Frustriert - wer erklärt mir die Mentalität im Ruhrgebiet?

10 Antworten

Ich bin selbst aus NDS zugezogen, habe dort einen langjährigen tragfähigen Freundeskreis zurück gelassen, zu dem noch reger Kontakt besteht. Ich bin also kompatibel und gesellig, keinesfalls ein Einzelgänger. Doch hier musste ich die Erfahrung machen, dass die Leute lieber unter sich bleiben wollen. Sie schotten sich gegen neue ab und ignorieren jegliche freundliche Kontaktaufnahme. Allenfalls kommt ein oberflächliches Gespräch zustande, meist aber nur eins. Niemand würde auf die Idee kommen, den Kontakt fortzusetzen und auszubauen, geschweige denn sich mit einem Neuen zu verabreden oder einfach Mal freundlich einzuladen und willkommen zu heißen. Die meisten Leute konzentrieren sich auf die Familie, doch wenn diese weg bricht, stehen die allein da. Allenfalls ist noch Fußball Rudelgucken und anschließend Bier kippen drin, aber nichts dahinter, was eine tiefe Freundschaft ausmacht. Wer langjährige Freundschaften aufbauen will, wird hier nicht erfolgreich. Behaltet euch eure Kontakte aus der Heimat unbedingt aufrecht!

Unser Leitbild ist hier immer noch der sehr hart arbeitende Kumpel (hochdeutsch: Bergmann. Mehrzahl: Auch Kumpel. Nicht zu verwechseln mit Kumpels, also Bekannte oder nicht ganz so enge Freunde). Er arbeitet hauptsächlich in sehr anstrengender und gefährlicher Umgebung und hat daher keine Zeit und keinen Sinn zum Plaudern (genau wie der Stahlarbeiter, unser anderes Leitbild). Außerdem besitzt er nicht viel außer seiner Würde und ist daher erst mal skeptisch, wenn ihn Unbekannte mit irgendwelchem Kokolores (hochdeutsch: Unsinn) zutexten wollen. Wer weiß denn schon, was der wirklich will? Oder ob der nicht einfach irgendwo ausgebrochen ist. Der Ruhri sucht sich daher seine Freunde selbst, wer ihm und wann es ihm passt. Das mit der Luftfeuchtigkeit ist in der Tat etwas nervig, liegt aber am Ruhrtal und sortiert die Harten von den Zarten. Hat man sich aber erst mal nach gewisser Zeit in den Augen eines Ruhris als "n' Töften" (nicht übersetzbar) erwiesen, hat man einen Freund für den Rest des Lebens gefunden, der einem jederzeit aus jeder Krise helfen wird.

Hallo Sebastian,

ich bin "Ruhrpottlerin" und habe einige Jahre im Rheinland verbracht und stellte auch wie Du Mentalitätsunterschiede fest. Als ich im Rheinischen (Bonn) ankam, musste ich mich immer darüber wundern, Gespräche aufgezwungen zu bekommen (so kam es mir damals vor). Z.B. an Bushaltestellen und Bäckereien wird man von fremden Leuten angesprochen, Witzchen gemacht oder man bekommt einfach was erzählt! Das war mir bis dahin völlig unbekannt. Du hast also ganz recht, im Ruhrpott ist der Umgangston etwas rauher und die Leute werden erst dann gesprächig, wenn sie die Person besser kennen.

Auch hier gilt natürlich: man kann nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, aber gewisse Gemeinsamkeiten kann man dann doch feststellen :-)

dann muss ich mein Glück in Bonn ausprobieren :P

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Bin gebürtiger Ruhr (1981) habe bis 2009 in Castrop-Rauxel gelebt. Ich kann allerdings deine Erfahrungen, die du in Bochum (direkt an Castrop grenzende Stadt) nicht nachvollziehen. Ich selber habe diese Erfahrungen nie gemacht, und das entlang der A42/A2 und A40 nicht.

Ruhrgebietler (vor allem Bochum)

sind extrem direkt.

brutal ehrlich.

Deftig heftig.

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