Gedichtinterpretation "Gespräch mit einem Überlebenden" von Erich Fried

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In dem Gespräch mit dem Überlebenden des 2. Weltkrieges will der Unbeteiligte wissen, ob sich der Überlebende durch aktives Handeln oder durch passives Verhalten (kein Widerstand, keine Hilfe für andere) schuldig gemacht hat. Hintergrund ist sicher die Tatsache, dass die meisten von den Greueltaten gewusst haben, sie aber "verdrängt " haben, nicht eingegriffen haben aus Angst, selbst Schaden zu nehmen bzw. das Leben zu verlieren. Die ausweichenden Antworten (dieses und jenes, einiges, alles nicht konkret) zeigen, dass er einer der "schweigenden Masse" war. Bis zur viertletzten Zeile hat der Leser den Eindruck, es handele sich um eine Frage- und Antwortsituation, in der es einen Ankläger und einen Angeklagten gibt. Das ändert sich, als der Überlebende mit seiner Frage zum Fragenden wird. Der damals Unbeteiligte zieht aus allem eine Lehre, er klagt nicht an, er erkennt, dass bei dem Thema alle beteiligt sind, es geht alle an, weil ihr Verhalten eine Frage von Leben und Tod sein kann. Falsches Verhalten kann verheerende Folgen haben. (PS: Es war für mich eine "gute" Frage, mir war es angenehm, den Tag mit diesem Text zu beginnen)

Es war für mich eine "gute" Frage, mir war es angenehm, den Tag mit diesem Text zu beginnen

Ich würde sagen, du hast nur einer faulen Socke die Hausaufgaben gemacht. ^^

Beginnst du wirklich den Tag damit, diese Plattform nach Hausaufgaben-Anfragen abzusuchen? Und danach? Kommen dann die Geschichtsforen dran?

Worin besteht der Sinn des Lebens? :-p

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@Sheyyla

Nein Sheyla, so ist es nicht.. Ich war im 2. Weltkrieg Kind. Meinen Vater haben verbrecherische Vertreter einer Wahnsinnsidee nach Russland geschickt. Ich bin als als I-Männchen auf meinem Schulweg täglich an einem Bauernhof vorbeigegangen. , Die Bäuerin hatte im Krieg ihren Mann und 3 Söhne verloren, nicht einen einzigen durfte sie beerdigen, ein paar lausige Habseligkeiten hat man ihr jeweils zugeschickt. Es hat nicht lange gedauert, da sah man diese Frau mit Kopfkissen im Arm vor sich hinbrabbelnd über die Landstraßen gehen (meine Mutter erklärte mir damals, was das auf sich hatte) Sie hatte über all dem den Verstand verloren. Bis heute sehe ich immer wieder das Bild vor mir, wenn ich die Gegend besuche, in der ich damals lebte.. Nie werde ich vergessen, dass 2 Nachbarkinder und ich, als wir nach der Schule (3 km war unser Schulweg) nach Hause gingen, von einem Tiefflieger beschossen wurden, der da in der Luft wollte das Leben dreier Kinder auslöschen. Nun, genug davon , ich könnte stundenlang von Erlebnissen erzählen, vor allem dann auch aus der Nachkriegszeit, es war ja nicht eitel Sonnenschein ab 1945. Und die Frage im Bereich Deutsch habe ich also heute Morgen gelesen - und sie sicher unzulänglich beantwortet. Dem Fragesteller ging es wohl auch darum, etwas über die Zeit des nationalsozialistischen Terrors zu erfahren, Viel mehr hätte ich ihm sagen sollen. Dass er sich seine Informationen hier holen muss, ist traurig genug. Und sollte ich ihm zu sehr die Hausaufgaben gemacht haben - ich kann es tragen. Überlass einfach mir, wem ich wie antworte. Deine Frage nach dem Sinn des Lebens stellst du so, als könntest du sie leicht beantworten. Immerhin assoziieren deine Ausführungen, dass du annimmst, ich hätte wohl noch keinen Sinn erkannt. Erkläre uns bzw. mir hier doch einfach, worin dieser Sinn besteht. Als ich in meinem höchst fortgeschrittenen Alter von Mitte Oktober bis Mitte November einen der "Caminos" gegangen bin, 700 km zu Fuß, übernachtet nur in Pilgerherbergen, abends immer in Gesprächsrunden mit Menschen aus allen Gegenden der Welt (viele junge Asiaten auch), habe ich oft Gelegenheit, über das Thema nachzudenken. Aber eine Patentlösung kann ich nicht bieten.

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@Welling

Natürlich ist es Privatsache, was jeder mit seinem Leben anfängt. Aber bedenke, dass es die Hausaufgabe eines Schülers ist. Die Hausaufgabe ist dazu da, sich selbst an ihr zu versuchen und etwas zu lernen. Dass man als Rentner das lösen kann, braucht nicht bewiesen zu werden.

Du geht auf Pilgerwanderung und bist vielleicht sogar ein religiöser Mensch. Vielleicht wirst du ja einmal vor deinen Schöpfer treten und ihm gestehen müssen, dass du die virtuelle Welt der seinigen realen vorgezogen hast. Es gibt wohl keine Patentantwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Aber jeden Morgen das Internet nach Hausaufgabenanfragen abzusuchen, kann vielleicht nicht gemeint gewesen sein. Und auch unmöglich den eigenen Ansprüchen genügen. Du bist in einigen Bereichen schon der Top-Nutzer auf GF. ;-)

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@Sheyyla

Danke dir für deine ausführliche Antwort - pass nur auf dich auf, damit du hier nicht zu viel Zeit aufwendest :,) Vielleicht liest du gerne. Bisher hatte ich noch kein Buch des Franzosen Pierre Michon gelesen, "das Leben der kleinen Toten"" hat mir außerordentlich gut gefallen, hinreißend anspruchsvoll. Auch die Übersetzerin scheint ihr Handwerk zu verstehen.

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