Jean-Paul Sartre: Der individuelle Akt bindet die ganze Menschheit. Was ist damit gemeint?

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2 Antworten

Mit dem individuellen Akt ist eine Handlung eines Indidviduums gemeint, in der ein Selbstentwurf steckt. Jeder einzelne Mensch überschreitet nach der von Jean-Paul Sartre vertretenen existentialistischen Auffassung das gegenwärtig faktisch gegebene/seine gegenwärtige tatsächliche Situation, in der er sich befindet (Ist-Zustand), mit einer Vorstellung, wie er sein möchte und wie er sein Leben führen will. Es gibt einen Entwurf für die Zukunft, an dem er sein Handeln ausrichtet.

Der Mensch ist im Entwerfen frei und wählt. Er ist für das, was er tut und nicht tut, verantwortlich. Der einzelne Mensch ist aber nach Sartres Aussage nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern für alle Menschen/die ganze Menschheit verantwortlich.

Sartre meint: Indem ein einzelner Mensch sich in einem Entwurf seiner selbst wählt, wählt er zugleich alle Menschen. Die Handlungen eines individuellen Menschen schaffen ein Bild des Menschen, der er sein will, und schaffen zugleich ein Bild des Menschen, so wie er meint, daß der Mensch sein solle. Denn grundlegendes Wählen in einem Entwurf bedeutet, den Wert dessen, was der Mensch wählt, zu bejahen. Was im freien Entwurf gewählt wird, ist immer etwas, das der wählende Mensch als etwas Gutes beurteilt.

Da nach Sartres Auffassung die Essenz (das Wesen) der Existenz (dem Dasein) nicht vorausgeht, sondern folgt, bindet seiner Meinung nach die Gestaltung des Bildes von sich selbst die ganze Menschheit. Der individuelle Entwurf trägt zur Beschaffenheit der Menschheit bei.

Die individuelle Entscheidung wird nicht in einem isolierten Raum getroffen, sondern in einem Raum, in dem andere Menschen existieren.

Die Gestaltung von BIldern des Menschn in individuellen Selbstentwürfen schafft auch für andere Menschen Bilder, die sie beeinflussen.

Mit einer Entscheidung zeigt jemand, wie nach seiner Auffassung die für einen Menschen gute, gültige, ihm zukommende Wahl ist.

Die Handlung ist nicht auf eine einzelne Person in einer bestimmten Situation beschränkt, sondern hat allgemeine Folgen. Andere personen sond so einbezogen.

Beispiele

1) Heirat und Kinder

Zu heiraten oder nicht und Kinder zu haben oder nicht, schafft auch allgemeine Muster (Modell einer Paarbeziehung, Familienmodell) von Lebensformen, an denen Orientierung stattfindet (z. B. kann damit ein Leitbild von Monogamie geschaffen und die Menschheit auf diesen Weg verpflichtet werden), und Wirklichkeit, von der Staat und Gesellschaft betroffen sind und umzugehen haben.

2) Teilnahme an politischen Abstimmungen/Wahlen

Mit der Teilnahme oder Nicht-Teilnahme an politischen Abstimmungen/Wahlen kann angezeigt werden, ob die Ausübung des Stimmrechts für wertvoll und wichtig gehalten wird. Andere Menschen sind in die Entscheidung einbezogen. Denn das Tun oder Unterlassen kann Auswirkungen auf das Leben anderer haben. Die Entscheidungen, für welche politische Richtung abgestimmt wird, beeinflussen das Ergebnis und von den Folgen sind auch andere betroffen.

3) Gewerkschaftsbeitritt

Ob jemand als Arbeitnehemer(in) einer Gewerkschaft beitritt oder nicht und eine Gewerkschaft welcher Ausrichtung dies gegebenenfalls ist, schafft ein Bild zu der Frage, sich auf solche Weise zu engagieren. Andere sind in die Handlung einbezogen, da es Folgen hat, ob eine ausreichend starke organisierte Interessenvertretung zustandekommt oder nicht und welche Ziele verfolgt werden.

4) Kauf von Produkten

Mit dem kauf von Produkten kann angezeigt werden, was als lohnenwert und gut zu gelten hat. Konsumentscheidungen können beeinflussen, was produziert wird, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen. Dabei kann es z. B. darum gehen, welche Zeitungen und Zeitschriften mit welchem Niveau, welchen Themen und welchen inhaltlichen Aussagen Beachtung bekommen und sich aufgrund großen Absatzes behaupten können (ähnlich auch bei Fernsehsendungen, direkt über bezahlung, indirekt über Einschaltquoten), oder darum, inwieweit Produkte, die Umweltstandards und soziale Standards erfüllen, sich durchsetzen können. 

5) Eingreifen, Protest, Widerstand

Ein Eingreifen, um Menschen in Schwierigkeiten zu helfen bzw. sie gegen rechtwidrige und ungerechte Angriffe zu schützen, zeigt ein Bild wünschenswerten, als gut beurteilten Verhaltens. Proteste und Widerstand können anzeigen, sich gegen Fehlentwicklungen und Unrecht einzusetzen und nicht alles hinzunehmen. Inwieweit so etwas geschieht, hat Auswirkungen auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse.

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Das bedeutet, dass wenn du ein Bild von dir selbst schaffst, du gleichzeitig auch ein Bild für andere schaffst, dass sie zwangsläufig beeinflusst. Moral ergibt sich ausschließlich daraus.

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Kommentar von JuliusSt
10.03.2016, 21:26

Beeinflussung ist aber nicht Binden

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Kommentar von masas
10.03.2016, 23:56

Danke für deine Antwort ^^ hättest du den ein konkretes beispiel das die aussage sartres nochmal verdeutlicht

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