Hat das 5 Axiome Modell von Paul Watzlawick irgendetwas wie Schwächen,Wenn ja, was wäre das?

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1 Antwort

Hallo vanthe man,

Ist relativ einfach. Es gibt mehrere Kommunikationsmodelle, die sich in aller Regel mit ihrer Entstehungsgeschichte immer weiterentwickelt haben und verbessert wurden. Genau so ist das auch mit dem Kommunikationsmodell von Watzlawick. Watzlawick hat grundlegende Entdeckungen gemacht und durch sein Modell verständlich gemacht und erklärt. Das aktuellste Kommunikationsmodell das ich kenne,  ist das von Schulz von Thun. Er hat einige Elemente von Watzlawick übernommen, einiges verbessert und manches hinzugefügt und verfeinert. Er verwendet eine klarere Sprache und kann besser erklären. Bei ihm mutierte das Modell zum vier-Ohren-Modell. Aber auch Heute gibt es noch Modelle, die die Kommunikation von einem anderen Standpunkt aus betrachten, und so andere Phänomene erklären können. So ist auch das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun nicht vollständig. Aber es kann vieles erklären und verständlich machen, und auch aufzeigen, wie Kommunikationsprobleme entstehen. Aber auch da hat Watzlawick schon einiges geleistet.

Ach soi ja, die Psychischen Prozesse und die wechselseitigen Abhängigkeiten. Schreibe ich Dir in einem Kommentar, habe nichtm mehr genügend Zeit

Hoffe es hilft Dir weiter.

LG

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Kommentar von Barney123
25.07.2016, 20:16

Also schon Watzlawick erkannte, dass die Kommunikationspartner jeweils auf die vorangegangene Situation reagieren. Er beschreibt es als einen Kreisförmigen Prozess. Er hat auch schon erkannt, dass psychische Prozesse die gesamte Kommunikation bestimmen. In seinem Buch "Interaktion" beschreibt er, wie die Kommunikation in einer Familie bei einem Kind Schizophrenie auslöst. Machdem das Kind in seiner Person stabilisiert wurde und mit den in dieser Familie vorhanden double-Binds umgehen konnte (double-Binds sind widersprüchliche Erwartungen, deren Erfüllung sich gegenseitig ausschließen. Beispiel: Wasch mir den Pelz,
aber mach mich nicht nass!). Interessdant war für Watzlawick die Folge: Andere Familienmitglieder wurden krank! Denn nun mussten sie die Aggressionen der anderen aushalten und wurden so zum Sündenbock. Das hat also schon Watzlawick erkannt. Aber natürlich ist es so, dass wir davon  Heute vieles besser verstehen. Es wurde viel geforscht und viele neue Erkenntnisse gewonnen.

Weitere komplexe Zusammenhänge, die das Kommunikationsmodell von Watzlawick nicht erfassen kann, sind die in jeder Person angelegten Verhaltensmuster. Im Prinzip ist dies jedoch schon in Watzlawicks Modell angelegt, denn er sagt ja, dass jedes kommunikative Verhalten eine Reaktion auf die vorangegangene Situation ist. Aber wie gesagt gibt es
inzwischen neue Erkenntnisse. Die Menschen haben auch Erlebnisse in ihrem Leben gehabt, und Erfahrungen gemacht. Diese Erlebnisse und Erfahrungen haben immer einen Einfluss darauf, wie eine Person die aktuelle Situation einschätzt. Dass geht in der Regel unbewusst und rein emotional. Das ist einerseits der Grund, warum es so leicht zu Missverständnissen kommt andererseits zeigt dies aber, wie leicht wir durch die gefühlsmässige Einschätzung einer Situation falsch liegen
können. Da bietet das Modell von Schulz von Thun einen einfacheren, leicht verständlicheren Zugang über die vier Ohren; komplizierter wird es dann noch, weil wir ja auch mit vier verschiedenen Zungen sprechen. Dazu kommt noch, dass die Menschen Interessen haben und diese Interessen in der Regel durch Kommunikation zu erreichen suchen.

Da sind wir dann bei Manipulationen, bei Lügen und Tricksen. Viele
Menschen glauben, sich damit einen Vorteil verschaffen zu können. Leider bedenken sie nicht, welchen Schaden sie damit anrichten, denn in aller Regel fliegt so etwas auf und dann ist der Schaden größer als der Nutzen. daran zerbrechen dann Beziehungen und vor allem Ehen. Diese Phänomene werden von dem Modell von Watzlawick eigentlich gar nicht erfasst Man könnte es mit viel Wohlwollen anhand der Symmetrischen und Komplementären Beziehung beschreiben. Eine Komplementäre Beziehung kann nie gleichberechtigt sein, denn der Manipulator, Trickser oder Lügner versucht immer die Oberhand zu gewinnen. Schon Watzlawick hat festgestellt, dass das auf Dauer nicht funktioniert und beide Parteien keine Befriedigung aus so einer Beziehung ziehen können. Es ist in der Psychologie bekannt, dass dies nicht funktioniert. Deshalb empfehlen seriöse Psychologen, Kommunikationspädagogen und Psychotherapeuten derartiges nicht.

Ein weitere Kommunikationsmodell ist das der Transaktionsanalyse. Sein Entdecker ist Dr. Eric Berne, ein Psychiater. Er greift das Modell des Menschen von Freud auf, der die Seele in Über-Ich (TA= Eltern-Ich) Ich (der Erwachsene Mensch) und Es (das Kind, die Triebe und Wünsche) eingeteilt hat. Berne hat für sein Kommunikationsmodell zwei Menschen gegenübergestellt, und beobachtet, welcher Persönlichkeitsteil des Sprechers welchen Persönlichkeitsteil des Zuhörers anspricht. Wenn man so zwei Menschen gegenüberstellt, hat er festgestellt, dass immer wenn sich bei der Kommunikation die Pfeile kreuzen, ein Konflikt entsteht. Weiter hat er festgestellt, dass eine normale Kommunikation zwischen Erwachsenen Menschen auch zwischen Erwachsenen-Ich und Erwachsenen-Ich stattfindet. Nur dann können Probleme gelöst werden. Ratsch und Tratsch findet z.B immer zwischen Eltern-Ich und Eltern-Ich statt. Spiele und Vergnügen immer zwischen Kind-Ich und Kind-Ich. Spricht nun jemand aus dem Dorftratsch oder Kaffeklatsch jemanden Kind-Ich an, und will es maßregeln, wird eine gesunde Persönlichkeit das selbstverständlich von sich weisen und mit dem Erwachsenen-Ich antworten. Hier gehen die Kommunikationspfeile über >Kreuz und damit ist automatisch ein Konflikt vorhanden. Dies kann das Kommunikationsmodell von Watzlawick nicht erklären.

Es ist etwas spät, aber ich hoffe es hilft Dir trotzdem. Es gibt noch weitere Kommunikationsmodelle.

LG

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