Ist "Gedankenfreiheit" in einer modernen Demokratie die angemessene, ausreichende Form der Freiheit?

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4 Antworten

Als alleinstehender Begriff sagt das nicht viel aus, schließlich kann mir auch in einer Diktatur niemand die Gedanken verbieten (genauso wenig wie meine Meinung, Religion oder nicht-Religion, usw.). Solange noch kein verrückter Wissenschaftler eine "Gedankenlese-Maschine" entwickelt hat, zumindest.
Es ist also zunächst ähnlich wie "Meinungsfreiheit" oder "Würde des Menschen" ein sehr schwammiger, nebulöser und dehnbarer Begriff.
Wichtig ist daher, diese zu konkretisieren: wenn ich meine Gedanken nur für mich behalten darf, ist diese "Freiheit" nicht viel wert. Dazu gehören also unbeding konkrete Freiheiten bzw. Rechte wie das Demonstrationsrecht, Pressefreiheit, Recht auf körperliche Unversehrtheit, Briefgeheimnis usw.
Wenn ich z.B. heute Angst haben muss, bei Religionskritik von radikalen Idioten bedroht zu werden und/oder von anderen als "Rassist" oder "Fremdenfeind" verunglimpft werde, und als Konsequenz daraus mich gar nicht erst traue, meine Meinung publik zu machen, dann haben wir schon einen Punkt erreicht, in dem die Gedanken- und Meinungsfreiheit zur Makulatur wurde.

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Hei, Julia3210, "..die Gedanken sind frei, Wer kann sie erahnen, kein Jäger erschießen..." heißt es in einem Lied, dessen Titel mit gerade nicht einfällt: Man kann Gedanken nicht verbieten, wohl aber verbiegen. Zur demokratischen Freiheit gehört aber: Seine Gedanken = Meinungen in Wort, Schrift und Bild ungehindert äußern zu dürfen; zur Freiheit unserer westlichen Demokratien zählt die der Schul- und Berufswahl, die der Niederlassung und die der Informationsfreit, sich aus allgemein zugänglichen Quellen frei und ungehindert informieren zu dürfen, nicht zu vergessen die Wahlfreiheit, die Koalitionsfreiheit,die Konfessionsfreiheit und alle diese Elemente, deren wir uns alltäglich bedienen. Und so. Grüße!

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wfwbinder 14.11.2015, 14:54

Der Titel ist "Die Gedanken sind frei." Es ist ein Volkslied, Text aus dem später 18. Jahrhundert, Melodie aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Ich lege noch eines dazu:

Der Freiheit ein Gasse:

Georg Herwegh

Der Freiheit eine Gasse

1841

Vorm Feinde stand in Reih und Glied

Das Volk um seine Fahnen,

Da rief Herr Struthan Winkelried:

»Ich will den Weg euch bahnen!

Dir, Gott, befehl ich Weib und Kind,

Die ich auf Erden lasse –«

Und also sprengt' er pfeilgeschwind

Der Freiheit eine Gasse.

Das war ein Ritter noch mit Fug,

Der wie ein heiß Gewitter

Die Knechte vor sich niederschlug

0 wär ich solch ein Ritter,

Auf stolzem Roß von schnellem Huf,

In schimmerndern Kürasse,

Zu sterben mit dem Donnerruf:

Der Freiheit eine Gasse!

Doch zittert nicht! Ich bin allein,

Allein mit meinem Grimme;

Wie könnt ich euch gefährlich sein

Mit meiner schwachen Stimme?

Dem Herrscher bildet sein Spalier,

Wie sonst, des Volkes Masse,

Und niemand, niemand ruft mit mir:

Der Freiheit eine Gasse!

Ihr Deutschen ebnet Berg und Tal

Für eure Feuerwagen,

Man sieht auf Straßen ohne Zahl

Euch durch die Länder jagen;

Auch dieser Dampf ist Opferdampf –

Glaubt nicht, daß ich ihn hasse –

Doch bahnet erst in Streit und Kampf

Der Freiheit eine Gasse!

Wenn alle Welt den Mut verlor,

Die Fehde zu beginnen,

Tritt du, mein Volk, den Völkern vor,

Laß du dein Herzblut rinnen!

Gib uns den Mann, der das Panier

Der neuen Zeit erfasse,

Und durch Europa brechen wir

Der Freiheit eine Gasse!

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zehnvorzwei 14.11.2015, 15:57
@wfwbinder

toll! Die 48er, und die, die vor ihnen waren,  hatten´s drauf! Grüße!

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Gedankenfreiheit funktioniert auch in totalitären Systemen.

Zumindest dann, wenn man diese für sich behält. Eine Demokratie unterscheidet sich dadurch, dass sie die Äußerung von Gedanken in einem großzügigeren Rahmen zuläßt. Die Grenzen dieses Rahmen basieren auf der Würde des Menschen, weshalb Volksverhetzung usw. nicht gestattet sind.

Denn aus der Weimarer Republik haben wir zumindest teilweise gelernt, dass die Antidemokraten von ganz links und ganz rechts keine Hemmungen haben, sich zusammenzuschließen, um Demokratie abzuschaffen. Daher haben die Väter des Grundgesetzes eine wehrhafte Demokratie verfasst.

Und nein, auch die Freiheit Gedanken zu äußern, ist nur ein Teil der Freiheit. Da gehören noch viele weitere Punkte, wie das Selbstbestimmungsrecht, die Berufsfreiheit, das Wahlrecht, die Religionsfreiheit, uvm. dazu.

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Das ist nur ein Bruchteil dessen, was eine demokratische Ordnung ausmacht. Viel wichtiger ist in disem Zusammenhang die Meinungsfreiheit.

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