ich hänge an der vergangenheit

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3 Antworten

Ich kenne deine beschriebene Situation nur zu gut. Ich denke mir dann immer, wie sehr ich mich im Vergleich zu damals doch verändert habe. Wie komisch, ja schon fast fremd, ich mir geworden bin. Warum kann ich nicht so sein wie damals? Warum muss ich diesen Menschenwandel durchleben? Warum muss mich dieser Wandel so emotional ergreifen, dass ich mir wünschen würde, ich könnte gar keine Empfindung mehr an mich ran lassen. Ich denke, dass jeder mit Veränderungen zu kämpfen hat. Und dabei ist es völlig egal, wie groß oder wie schwerwiegend sie ist, denn ob man es sich eingestehen will oder nicht, sie wirft einfach alles über den Haufen. All das, was man zuvor erlebt hat, ist einem so befremdlich weitentstellt worden. Man hat keine Chance wieder daran zu kommen. Denn jeder Wandel führt eine resultierende Schleifspur hinter sich her. Wie stark sich diese Veränderung auswirkt, hängt ganz von der inneren emotionalen Stabilität ab. Ich nehme mal, dass du sehr sensibel bist. Dir schnell Dinge zu Herzen nimmst, und dich manchmal in deiner eigenen kleinen Gedankenwelt nach außen hin abschottest. Wenn dies der Fall ist, dann kann ich meine Charaktereigenschaften auf die aufgezählten Ursprünge fast deckungsgleich reflektieren. Denn mir geht es auch oft so. Ich denke gerne nach. Nun ja, manchmal gerne manchmal eher weniger. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass das ständige Abschotten schnell sehr traurige Schleier führt. Es fällt immer schwerer aus dieser folgernschweren Nachdenklichkeitsphase mit vollem Optimismus auszubrechen, denn ist keiner da. Es ist noch nicht mal ein Ziel da, für welches sich ein kraftaufwendiger Ausbruch lohnen würde. Es fehlt an Ermutigung. Und solange man die nicht stemmen kann, ist eine Flucht aus der traurigen grau vernebelten Gedankenwelt mindestens so schwer, wie das fliegen lernen ohne fluggerechte Hilfsmittel. Ich vermute, dass wir so sehr an der Vergangenheit festhalten, weil sie uns möglicherweise als Flüchtende aufnimmt. Nun stellt sich die Frage, warum man aus der Gegenwart flüchten möchte. Immerhin lebt man in dieser von Tag zu Tag und dennoch kann man nicht zufrieden sein, mit dem was man hier erlebt und lieben darf?! Offensichtlich, ist diese Welt einfach nicht perfekt genug um als sonnenüberfluteter und glücksbringender Ort zu reichen. Man sucht etwas besseres. Etwas, was einfach toll war, wo man das Gefühl hatte fliegen zu können und nach all den Sternen zu greifen, die den abendlichen Nachthimmel durch ihre schillernde Pracht erleuchten. Man fühlte sich damals einfach frei. Frei von Sorgen und Stress. Und diesen so schön erlebten Moment möchte man wieder neu erleben dürfen. Doch eine Konstante macht dieser Wunschvorstellung zur eigenen Bedauerung natürlich dennoch einen Strich durch die Rechnung. Und das ist der ständige Lauf der Zeit. Wir können vieles ändern, vieles zum Leben bringen und durch unsere kleinen Taten auch ein kleines Stück die Welt bewegen. Doch eine Sachen können wir bei allem Respekt nicht ändern. Nicht aufhalten. Und das ist nun mal der Lauf der Zeit. Dinge kommen und Dinge gehen. So schmerzhaft man sich auch nur von schönen Ereignissen der Vergangenheit losreisen kann, man es dennoch tun. Man ist bestimmt in dieser Welt zu leben. Mit Herz, Seele und dem geistigen Verständnis. Und es ist wichtig, dass man loslassen kann. Letzteres fällt mir persönlich richtig schwer. Dadurch, dass ich schon im Alter von 10 Jahren erleben durfte, wie sich meine Eltern trennten, erlebe ich Veränderung zu meist mit einem starken Verlust. Unwillkürlich ergreift mich dieser Gedanke, wenn ich dahin schweife. Aber ich habe für mich gelernt, dass nicht jede Veränderung gleich mit einer schlechten Zustandsänderung assoziiert werden sollte. Denn Veränderungen können auch gute Seiten haben. Man muss sie nur erkennen lernen. Und das ist, wie ich denke, die schwerste Bürde, die es zu überwinden gilt. Es bedarf viel Kraft und natürlich auch eigene Willensstärke, diesen schweren Berg zu besteigen. Aber wenn du einmal auf der Bergspitze stehst, dann hast du eine klare Sicht auf die Dinge, die dich wie ein grauer zäher Nebel umwanderten. Du schaust auf dieses nebulöse Tal und erkennst von distanziertem Blickwinkel viel genauer die Ketten, die einen so eng an sich banden. Man erkennt die Zwänge, die einen festhielten, obwohl man mit aller Kraft und Willensstärke ausbrechen wollte. Von oben siehst du diese zarten Sonnenstrahlen, die dich so lieb begrüßen und auf deinem Körper streichen. Und du denkst, jetzt bin ich angekommen. Jetzt bin ich da, wo ich hin wollte. Dieses einprägsame Erlebnis musst du selber erforschen und tief im Herzen halten. Versuch deine Gedanken auf das Hier und Jetzt einzustellen. Denn du machst dich selber wirklich kaputt, wenn du da nicht rauskommst. Du lebst in der Gegenwart und so solltest du auch deine Gedanken und deinen Geist danach ausrichten. Das ist ganz wichtig. Ich wünsche dir alles Gute. Wenn du noch Fragen hast, dann kannst du gerne fragen.

Liebe Grüße

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mirinna 01.02.2015, 22:00

man hat mich der aufsatz gerührt heul und als du versucht hast meine gefühle zu beschreiben :genau getroffen. ich kanns nicht fassen und find was du geschrieben hast toll danke^^

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insektenstachel 02.02.2015, 13:37
@mirinna

Ich hoffe, dass ich dir vielleicht ein bisschen weiterhelfen konnte und dir eine mögliche Antwort auf deine Frage gefunden habe. Es freut mich, dass dir mein kleiner "Aufsatz" :-) gefallen hat. Ich würde mich mit dir gerne weiter unterhalten :-) Wäre es für dich in Ordnung, wenn ich dir eine Freundschaftsanfrage schicke?

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Es ist zwar nicht schlecht doch du solltest dir nicht viel kopf machen lenk dich ab mit etwas Comedy :))

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Versuch, dich für das Hier-und-Jetzt zu entscheiden. Was war, das war! Nimm Fahrt auf für das Leben und steh nicht auf der Bremse.

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