Geographie, Geowissenschaften oder Archäologie?

3 Antworten

Was am meisten gesucht wird, ist schwer zu sagen. Vor allem in der Geographie gibt es so viele verschiedene Richtungen... Wenn du dich auf Biogeographie spezialisierst, wird es eher schwer, wenn du deinen Schwerpunkt auf erneuerbare Energien, Stadtentwicklung oder Geoinformatik legst, sind die Aussichten wesentlich besser.

Grundsätzlich wäre auch die Frage zu klären, wie dein Berufsleben später aussehen soll. Die oben genannten Tendenzen sind auf die freie Wirtschaft bezogen, wenn du lieber in die Wissenschaft oder den öffentlichen Dienst (Ämter, Behörden,...) gehen willst, sieht die Sache wieder ganz anders aus.

Kombinieren kannst du theoretisch alle Studiengänge. In diesem Fall wäre eine Möglichkeit, Geographie zu studieren (beinhaltet schon einen Großteil der Geowissenschaften) und sich mit Hilfe von Nebenfächern und einem entsprechenden Master in Richtung Archäologie zu vertiefen.

sich mit Hilfe von Nebenfächern und einem entsprechenden Master in Richtung Archäologie zu vertiefen.

Ich frag mal ganz naiv: Und worauf soll das hinauslaufen?

In der Archäologie werden (wenn schon) Archäologen gebraucht, Leute mit Materialkenntnis und Erfahrung in der Befundansprache, dazu mit möglichst mit Erfahrung bei den diversen bürokratischen Abläufen und Grabungserfahrung.

So wünschenswert geologische Kenntnisse bei Archäologen sind: Den Schwerpunkt auf eine Geowissenschaft zu legen und nebenher Archäologie zu betreiben, das ist wenig zielführend, wenn ich in der Archäologie tätig sein will. Da hilft wirklich nur eines, nämlich Archäologie studieren.

Sicherlich kann man auch hinterher als Quereinsteiger einen Weg in die Archäologie finden, aber weiter als bis zum mittelprächtig bezahlten Grabungstechniker führt dieser Weg nicht, weil für alles andere die wissenschaftliche Qualifikation fehlt.


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@Jerne79

Brauchst du mir nicht zu erklären, ich kenn mich damit aus.

Aber der Fragesteller hat danach gefragt, also habe ich die Möglichkeit aufgezeigt.

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@Jerne79

Ich hatte Geographie als Nebenfach zu Archäologie. Die Kombination war ganz okay, umgekehrt sehe ich da keinen besonderen Nutzen. Vor allem gibt es meines Wissens keinen Archäologie-Master, der nicht einen passenden Bachelor voraussetzen würde. Da würde ja dann alles fehlen, was man im Master über Archäologie dringend wissen sollte.

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aber lieber mache ich etwas das mir Freude bereitet für Hungerlohn als das große Geld zu verdienen,

Mit Verlaub: Die Einstellung verläuft sich in der Regel, sobald du dich selbstständig ernähren musst.

Für die Geologen kann ein anderer sprechen, aber in der Archäologie wird das große Problem sein, erst einmal eine Stelle zu haben, wo man dir einen Hungerlohn zahlt. Am ehesten kommst du in der praktischen Archäologie unter, also bei Grabungsfirmen oder Einrichtungen, die dauerhaft Grabungen durchführen. Da bekommst du dann genau den angesprochenen Hungerlohn, bist bei Wind und Wetter auf der Fläche, arbeitest körperlich hart und hast noch dazu permanent Zeitdruck. Denn gegraben wird in den seltensten Fällen zum reinen Erkenntnisgewinn, sondern weil Bauvorhaben sonst das vorhandene Bodendenkmal zuerstören.

Obwohl die Kollegen in den Grabungsfirmen ständig neues Material ergraben und untersuchen, arbeiten die wenigsten davon hinterher noch wissenschaftlich damit, sei es aus Bequemlichkeit oder weil einfach nach Feierabend die Kraft dazu fehlt.

Alternativen: Volontariate an Museen, wo du für ca. 900 Euro monatlich an einem Museum am A... der Welt Mädchen für alles bist, weil man dir verspricht, daraus nach Ende des Volontariats in 2 Jahren eine Stelle zu schaffen. Was aber in der Regel nicht funktioniert, weshalb nach dir der nächste 2 Jahre lang für 900 Euro im Monat große Hoffnungen hat.

Besser bezahlte Stellen gibt es freilich, nur muss man die erst einmal bekommen.

Ich erlaube mir an dieser Stelle, einfach einmal meine früheren Antworten zum  Thema zu kopieren. Ansonsten kannst du dich auch mal hier durch Fragen mit dem Tag Archäologie klicken.


Zum Thema "Welcher Teilbereich der Archäologie", ursprünglich zu dieser Frage: https://www.gutefrage.net/frage/klassische-archaeologie-praehistorische-archaeologie-oder-aegyptische-archaeologie?foundIn=tag_overview

Wenn du zumindest die Chance haben möchtest, nach dem Studium auch dein Geld mit dem Fach zu verdienen, studier einen Teilbereich, den du praktisch in Deutschland ausüben kannst.

Die Zahl der Stellen für Klassische Archäologen und Ägyptologen ist
überschaubar, im In- wie im Ausland. Dir bliebe letztlich nur eine
beschränkte Auswahl an Möglichkeiten, auf die es zahllose andere
Bewerber gibt: Uni-Karriere, ein paar Museumsstellen, ein paar Stellen beim DAI und ähnliches. Oder du schwenkst nach dem Abschluss auf einen anderen Teilbereich um. Flexibel bleiben musst du sowieso.

Bei Fachbereichen, die auf heimischem Grund stattfinden, hast du
deutlich mehr Möglichkeiten. Wenn es (und damit musst du kalkulieren) mit der Uni-Laufbahn und der netten Museumsstelle nichts wird, kannst du mit vernünftig Vorwissen immernoch bei Grabungsfirmen deinen Lebensunterhalt bestreiten. Allerdings solltest du dir darüber im Klaren sein, dass die Bezahlung schlecht und die Arbeit hart ist, gerade für Leute, die von der Uni her nur gemütliche Lehrgrabungen kennen. Wenn du dich nicht in den firmeninternen Sumpf ziehen lässt, hast du guten Zugang zu Material, um zu publizieren. Mit ausreichend Berufserfahrung kannst du dann immernoch schauen, ob du nach einigen Jahren im
Denkmalschutz unterkommst oder ähnliches.

Ich rate dir dringend, vor der Studienwahl mehrere Praktika zu
machen. Wenn du vom Graben träumst, mach v.a. mehrwöchige
Grabungspraktika, am besten im Hochsommer oder im März. Spätestens wenn dir die Sonne auf den Pelz brennt, während du schaufelst oder dir der Regen die Klamotten durchweicht, wirst du ins Grübeln kommen. Wenn dich auch das nicht abschreckt: Umso besser.

Mach außerdem Praktika im Denkmalschutz und im Museum. Sorg für einen Realitätsabgleich. In kaum einem anderen Fach weichen Fantasie und Realität so stark voneinander ab wie in der Archäologie. Setz dich mit den Arbeitsweisen im Fach auseinander.

Frag dich selbst, wie flexibel und frustrationstolerant du bist. Wenn
du besonders viel Wert auf stabile Verhältnisse legst, wirst du dir
schwer tun. Du musst Umzüge einkalkulieren, unsichere Phasen, tolle Projekte, die plötzlich wieder eingestampft werden, nachdem du jahrelang an ihnen gearbeitet hast (ich kenne keinen Kollegen, der nicht so ein Projekt im Lebenslauf hätte).

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@Jerne79

Generell zu Perspektiven im Fach und möglichen Betätigungsfeldern:

Die Stellensituation im Fach ist alles andere als gut, am ehesten

eine Chance auf eine Stelle im Fach hast du, wenn du eine Teildisziplin wählst, die im Inland vertreten ist. Egal, in welche Richtung es gehen soll: Ohne eine extrem hohe Frustrationstoleranz bzw. die Bereitschaft, trotz Frust weiter zu machen, hohe Leistungsbereitschaft, ein erhebliches Quentchen Glück und gelegentlich auch mal die Bekanntschaft der richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt kommt man in der Regel nicht weit.

Wie der Alltag eines (im Fach tätigen ;) ) Archäologen aussieht, ist
stark davon abhängig, wo er arbeitet und in welcher Funktion. Das kann man hier natürlich nur stark verallgemeinert und verkürzt wiedergeben.

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Jemand mit einer klassischen universitären Laufbahn verbringt

seine Zeit mit der Vorbereitung von Seminaren und Vorlesungen, einem Schwung Bürokratie und zu einem kleineren Teil mit der Vorbereitung und Durchführung von Projekten, sei es nun in praktischer oder theoretischer Forschung. Auch hier kann es natürlich anders aussehen, wenn man eine spezielle Position an der Uni bekleidet, beispielsweise als Grabungstechniker oder als Betreuer für ein spezielles Projekt.

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Ein Archäologe in einer Behörde (Stadt- oder Kreisarchäologie,
Landesamt für Denkmalpflege) kümmert sich um Anträge
(Grabungserlaubnis), stellt Bescheide aus, sorgt für die ordnungsgemäße Durchführung von Grabungen, kontrolliert Grabungsberichte. Dazu kommt häufig auch Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Pressearbeit,...). In einigen Gebieten schaffen es diese Archäologen, auch selbst Grabungendurchzuführen, das wird jedoch immer mehr zur Ausnahme, weil die Verwaltung der immer zahlreicheren Grabungen immer mehr Zeit beansprucht.

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In einer Grabungsfirma ist die Tätigkeit stark von der Position innerhalb der Firma abhängig.

Als einfacher Mitarbeiter gräbt man, wäscht Funde, arbeitet je nach
Qualifikation an der Dokumentation mit, vermisst, zeichnet, photographiert. In größeren Grabungsfirmen gibt es häufig Spezialisten für einzelne Teilgebiete.

Der Grabungsleiter kümmert sich um die Abläufe auf der Grabung,
sowohl organisatorisch als auch wissenschaftlich. Er ist meist die
Schnittstelle zwischen Auftraggeber, Behörden und Grabungsteam. Ob er dazu kommt, selbst mitzugraben, ist von der Organisation der Firma und der Grabung abhängig. Er kümmert sich um die Dokumentation und verfasst im Anschluss den Grabungsbericht. Er ist derjenige, der nach der Grabung am Schreibtisch sitzt und unter Umständen recherchiert. Zwischen Leitung und Mitarbeiter gibt es diverse Hierarchiemodelle.

Der Inhaber einer Grabungsfirma kann selbst eine Grabung betreuen
oder sich schwerpunktmäßig darum kümmern, die Firma am Laufen zu halten.

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Archäologen in Museen kümmern sich um die Präsentation von Funden und Befunden, sie verwalten die Sammlung des Museums, konzipieren Ausstellungen, leisten Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier gibt es Spezialisierungen.

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Ich für meinen Teil bin Freiberuflerin und als solche wissenschaftliche Dienstleisterin.

Ich habe keine Firma, sondern arbeite allein. Ich führe Prospektionen
und kleinere Grabungen durch, betreue Bauprojekte im Bereich von
Bodendenkmälern. Alle Funktionen einer Grabungsfirma liegen bei mir, mit Ausnahme der Betreuung von Mitarbeitern, weil ich keine habe (oder zumindest nur für bestimmte Projekte). Nach der Grabung geht es an die Berichterstellung. Außerdem mache ich anthropologische Auswertungen für Grabungen, die andere Firmen durchgeführt haben. Ich erarbeite Ausstellungen, biete gelegentlich Kurse an der Volkshochschule an, halte Vorträge. Ehrenamtlich kümmere ich mich um den lokalen Archäologieverein. Dazu kommen diverse Publikationsprojekte (die in der Regel im Fach nicht bezahlt werden) und noch diverses andere.

Was man als Freiberufler macht, ist aber stark von der eigenen
Qualifikation abhängig (an vielen Unis lernt man wenig, was man
hinterher in der Praxis brauchen kann), aber auch von der Auftragslage. Ich sitze beispielsweise seit einigen Jahren mehr am Schreibtisch als auf Grabungen, weil ich einige größere Aufträge an Land gezogen habe. Draußen bin ich derzeit nur für Stammkunden oder Projekte, die mich reizen.

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Die meisten Stellen gibt es sicherlich bei Grabungsfirmen, das
sind aber auch die Stellen, die jämmerlich bezahlt sind. Man kann nicht selbst über seine Projekte entscheiden, ist im Zweifelsfall bei Wind und Wetter draußen, die körperliche Arbeit ist nicht ohne. In den übrigen Bereichen ist die Zahl der pro Jahr freiwerdenden Stellen sehr überschaubar, wobei auf jede freie Stelle Heerscharen von Bewerbern kommen.

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@Jerne79

Und bevor wieder jemand auf lustige Ideen kommt:

Nein, ich mache das Fach nicht mies. Das Fach an sich ist toll. Aber die Arbeitsbedingungen im Fach sind mies. Das wohlige Optimum lässt sich nicht planen und wird für die wenigsten Realität. Wer eine archäologische Disziplin studieren will, sollte wissen, worauf er sich einlässt, statt voller Optimismus und mit falschen Vorstellungen vom  Fach in eine Welt zu steuern, für die man ziemlich starke Nerven braucht.

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Ich kann zu den genannten Studiengängen nicht viel sagen. Jedoch habe ich mit denen in meinem Studium zu tun. Ich studiere Stadt und Raumplanung. Könnte evtl. Eine alternative für dich sein. Der Arbeitsmarkt sieht zumindest momentan besser aus für Stadtplaner. Im übrigen ist mir aufgefallen das gerade Archäologen und Geographen hierzulande meist auf Ämtern tätig sind,vielleicht auch mal dort nach Jobs und Zukunftsaussichten gucken

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