Ist man gestört, wenn man bei einer Beerdigung nicht weint?

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11 Antworten

Das kenne ich, als ich nach siebenjähriger Ehe meinen Mann verlor, habe ich auf der Beerdigung auch nicht geweint (es war als ob ich neben mir stünde). Da gab es einige Verwandte, die etwas nach vorne schritten, damit sie mein Gesicht sehen konnten und lästerten später auch, daß ich keine Träne vergossen hätte, also nicht getrauert habe! Was für eine Frechheit, zuhause hatte ich schon genug geheult. Übrigens geht jeder anders mit der Trauer beim Verlust eines Menschen um. Vielleicht hat deine Mutter sich geschämt, wegen der Nachbarn oder Bekannten! Lass dich nicht beirren, handle so wie es dir zumute ist und nicht wie es andere wollen.

Nein bist du nicht, die Emotionen sind blockiert, das ist ein Selbstschutz der Seele. Beschimpfen lassen muss man sich dafür nicht.

Deine Mutter hat Dich schief angeguckt? Unerhört.

Nein, Du bist weder gestört noch ist das ungewöhnlich. Ich hatte weder an der Beerdigung noch als ich erfahren hatte, dass meine Oma, Onkel gestorben ist, geweint. Oft gesagt: Jeder geht mit solchen Schlägen anders um. Vielleicht weinst Du darüber zu einem anderen Zeitpunkt, vielleicht auch wenn Du alleine bist ... oder aber auch nie. Ist auch OK.

Nein bist du nicht. Mein Vater ist gestorben als ich 19 war - ganz plötzlich. Ich habe auch bei der Beerdigung nicht geweint - auch wenn ich traurig war. Und bei der Beerdigung von meinem Onkel hab ich fast einen lachkrampf bekommen weil ich das verhalten der anderen so affig fand. Jeder geht mit seiner Trauer anders um. Ich musste mir auch von vielen sprüche drücken lassen aber da muss man halt drüber stehen. Niemand hat das Recht dir vorzuschreiben wie du zu trauern hast. Und nur weil man nicht weint - vielleicht einfach gerade nicht in der Stimmung ist zu weinen bedeutet das nicht, dass es dir egal ist. Das kannst du deiner Mutter auch genau so sagen - und da darfst du auch gerne mal was lauter bei werden. Mich regt es mitlerweile tierisch auf, das andere Leute meinen sich da ein Urteil erlauben zu können....

nein, das ist völlig in Ordnung wenn du an dieser Stelle nicht weinen konntest. Es ist doch auch etwas anderes , ob man da unter fremden Leuten steht oder für sich alleine ist mit dem verstorbenen . Eine ältere Patientin von mir erzählt mir heute noch , nach so vielen Jahren , das sie keine Träne rausbekommen hatte als ihre jüngste Tochter gestorben war. Am Grab stand wohl eine bekannte , die sich zu ihrer bekannten umdrehte und sagte: schau mal , der macht das gar nichts aus!" Meine Patientin sagte mir darauf hin , das sie das nie vergessen könnte, weil sie natürlich traurig war über den Verlust ihrer Tochter; jedoch fühlte sie sich damals wie gelähmt dort am Grab . Scheinbar sitzt so ein Erlebnis sehr tief ,trotzdem rechtfertigen braucht sich niemand dafür wenn er bei so einem Anlass nicht in tränen ausbrechen kann. Du hast alles richtig gemacht.

Wenn Du bei traurigen Angelegenheiten, wie konkret bei der Beerdigung Deiner Adoptiv-Oma, nicht geweint hast, hat das nicht zu bedeuten, dass Du nicht traurig bist und Du den Verlust des verstorbenen Menschen nicht schmerzlich empfinden würdest.

Jeder Mensch verarbeitet und empfindet traurige Situationen anders, manche weinen, andere nicht.

Deine Mutter hat überhaupt keinen Grund, Dir Vorwürfe zu machen. Sie müsste wissen, dass manche Menschen Probleme, Sorgen und Traurigkeit innerlich empfinden und nicht nach außen ausdrücken können oder wollen.

Du bist nämlich gar nicht krank.

Nein, das ist absolut kein Zeichen einer Störung! Ich habe auch nicht geweint, als meine über alles geliebte Oma gestorben war! Damals hatte sie mir mehr bedeutet als meine Mutter! Sie war sechs Jahre lang bettlägerig und so demütig, ihr tat es immer so leid, daß sie uns Arbeit machte! Sie war voll klar ohne jede Demenz und sagte immer, sie möchte heim gehen! Heim -- das war ihre Heimat im Himmel, und da sie den Herrn Jesus liebte, sehnte sie sich danach, von der Erde abzuscheiden!

Als sie nun einen Schlaganfall bekam, merkte ich, daß nun ihr Wunsch in Erfüllung gehen sollte, da habe ich mich zu ihr gesetzt und ihr all ihre Lieblingslieder vorgesungen, Lieder von Jesu und vom Himmel, und sie hat mich unverwandt angeschaut!

Nach stundenlangem Koma ging es dann in der Nacht zu Ende, Oma atmete ein paarmal tief auf, streckte sich aus, und über ihr Gesicht ging ein so glückliches Lächeln, und das habe ich nie vergessen können!

Während meine Mutter laut heulte, konnte ich nicht weinen, immer sah ich im Geist dieses Leuchten in Omas Gesicht!

Omas Wunsch war erfüllt worden, und das habe ich ihr von Herzen gegönnt, es war kurz vor ihrem 91. Geburtstag! Da hatte sie doch recht, heimgehen zu wollen! ich hatte den ganzen Nachmittag bie Oma gesessen und gründlich Abschied genommen, diesen Abschied erlebte ich nochmal innerlich.

Natürlich fehlte sie mir, und das sehr, da ich damals zu meiner Mutter nicht die herzlichste Beziehung hatte! Oma war der ruhende Pol in meinem Leben gewesen, meine Mutter war ein etwas unruhiger Mensch damals, in ihrem Alter änderte sich das aber auch!

Irgendwann habe ich später auch mal geweint, weil Oma mir so sehr fehlte, ich weiß es nicht mehr so ganz genau, sie war mir in den Kinder- und Jugendtagen einfach der liebste Mensch!

Ich gehe nicht so sehr gerne zu Beerdigungen, aber wenn von unserer (überkonfessionellen freikirchlichen) Gemeinde jemand Älteres stirbt, dann hatte ich schon das Gefühl, der Himmel steht offen, und die Engel Gottes steigen auf und nieder wie beim Jakob in der Bibel, als er den Traum hatte! Das war dann wie eine selige Feierstunde, bei der man eigentlich nicht das Bedürfnis hat, zu weinen!

Niemand schreibt einem vor, daß man weinen muß, weil jeder seine Trauer anders verarbeitet! Bei mir gipfelte alle Trauer um meine Oma in Dankbarkeit, sie hatte mich gelehrt, zu beten, sie hatte mich viel im Leben getröstet und immer wieder Mut zugesprochen! Das kann ich, solange ich lebe, nie vergessen!

Schließlich durfte ich sie bis zu meinem 26. Lebensjahr haben!

Und ich freue mich darauf, wenn ich mal Abschied von der Welt nehmen muß, meine Oma als strahlend Erlöste wiederzusehen und mit ihr gemeinsam Gott loben!

L. G. Sonnenblume

Ich bin genau so. Hab mir das auch schon oft überlegt, aber ich denke du musst dir da keine weiteren Sorgen machen ;) Nich schlimm, jeder ist da anderst

Ne Blödsinn, du bist nicht krank. Emotionen kann man nicht steuern. Als meine eine Schwester gestorben ist, habe ich das erstmal so hingenommen und erst Wochen später geweint.

Meine andere Schwester hat es auf der Trauerfeier meiner Oma sogar gebracht zu sagen: "Wenn die nicht bald unter die Erde kommt, fängt die an zu stinken", und alle haben gelacht. Sowas ist situationsbedingt und alles was dabei erzwungen ist, ist nur Heuchelei, weil die anderen es erwarten. Also mach dir keinen Kopf.

Jeder trauert auf seine art - musst dir keine sorgen machen.

mach dir doch keine Gedanken.DU bist Du und DU fühlst so wie es DIR passt.

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