Kann man unter Zwang effektiv lernen?

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7 Antworten

Es gibt Studien, die zeigen, dass ein moderater Leistungsdruck anregend und förderlich ist, ein zu starker Leistungsdruck jedoch hemmend ist. Das liegt an den Stresshormonen. Ein wenig Stress führt zu Konzentration und Aufmerksamkeit. Zu viel Stress ist jedoch überfordernd, Muskelverspannungen, Schlaflosigkeit und psychosomatische Beschwerden sind die Folge. Sie beeinträchtigen schließlich die Konzentrationsfähigkeit.

Die Motivation wird eingeteilt in extrinisische (zweckorientiert: lernen, um ein Soll zu erfüllen/ lernen, um gute Noten zu schreibn/ lernen, um einen Job zu bekommen) und instrinsische (aus sich selbst heraus: lernen, weil es Spaß macht/ lernen, weil man unbedingt mehr über ein Gebiet wissen will). Lernen, das auf intrinsischer Motivation beruht, ist effektiver. Das bedeutet natürlich nicht, dass man mit extrinsischer Motivation keine Aussicht auf Erfolg hat, aber es ist weniger effektiv. Wenn dich das näher interessiert, hier mal ein Link, der es kurz und anschaulich darstellt: http://www.ph-heidelberg.de/wp/konrad/download/3S_Selbstbestimmung.pdf

Dass Lernen und Emotion miteinander eng verknüpft sind, ist wissenschaftlich erwiesen. Wenn du mehr darüber erfahren willst, kannst du dir Vorträge von Manfred Spitzer bei youtube anschauen. Ohne Zwang lernen bedeutet aber nicht automatisch, dass das Lernen mit Emotionen verknüpft ist. Ich habe mir z.B. meine Hausarbeitsthemen in der Uni immer nach Interesse ausgesucht und habe sie gerne geschrieben, aber dennoch kann ich das nicht mehr alles abrufen, weil es wirklich übertrieben wäre, zu behaupten, dass ich euphorisch gewesen wäre. Außerdem kann im Umkehrschluss auch Verzweiflung, Angst oder Wut dazu führen, dass uns etwas stark im Gedächtnis bleibt. Weißt du z.B. noch, wo du am 11. September 2001 gewesen bist? Das weiß fast jeder und das sicherlich nicht, weil er ne große Party gefeiert hat. Wenn wir unter Angst lernen, wird die Amygdala eingeschaltet. Sie sucht sofort nach der schnellsten Lösung, um unsere Angst in den Griff zu bekommen. Man findet also schnell Problemlösungen, kann aber keine kreativen, vielschichtigen Lösungen erarbeiten. Die gefundenen Lösungen sind daher nicht unbedingt immer besonders gut. Eine Mutter, die nicht springen kann, wird z.B. in einer Kurzschlussreaktion ihrem Kind hinterherspringen, wenn es in den Fluss gefallen ist- mit dem Resultat, dass womöglich beide ertrinken. Unter Angst Lösungen zu erarbeiten oder Wissen aufzunehmen, kann sehr schnell funktionieren, die Resultate sind jedoch nicht so durchdacht wie Lösungen, die mit mehr Zeit und Ruhe entstanden sind. Wer Freude am Lernen hat, interessiert ist und selbst tüftelt, braucht länger, um eine Lösung zu finden und wird neues Wissen nicht so schnell aufnehmen, erzielt aber die besseren Resultate.

Technohunter 26.06.2013, 23:22

Sehr gute Antwort, danke!

Gruß

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Technohunter 26.06.2013, 23:38
@Technohunter

Noch eine Frage: Wen man hauptsächlich aus extrinisischer Motivation heraus gelernt hat, vergisst man dan nicht das meiste Wissen nach z.b. einer Prüfung (sagen wir die "letzte") wieder da man es nicht mehr für wichtig erachtet bzw. braucht?

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Unter Zwang und bei Desinteresse kann man sich durchaus Wissen "in den Kopf hauen", z.B. für eine Prüfung. Aber das ist dann danach sehr schnell wieder vergessen. Nachhaltig lernen kann man meiner Meinung nach nur dann, wenn man sich für den Stoff interessiert, oder ihn trotz Desinteresse sehr oft braucht. Der Mensch mit seinem neuronalen Netzwerk lernt mit der Wiederholung. Wissen, das mich interessiert, das wiederhole ich von selbst immer wieder und kann es dadurch nachhaltig machen. Wissen das ich brauche, genauso, trotz Desinteresse. Wissen, das mich nicht interessiert und das ich nicht brauche, kann ich mir nicht nachhaltig merken. Das gilt für einen Großteil des Schulstoffes. Man weiß vorher nur nicht, welchen Teil des Schulstoffes man später braucht ...

Man kann lernen, aber eben nur oberflächlich. Wenn eine positive Motivation da ist ("ich werde erfolgreich sein und viel Geld verdienen", "ich kann damit meinen Traum verwirklichen") geht es schon besser. Aber idealer Weise hat man Interesse am Stoff und dann geht es wie von selbst. Bekannter Hirnforscher, der dazu viel leicht verständliches veröffentlicht hat: http://www.gerald-huether.de/

Technohunter 26.06.2013, 20:54

Vielen Dank!

Gruß

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So eindeutig kann man das nicht beantworten.

Tatsächlich gab es und gibt es noch immer Lehrmethoden, die Zwang ausüben. Oft hat das fantastisch funktioniert und bedeutende Wissenschaftler und Künstler hervorgebracht.

Hier sind inzwischen die Lehrmethoden fast schon zu liberal geworden, was viele Schüler ausnutzen und dann vorsichtshalber überhaupt nichts mehr lernen.

Wenn ich da an asiatische Verhältnisse denke, wo der Abschluss der Kinder das höchste ist, und wo die Schüler extrem viel unter Zwang lernen bringt ein Ergebnis, das ich als falsches Wissen erachte. Sie lernen zwar alles aber ob sie alles verstehen ist fraglich. Das merke ich an der Uni, wo solche Leute alles wissen auf vorgefertigte Fragen und Muster, aber auf neue Fragestellungen auf einmal konzeptlos erscheinen. Es scheint also nicht sehr effektiv im Hinblick auf das Leben sondern nur Schule zu sein.

Hör einfach zu. Die Bilder sind schön, die Worte geben Dir Antwort.

Gruß Matti

Nein, meiner Meinung nach lernt man besser wenn man es auch will, nicht wenn man gezwungen wird. Das heißt aber nicht dass man nicht für die Schule lernen soll wenn man keinen Bock auf Mathe hat :D

Technohunter 26.06.2013, 20:38

Interesse lässt sich aber nicht erzwingen, "schmackhaft machen" schon.

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