Kann mir jemand Platons Ideenlehre und seinen Idealen Staat erklären?

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In dieser Art ist nur eine einführende Darstellung möglich. Bei sehr kurzen und einfachen Texten besteht die Gefahr, zu oberflächlich zu sein und Wichtiges wegzulassen.

Ideenlehre

Platon versteht Ideen als grundlegend für die Wirklichkeit. Eine Idee (von Platon ἰδέα [idea] oder εἶδος [eidos] genannt, aber auch mit anderen Ausdrücken wiedergegeben) ist etwas Bestimmtes allgemeiner Art. Ideen sind dem Sein/der Existenz und dem Erkennnen nach vorausgehend, übergeordnet und vorrangig.

Ideen sind bei Platon mehr als nur Gedanken. Denn die platonischen Ideen exstieren unabhängig davon, ob jemand sie denkt. Platon unterscheidet zwei Bereiche der Wirklichkeit:

1) Bereich der Ideen: Seiendes, unwandelbar/unveränderlich, zeitunabhängig/ewig, unkörperlich und daher nicht durch Sinne wahrnehmbar, sondern durch Denken einsehbar/geistig erfaßbar/von der Vernunft erkennbar

2) Bereich der Erscheinungen: Einzeldinge, empirischer Bereich (Gegenstände der Erfahrung), veränderlich und vergänglich (Werden und Vergehen), durch Sinne wahrnehmbar (Sinneswahrnehmung)

Nach der Lehre Platons sind die Ideen wirklich/wahrhaft Seiendes, etwas in sich selbst Gleiches und Gleichbleibendes. Eine Idee ist etwas Bestimmtes und nur dieses selbst, das Wesen einer Sache und nichts anderes. Eine platonische Idee kann als innere Form einer Sache verstanden werden.

Das Erfassen der Idee als Ganzes, als Sacheinheit, leistet die Vernunft. Eine Idee voll zu erkennen, bedeutet, eine Sache in der Fülle ihrer Bestimmungen zu erkennen. Bei der Idee des Dreiecks ist dies das Dreieck-Sein, also beispielsweise, eine geometrische Figur zu sein, ein zweidimensionales Gebilde zu sein, aus drei geraden Linien (Seiten) zu bestehen, die drei Punkte (Ecken) verbinden, eine Summe der Innenwinkel von 180° und der Außenwinkel von 360° zu haben.

Die Einzeldinge haben zu den Ideen eine Verbindung, die in bildlich-übertragener Ausdrucksweise ein Urbild-Abbild-Verhältnis genannt werden kann (ein Muster/Vorbild und ein Abbild). Platon schreibt von einer Teilhabe der Einzeldinge an den Ideen. Im Einzelding gibt es eine Anwesenheit/Gegenwärtigkeit der Idee. Zwischen Idee und ihr zugehörigem Einzelding gibt es eine Gemeinschaft.

Einzeldinge haben an Ideen Anteil und sind erst von daher voll erkennbar. Eine einzelne gerechte Handlung oder gerechte innere Einstellung kann als gerecht nur erkannt werden, wenn schon etwas Allgemeines geistig erfaßt worden ist, nämlich die Idee des Gerechten. Die Idee des Gerechten ist ein allgemeines Prinzip, das für alle Einzelfälle als Maßstab dienen kann. In den Einzelfällen ist bei allen jeweiligen Unterschieden im Einzelnen etwas gemeinsam, das Gerechte selbst. Die Idee ist im Verhältnis zu den Einzeldingen, die an ihr teilhaben, eine übergeordnete Stufe/Ebene.

Einzeldinge sind teils Idee, teils Nicht-Idee (etwas, das nicht dem Wesen nach notwendig zu dem bestimmten Etwas, welches die Idee ist, gehört). Bei Stühlen kann die Form (z. B. mit oder ohne Armlehnen), das Material (z. B. Holz oder Metall) oder die Farbe (z. B. braun oder weiß) unterschiedlich sein. Es gibt aber etwas Gemeinsames, in diesem Fall ist die Funktion wesentlich (etwas zum Daraufsitzen), und dieses, wovon alle einzelnen Stühle bestimmt sind, ist die Idee des Stuhles.

Ohne Ideen gibt es nach Platons Auffassung kein Wissen, keine Erklärung der Wirklichkeit und kein begründbares moralisches Handeln. Das Denken kann nur etwas erfassen, das etwas Bestimmtes ist.

Nach Platons Darstellung gibt es von fast allen Dingen Ideen. Ausnahmen sind:

a) individuelle konkrete einzigartige Dinge (Singularia), diese gibt es nur einmal und es kann sie auch nicht mehrfach geben (daher gibt es z. B. keine Idee des Individuums Sokrates)

b) Undefinierbares (zu etwas, das kein abgrenzbares Etwas ist, nur ein Das-da, gibt es keine Idee)

In der Seele gibt es aufgrund der Erkenntnisvermögen potentiell (der Möglichkeit nach) ein Einsehen der Ideeen. Daher sind Lernen und Erkennen in gewissem Sinn Wiedererinnerung/Anamnesis (ἀνάμνησις).

Im Bereich der Ideen gibt es Beziehungen der Ideen untereinander. An der Spitze steht die Idee des Guten, die für alle Dinge Ursache ihres Seins/ihrer Existenz und ihrer Erkennbarkeit ist.

Bei Platon gibt es eine Unterscheidung der Welt/der Wirklichkeit in zwei Teile (Dualismus). Zugleich gibt es aber eine Verbindung der zwei Teile, da die Einzeldinge an Iden teilhaben. Weil nach Platons Aufassung alles in der Idee des Guten seinen Grund hat, handelt es bei seiner Philosophie letztlich um einen Monismus (Zurückführung auf ein einziges Prinzip).

idealer Staat

Platons Entwurf eines idealen Staates steht im Dialog »Politeia« hervor, dessen Hauptthema die Gerechtigkeit ist. Im idealen Staat geht es nicht nur um die bloße Existenz (Überleben), sondern auch um das gute Leben. Gerechtigkeit soll verwirklicht werden.

Aufbau der Seele und Aufbau des Staates sind aufeinander bezogen und es gibt eine Entsprechung. Es gibt in der Seele (vgl. besonders Platon, Politeia 435 – 445):

1) das Vernünftige (τὸ λογιστικόν)

2) das sich Ereifernde (τὸ θυμοειδές) [gemeint ist nicht wütend sein, sondern eher etwas wie engagiert sein]

3) das Begehrende (τὸ ἐπιθυμητικόν)

Die Seelenteile werden zu den Ständen/Klassen im Staat und zu Tugenden/Vortrefflichkeiten in Beziehung gesetzt. Die drei Seelenteile sind Arten der seelischen Ausrichtung/seelische Strebeformen.

Die vier Haupttugenden sind nach Platon:

1) Weisheit (σοφία)

2) Tapferkeit (ανδρεία)

3) Besonnenheit (σωφροσύνη)

4) Gerechtigkeit (δικαιοσύνη)

Die Seelenteile haben ihnen eigentümliche Tugenden/Vortrefflichkeiten, mit denen sie jeweils auf besondere Weise verbunden sind(auch wenn sie alle Vernunft voraussetzen): Die Besonnenheit mit einer Kontrolle über das Begehrende (τὸ ἐπιθυμητικόν), die Tapferkeit mit dem Muthaften/sich Ereifernden (τὸ θυμοειδές), die Weisheit mit dem Vernünftigen (τὸ λογιστικόν) und die Gerechtigkeit mit einer Übereinstimmung/Harmonie aller Seelenteile/Seelenvermögen. Gerechtigkeit bedeutet, das Seine zu haben und das Seine zu tun (Platon, Politeia 433b τὸ τὰ αὑτοῦ πράττειν).

Die Vernunft soll die Leitung übernehmen, eine kluge Fürsorge/Voraussicht (προμήθεια). Platon beschreibt das Verhältnis bei gutem Zusammenspiel (dem gerechten Zustand) als Freundschaft (φιλία), Übereinstimmung/Einklang (συμφωνία) und Harmonie (ἁρμονία).

Die drei Stände/Klassen im Staat sind:

1) Philosophen

2) Wächter (dienen z. B. als Krieger)

3) Erwerbsbarbeit Betreibende (z. B. Bauern, Handwerker, Händler/Kaufleute)

Es sind als in Entsprechungen aufeinander bezogen:

Philosophen – Weisheit – das Vernünftige

Wächter –Tapferkeit – das sich Ereifernde

Erwerbsbarbeit Betreibende – Besonnenheit – das Begehrliche

Als Ziele des Staates versteht Platon Gerechtigkeit, Einheit und Glück der Bürger (sowohl der Einzelnen als auch der Gemeinschaft). Im idealen Staat sollen alle Bürger ihre Fähigkeiten auf bestmögliche Weise entfalten können.

Es gibt in dem Staat Arbeitsteilung und Hierarchie (Unter-/Überordnung).

Platon denkt an eine begrenzte Größe und Einwohnerzahl, bei der die Möglichkeit direkten Kontaktes zwischen Bürgern und Herrschenden besteht.

Der Staat wird von Philosophen/Philosophinnen als Herrscher/Herrscherinnen geleitet, die mit Hilfe ihrer Vernunftbegabung Einsicht in das Gute an sich haben, gestützt auf ihre Ideenerkenntnis Ordnung erkennen, für sie sorgen und Mitmenschen von ihr überzeugen können (vgl. zum Zusammenkommen von Macht und Philosophie, den Philosophenkönigen, Platon, Politeia 473 d). Es gehört zur Aufgabe der Philosophen, sich auch mit Praxis zu befassen und um ihre Mitmenschen zu kümmern.

Erziehung und Bildung sind wichtig. Das weibliche und das männliche Geschlecht sollen auf gleiche Weise erzogen und (aus)gebildet werden. In der allgemeinen Art der natürlichen Begabung gebe es keinen Unterschied, nur seien Frauen dabei im Allgemeinen schwächer als Männer (womit ein Übertreffen im Einzelfall nicht ausgeschlossen ist).

Bei den ersten beiden Ständen/Klassen, den Philosophen und den Wächtern (die aufgrund ihrer Vernunftbegabung geeigneten Wächter sind es, die zu Philosophen werden) gibt es Frauengemeinschaft, Kindergemeinschaft und Gütergemeinschaft.

Die Verwirklichung des Staatsentwurfes hält Platon für sehr schwierig, aber nicht unmöglich.

Platon wollte einen Philosphenstaat (Politeia). Dort werden die Bürger in 3 Gruppen eingeteilt: Die Gelehrten/Philosophen; die Wächter/ Krieger und als dritte Gruppe die Handwerker und Bauern, wobei die Gelehrten die oberste Gruppe bilden und ein Philosophenkönig herrscht

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Danke für deine schnelle und hilfreiche Antwort :D

Weißt du zufällig noch etwas über die Ideenlehre von ihm?

L.G. PuffiGirl

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@PuffiGirl

Schau dir mal Platons Höhlengleichnis an, am besten in Youtube, da ist das ziemlich gut erklärt

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Hallo zusammen :),

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(Gleichnis= "kurze bildhafte Erzählung, die einen abstrakten Gedanken oder Vorgang durch Vergleich mit einer anschaulichen, konkreten Handlung [mit belehrender Absicht] verständlich machen will" (http://www.duden.de/rechtschreibung/Gleichnis). Dabei ist es m.E. so, dass zwischen Metapher und Gleichnis kein riesiger Unterschied besteht, in einem Gleichnis jedoch eine erzählerische Komponente enthalten ist und ein ganzes 'Bildfeld' ensteht (im Gegensatz zur Metapher i.e.S.).

Jetzt möchte ich fragen, ob mir jemand ganz dezidiert erklären kann, wie ich der Person (Uni-Dozent!) ggü sauber und korrekt argumentieren kann, dass sie nicht recht hat ... Also, inwiefern genau das ein Gleichnis (neben den 3 Gleichnissen) ist und keine einfach 'abzutuende' Metapher... Sicher ist das Schiffgleichnis kein Gleichnis, das Platons Ideenlehre versinnbildlichtl, aber dennoch ein Gleichnis, das Aspekte Platons Philosophiebegriffs verdeutlicht.

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Liebe Grüße

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