (Schiffsneigung) nicht so deutlich an. Daher Tabelle und Windstärke beachten.

Die mangelnde Krängung und der Komfort sind auch die Gründe, warum ich den Kat gerne als "Einstiegsdroge" bezeichne. Insbesondere Kinder und Frauen fühlen sich am Kat sicherer als auf einer Monohull in Schräglage beim "Reling waschen".

Mehr Infos auf www.sailing.czaak.at.

Viel Spaß

Rudi

Woher ich das weiß:Beruf – Skippertrainer, Ausbildner und professioneller Yachtskipper;

Katamaran - Segeln macht viel Spaß, weil die Dinger blitzschnell sind. Natürlich kannst du das mit den Scheinen. Ich weiß  nicht, was dein Lehrer dagegen hat.

Zu berücksichtigen ist aus meiner Sicht nur, dass die Liegegebühren in den Yachthäfen teuer sind, weil ein Kat einfach breiter ist als ein Segler und daher mehr Platz einnimmt Du wohnst in den Kufen. Du wirst es lieben!

cool danke dir! :) Ja ich fang ja schon bei den Bildern das Träumen an.. Hast du evtl. noch Tipps zu einer guten Charterfirma und einem schönen und nicht allzu anspruchsvollen Gebiet?

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@TomWinchester

Charterfirma kann ich dir nicht nennen. Am leichtesten fand ich die Ostsee. Kroatiens Küste habe ich aber auch geliebt!

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Du meinst einen großen Katamaran, in dem man auch schlafen kann? Denn es gibt auch kleine, sportliche Katamarane, die sind überhautp nicht zum "wohnen" gedacht ;).

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