Goldene Regel & kategorischer Imperativ

2 Antworten

Der kategorische Imperativ ist auf die Vernunft bezogen. Der einzelne Handelnde muss prüfen, ob er sich das eigene Wollen als Gesetz für alle vernünftig vorstellen kann. Die Goldene Regel „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“ enthält, wie Kant sagt, „nicht den Grund der Pflichten gegen uns selbst“. Dieser Grund ist die Vernünftigkeit des Handelns. Ich schlage einen Mitmenschen nicht, weil ich „vernünftigerweise“ keinem Gesetz zustimmen kann, welches das Schlagen eines Mitmenschen erlaubt; andernfalls müsste ich einverstanden sein, dass man mich selbst schlagen darf, das aber wäre unvernünftig. Nach der Goldenen Regel könnte sich aber ein Schägertyp, sagen wir: ein Mitglied der Hells Angels, der Vernünftigkeit entziehen, indem er sagt: Ich will von einem anderen gar nicht rücksichtsvoll behandelt werden, er kann mich ruhig schlagen, er wird schon sehen, dass ihm das nicht bekommt! Also habe ich nichts gegen ein Gesetz, welches das Schlagen von Mitmenschen erlaubt.

Vielleicht sollte man beides zunächst aufführen:

Goldene Regel:

„Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“

Kategorische Imperativ:

„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“

Also ich sehe da den klaren Unterschied in der Subjektivität. Die Goldene Regel befiehlt zum Beispiel, dass ein Masochist jemandem Schmerz zufügen soll, weil er genauso behandelt werden will.

Der Kategorische Imperativ verbietet es, weil man daraus kein Gesetz bilden kann, da nicht jeder Masochist ist.


Ein weiterer, klarer Unterschied liegt zwischen den Wörtern "handeln" und "behandeln".

Der Unterschied wird deutlich, wenn man sich auf Tiere oder Gegenstände bezieht. Die Goldene Regel schließt diese aus. Es ist schon ein lustiger Gedanke, wenn man von einem Tier oder Haus erwartet, dass es einen genauso behandelt, wie man es behandelt.

Der Kategorische Imperativ schließt Dinge und Tiere nicht aus. Also man kann daraus ein allgemeines Gesetz beispielsweise machen, dass man Tiere nicht quälen sollte. Allgemein kann man Einschränkungen treffen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

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