karl der große und abt fulrad?´?

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1 Antwort

Welcher Abt Fulrad ist gemeint?

„Berittene “ sind Leute, die auf Reittieren sitzen. Es handelt sich um Reiter und zwar gewöhnlich welche, die auf einem Pferd reiten bzw. ein Pferd dafür zur Verfügung haben. . Ein Abt hat die Leitung einer Abtei. Eine Abtei ist ein Kloster, dem ein Abt oder eine Äbtissin vorsteht. Ein Abt hat als Leiter eine Oberaufsicht über eine Abtei. Er hatte sich um die Verwaltung der Klosterbesitzungen zu kümmern. Für die Grundherrschaft eines Klosters hatte ein Abt die Rechtsprechungsbefugnis eines Grundherrn.

Fulrad, seit 750 Abt von Saint-Denis, entstammte einer an Besitzungen reichen Adelsfamilie.

Er ist 749 bezeugt und starb am 16. Juli 784.

Fulrad scheint bereits früh an den fränkischen Königshof gekommen zu sein. Er erscheint in den Quellentexten nicht als Mönch, sondern als Presbyter. 749 gehörte er zu den engsten Vertrauen Pippins (Pippin [der Jüngere] war Vater von [Karl dem Großen] und Karlmann [Karls jüngerer Bruder, der in einer Reichsteilung einige Jahre König war, bevor er früh starb). Für den eigenen Schritt auf den Thron holte sich Pippin (bis dahin Hausmeier) Legimation beim Papst, um gegenüber der traditionellen Legitimität der Merowinger mit einem alten sakralen Charakter des Königtums zusätzlich eine eigene Rechtfertigung einzusetzen. Er schickte 749 Bischof Burchard von Würzburg und seinen obersten Kapellan Fulrad nach Rom. Diese stellten Papst Zacharias eine Frage zu den Königen im Frankenreich, die keine königliche Macht/Gewalt hatten, ob es gut sei oder nicht. Der Papst antwortete, es sei besser, König heiße, wer die Macht/Gewalt habe, nicht wer keine königliche Macht/Gewalt habe. Mit diesem Gutachten als Stütze ließ sich Pippin 751 in Soissons zum König wählen/ernennen, durch die Bischöfe salben (was ihn als Erwählten Gottes ausweisen sollte) und huldigen.

Als oberster Kapellan hatte Fulrad die Leitung der Hofkapelle. Mit »Hofkapelle« ist in diesem Zusammenhang keine Musikgruppe bezeichnet, sondern eine Kanzlei mit Klerikern (Geistliche), die im Hofdienst standen. Neben ihrer ursprünglichen geistlichen Tätigkeit übernahmen sie diplomatische und administrative Aufgaben. Die Kapellane (capellani), Geistliche im Gefolge des Königs, stellten königliche Erlasse aus und dienten ihm bei der Verwaltung und bei diplomatischen Verhandlungen.

Matthias Becher, Karl der Grosse. Originalausgabe, 5., aktualisierte Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : C. H. Beck Wissen ; 2120), S. 98 gibt als Information an:
„Die Funktionen der merowingischen Kanzlei wurden von der königlichen Hofkapelle übernommen. Die Kapelle war ursprünglich der Ort, an dem die cappa (der Mantel) des fränkischen Reichsheiligen Martin aufbewahrt wurde. Die Geistlichen, die dort ihren Dienst versahen, hießen dementsprechend capellani. Ihr Vorsteher, später Erzkaplan genannt, überwachte die Ausfertigung königlicher Urkunden und Briefe.“

Fulrad war oberster Kapellan auch unter Karlmann und unter Karl dem Großen. Als 771 Karlmann starb, gehörte Fulrad zu den Großen unter Karlmanns Gefolgsleuten, die in Corbeny Karl dem Großen als Herrscher huldigten.

754 emping Fulrad Papst Stephan II. in Saint-Denis.

Fulrad gewann dem Kloster verlorene Gebiet zurück und neue hinzu. Diese stellte er ebenso wie seinen Eigenbesitz. Den er erst in seinem Testament dem Kloster Saint-Denis vermachte, in den Dienst der Karolingerherrschaft.

Fulrad war ein wichtiger und vertrauter Helfer Karls des Großen und einflußreicher Ratgeber. Er war ein Mittelsmann zwischen König und Geistlichen. Er hatte eine bedeutende Rolle bei der Verbindung zum Papst in Rom und hat sich auf Reisen in Italien als Gesandter und Bevollmächtigter mehrere Male die Umsetzung von Karls Politik betrieben.

Fulrad war häufig Gesandter zu ausländischen Mächten.

Vg. zu ihm:

Josef Flckenstein, Fulrad. In: Lexikon des Mittelalters, Band 4: Erzkanzler bis Hiddensee. München ; Zürich : Artemis, 1995, Spalte 1024 - 1025

Abt Fulrad von Saint-Quentin wurde in einem erhaltenen Brief von Karl dem Großen (MGH Capitularia regum Francorum I, Nr. 75) 806 aufgefordert, sich mit einem bewaffneten und ausgerüsteten Truppenaufgebot zu einer fränkischen Reichsversammlung nach Staßfurt an der Bode (ein Ort etwas südlich der heutigen Stadt Magdeburg) .

Abt Fulrad von Saint-Quentin war ein Gefolgsmanns Karls des Großen und zur Stellung Truppen verpflichtet, wenn ein Heer aufgeboten werden sollte.

Fulrad hat auch als Königsbote (missus dominicus) Dienste geleistet (MGH Capitularia regum Francorum I, Nr. 75). Im Jahre 806 bereiste Abt Adalhard von Corbie als Königsbote zusammen mit Abt Fulrad von Saint-Quentin, Graf Unroch und Graf Hrocculf die Gegend von Leodicum (heute Lüttich).

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Kommentar von Albrecht
25.01.2013, 01:02

Aufgaben von Königsboten (missi dominici), seit 802 jeweils zwei Inhaber höherer Ämter zusammen, waren:

  • Kontrolle des Königsguts

  • Reisen durch Gebiete, Mitteilung königlicher Nachrichten und Anweisungen, Achten auf Durchführung von königlichen Anordnungen

  • Beseitigung von Mängeln/Mißständen

  • Melden von Verstößen in Berichten an den König

Vgl. dazu:

Matthias Becher, Karl der Grosse. Originalausgabe, 5., aktualisierte Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : C. H. Beck Wissen ; 2120), S. 89 – 106

Reinhard Schneider, Das Frankenreich. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. München : Oldenbourg, 2001(Oldenbourg-Grundriss der Geschichte ; Band 5), S. 56 - 58

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