Ist Tonio Kröger glücklich?

2 Antworten

Die Novelle versucht einen vermeintlich unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Künstlertum und Bürgerlichkeit darzustellen. Was aber dort in meinen Augen irgendwie nicht schlüssig ist.

Es handelt sich zweifellos um eine Art autobiografischer Selbstanalyse. So ist z.B. die Figur des Hans Hans Hansen deutlich Mann's Jugendliebe Armin Martens ( der in Mann's Werk immer wieder irgendwie auftaucht) nachgebildet. Vermutlich entspringen sogar die dargestellten Szenen so ziemlich der Realität.

Diese Ingeborg Holm entspringt aber eher einer dänischen Novelle, die es zur Zeit des Entstehens der Novelle auf dem Büchermarkt gab. Vermutlich hat Mann sich damals noch nicht getraut, eine zu stark homoerotisch gefärbte Novelle zu schreiben.

Mann's Problem war wohl auch eher der damalige gesellschaftliche Gegensatz zwischen Homoerotik und Bürgerlichkeit. Vor diesem Hintergrund ist die Novelle schlüssig.

Mann's frühe Werke kommen sprachlich eher "hanseatisch gestelzt" daher, was wohl seinem Stolz auf seine vermeintlich  "bevorzugte Herkunft" aus dem damaligen  Grossbürgertum geschuldet war. Dass er auch in einem völlig ganz anderen Stil schreiben konnte, beweist der spätere (kaum beachtete) Roman "Der Erwählte". Mann hatte zweiffellos eine sehr grosse Sprachbegabung.

Schön geschrieben, beantwortet aber nicht meine eigentliche Frage, ob Tonio Kröger glücklich ist..

0
@sofie3765

Nein, war der Protagonist in der Geschichte wohl eher nicht. Die Probleme, Diskrepanz zwischen Künstler- und Bürgertum ist ja das gundlegende Motiv.

0

Außerdem glaube ich nicht, dass es etwas mit Homosexualität zutun hat.  Früher hatte es nunmal eine andere Bedeutung wenn man sagte, dass man jemand männliches liebte. Da hieß es eher dass man ihn freundschaftlich liebte und bewunderte.


0
@sofie3765

Kannste da mal sehen, wie gut Thomas Mann kaschieren konnte. Er hat aber selbst als alter Mann noch zugegeben, dass er als Schüler in Armin Mertens "verliebt" war.

0

Er ist nicht glücklich. Er ist zerrissen zwischen seiner sensiblen Künsternatur und seiner Sehnsucht nach den unkomplizierten, naiven Freuden des Bürgers.

Als Künstler ist er empfindlich, einsam, durchschaut das Leben und die Menschen  ("alles ist Komik oder Elend"), ist nicht praktisch tätig.
Als Bürger wäre er geistlos, grob, sinnlich, würde aber zur Gesellschaft dazugehören.  

Da hast du Recht, aber er meint ja auch, dass er das Leben liebt

0
@sofie3765

Ja, er liebt es, aber das ist eine unglückliche Liebe. Er wird als Künstler nie so unbefangen leben können wie Inge oder Hans Hansen. 

0

Was möchtest Du wissen?