Immanuel Kant Menschenbild

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Freiheit heißt bei Kant einmal „Freiheit wovon“, d.h. kraft der Vernunft, deren sich der Mensch bedienen sollte, kann er sich von der bisherigen Unmündigkeit frei machen. Man könnte dies auch die Freiheit im emanzipatorischen Sinne nennen. Die Unmündigkeit bestand z.Z. Kants darin, dass der Mensch sich von Autoritäten (gemeint war die Kirche) hat sagen lassen, wie er sich in Glaubensfragen zu verhalten hat. Die durch den Feudalstaat verordnete Unmündigkeit hat Kant dagegen nicht anzutasten gewagt. Freiheit heißt aber nach Kant außerdem noch „Freiheit wozu“. Ein Sich-frei-machen von Autoritäten kann ja nicht dahin führen, dass der Mensch jetzt total frei ist. Diese Art von „Freiheit“ führt entweder ins Chaos oder zu einer neuen Unfreiheit. Der Mensch hat also kraft seiner Vernunft nur die Freiheit, sich für eine neue Bindung zu entscheiden. Das ist nach Kant die freiwillige Unterwerfung unter die Moralgesetze. Hierzu hat Kant den kategorischen Imperativ formuliert; „Handle immer so, dass dein Handeln zugleich Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte“. Z.B. darf mein Handeln nicht meinen Mitmenschen in irgendeiner Weise verletzen; denn wenn dies zu einem allgemeinen Prinzip erhoben würde, müsste ich akzeptieren, dass auch ich von anderen verletzt werden darf. Eine derartige Einstellung wäre aber unvernünftig. Kant war allerdings nicht blauäugig. Er sagte, dass zu einer derart vernünftigen Einstellung immer auch ein „guter Wille“ nötig sei. An diesem „guten Willen“ fehlt es aber bei vielen, wenn nicht bei den meisten, sodass z.B. Schopenhauer einmal festgestellt hat, es gebe doch nur sehr schwache Spuren von Moralität auf dieser Welt (in „Die Welt als Wille und Vorstellung“, ziemlich am Ende).

Der Mensch gehorcht seiner Vernunft und nicht seinen Trieben und sein Weg (oder auch der Glaube) obliegt danach seiner möglichen, freien, vernünftigen Entscheidung. Darüber könnte man jetzt trefflich streiten, denn es steht wohl ausser Frage, das man eine Konditionierung sehr wohl über die Umwelt erfährt und wir beileibe nicht allein unserer Vernunft, sondern ebenso unserer Emotion, unseren Gefühlen und Prägung gehorchen. Laut Aussage ist der Mensch Herr über sich selbst oder besitzt wenigstens die Möglichkeit darüber dahingehend selbst zu bestimmen. Heutzutage ist wohl unstrittig, das die Umgebung darauf einen ebenso großen Einfluss ausübt wie Erfahrungen oder familiäre und soziale Ereignisse. Der Mensch an sich kann - bei Vorliegen gewisser Ereignisse und passender Umgebung - durchaus unvernünftig handeln. Jeder der einmal richtig verliebt war wird das ohne Probleme bestätigen :)

Siehe hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Anthropologie

"Wesen, das die Möglichkeit hat vernünftig zu sein und durch die Vernunft frei wird."

Für dich wäre also auszuprobieren, ob du die Vernunft hast, durch Vernunft frei zu werden. Wenn nicht, schiene das Menschenbild von Kant widerlegt. Aber es gibt noch einen Ausweg. Nach Kant kann man von Vormündern dumm gemacht werden (Was ist Aufklärung? http://de.wikisource.org/wiki/Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufkl%C3%A4rung%3F).

Vielleicht hast du dich bisher zu sehr Vormündern anvertraut.

Nur Mut!

Kant war ein Philisoph der Epoche der Aufklärung, der von der Vernunft des Menschen ausging. Damit ist gemeint, dass der Mensch sehr lernfähig ist, Veränderungen auf sich nehmen kann und von Natur aus die Fähigkeit besitzt sich selsbt und seine Umgebung neu zu kreieren und zu verstehen. Kant wollte damit ein bisschen von dem christlichen Menschenbild weg, in dem der Mensch ein von Gott gelenktes Wesen ist.

Deine Lehrerin meint also mit dem Satz, dass der Mensch Vernunft in Form von Wissen besitzt und dass ihn gerade diese Vernunft frei macht-also schlau und unabhängig.

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

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