Frage zur Konstantinischen Wende, Christenverfolgung

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Wie sich die Einstellung des römischen Kaisers Konstantin I. („der Große“; Flavius Valerius Constantinus) zur christlichen Religion entwickelt hat, ist umstritten.

Was über ein christliches Zeichen erzählt wird, sind spätere Zuschreibungen, die Konstantin auch selbst verbreitet hat.

Eine lobpreisende Festrede aus dem Jahr 310 (Panegyrici latini 6 (7), 21, 4 – 5) erzählt eine Erscheinung, die mit Apollo und in seiner Begleitung die Siegesgöttin Victoria verbunden ist und Apollo konnte mit dem der Sonnengott gleichgesetzt werden.

Überlegt werden kann, wenn eine tatsächliche Naturerscheinung wahrgenommen wurde, ein Halo, ein farbenreiches spektakuläres, durch Lichtbrechung an Eiskristallen in der hohen Schicht der Atmosphäre entstehendes System von Lichtkreisen und Nebensonnen, in dessen Zentrum die Sonne steht. Bei einem Ringhalo kann auf oder über der Sonne gelegentlich auch ein kreuzartiges Lichtgebilde sichtbar werden. Konstantin schrieb sich selbst eine höchstpersönliche und unmittelbare Teilhabe am Göttlichen zu.

Seit 310 kommt bei Konstantin das dem Sonnengott Sol Invictus nachempfundene Epitheton (Beiwort) invictus (unbesiegt, unbesiegbar) in der kaiserlichen Titulatur vor, Sol Invictus auf Rückseiten von Mümzen als Begleiter (comes) Konstantins.

Nach einer wohl im Jahr 328 gehaltenen „Rede an die Versammlung der Heiligen“ äußert Konstantin, er selbst sei nicht bereits von Jugend auf, sondern erst in der Blüte seiner Jahre zur Weisheit der Erkenntnis des Göttlichen gelangt und zwar nicht infolge irgendeiner menschliche Erziehung, sondern als Gabe Gottes.

Laktanz (Lucius Caecilius Firmianus Lactantius), De mortibus persecutorum 44, 5 – 6 erzählt von einem Traum Konstantins am Tag vor der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312. Konstantin sei ermahnt worden, das himmlische Zeichen Gottes auf den Schilden der Soldaten anbringen zu lassen und so die Schlacht zu beginnen. Er sei dem Befehle gefolgt und indem der griechische Buchstabe X (Chi) waagerecht gelegt und die oberste Spitze umgebogen wurde, sei Chr(istus) auf die Schilde gezeichnet worden.

Eusebios von Kaisarea (latinisiert: Eusebius von Caesarea), Εἰς τὸν βίον τοῦ µακαρίου Κωνσταντίνου βασιλέως (lateinischer Titel: Vita Constantini [Leben Konstantins]) 1, 27 – 31 erzählt, Konstantin habe überlegt, welchen Gott er als Helfer annehmen wolle, und den christlichen Gott (angeblich schon Gott seines Vaters) in Gebeten angerufen und gefleht, sich ihm zu offenbaren und bei dem bevorstehenden Unternehmen zu helfen. Auf dem Marsch des Heeres sei um die Stunde der Mittagzeit oben am Himmel über der Sonne das Siegeszeichen des Kreuzes, aus Licht gebildet, erschienen. Konstantin habe dabei die Worte gesehen: „Durch dieses siege!“ (ἐν τούτῳ νίκα; lateinisch wäre dies: in hoc vince!) Anfangs sei Konstantin ratlos gewesen. Nachts habe sich ihm im Schlaf der Christus Gottes mit dem am Himmel erschienenen Zeichen gezeigt und ihm aufgetragen, das am Himmel geschaute Zeichen nachzubilden und es bei seinen Kämpfen mit den Feinden als Schutzmittel zu verwenden. Konstantin habe ein kreuzähnliches Feldzeichen anfertigen lassen, eine Standarte, bei der griechische Buchstabe X (Chi) von einem P (Rho) gekreuzt wurde.

Anders als die christlichen Autoren Laktanz und Eusebios stellt der Panegyriker des Jahres 313 eine göttliche Vision an den Beginn des Feldzugs und berichtet nicht von einer Hinwendung zum Christentum.

Auf dem 315 geweihten Konstantinsbogen, der den Sieg Konstantins über Maxentius darstellt, erscheinen der römische Sonnengott Sol, in herkömmlicher Weise als Sol Invictus mit Strahlenkranz und Globus dargestellt, die römische Siegesgöttin Victoria und andere römische Gottheiten. Christliche Symbolik kommt nicht vor. Die Inschrift enthält eine verschwommene Formel instinctu divinitatis („durch Eingebung einer Gottheit“) im Zusammenhang mit dem Sieg. Die damals mehrheitlich nicht christliche Bevölkerung Roms und der Senat wollte Konstantin wohl auch nicht übermäßig befremden oder reizen.

Ein Goldmultiplum von 313 stellt Konstantin zusammen mit dem Sonnengott Sol im Doppelporträt auf der Vorderseite dar.

Ein Silbermedaillon von Ticinum stellt den durch das Christogramm an seinem Helm als Christen ausgewiesenen Konstantin 315 im traditionell paganen (»heidnischen)« Kontext mit der Siegesgöttin Victoria dar.

Münzprägungen zwischen 312 und 324 (endgültiger Sieg über Licinius 324 und Errichtung einer tatsächlich umfassenden Alleinherrschaft) betonen klar eine prominente Rolle des Sonnengottes, während christliche Symbolik auf den Münzen fast vollständig fehlt. Auch danach besteht noch eine Nähe von Konstantins Person zum Sonnengott. Möglicherweise hat Konstantin den Sonnengott als sehr eng mit dem christlichen Gott verbundene göttliche Wirkkraft oder vielleicht sogar als Emanation (Ausströmung) des allmächtigen Christengottes.

Hartwin Brandt, Konstantin der Große : der erste christliche Kaiser ; eine Biographie. München : Beck , 2006, S. 38 – 42, S. 53 - 67

S. 39 (über eine offizielle Festrede aus dem Jahr 310): „In diesem Panegyricus, der nach einem wenig spektakulären, aber siegreich verlaufenden Feldzug Konstantins gegen die Franken und nach dem Tod Maximinans im Sommer 310 in Trier gehalten wurde, beschreibt der Festredner den Besuch Konstantins in einem gallischen ApolloHeiligtum. Konstantin, so der Redner, sei »zu dem schönsten Tempel auf der gesamten Welt« gelangt und habe den darin wohnenden Gott gesehen: »Du hast nämlich, Konstantin, wie ich glaube, deinen Schutzgeist Apollo gesehen, der dir, begleitet von Victoria, Lorbeerkränze überreichte, von denen jeder einzelne das glückverheißende Zeichen von dreißig Jahren bringt.« Der Kaiser habe sich sogar in der göttlichen Gestalt wiedererkannt und damit die visionäre Bestätigung seines Herrscheramtes erlangt.

Es sei dahingestellt, ob diesem Visionserlebnis eine echte Lichtkreuzerscheinung, ein sogenannter Halo, den Konstantin am Himmel gesehen und auf den Sonnen- und Lichtgott Phoebus-Apollo übertragen hätte, zugrundeliegt, oder ob es sich hier nur um eine der vielen im Umlauf befindlichen antiken Wunderberichte handelt. Entscheidend ist und bliebt, daß der in seinen Ausführungen zweifellos durch Konstantin selbst autorisierte, wenn nicht gar inspirierte Festredner den Kaiser in unmittelbare und exklusive Nähe zu dem Sonnengott rückt. Denn Apolo wurde in der Spätantike mit dem Sonnengott Sol bzw. Helios identifiziert, und dieser Apollo liefert in der vorliegenden Festrede von 310 gewissermaßen die sakrale Herrschaftslegitimation für Konstantin.“

S. 41: „Konstantin scheint sich noch im Jahre 311 religionspolitisch und, wenn wir seine zitierte persönliche Aussage aus der »Rede an die Versammlung der Heiligen« ernstnehmen dürfen, auch in seiner inneren Haltung bestenfalls auf dem Weg zum Christentum befunden zu haben, und im Rückblick mag mancher seine jetzt noch deutlich dominierende Neigung zu einer Art solaren Monotheismus tatsächlich als Station auf diesem Weg zur christlichen Wende werten wollen. Gleichwohl war der Weg zudem, was wir dann ab 312/3 erkennen und auch von Konstantin selbst lesen und seinen eigenen Handlungen entnehmen können, noch weit.“

S. 47 (zu einer gewollten Unklarheit des paganen Festredners im Jahr 313, der auf den kaiserlichen Einzug nach Rom am 29. Oktober 312 zurückblickt; Panegyrici Latini XII (9) 2, 5)): „Und kurz darauf hält er fest: »Du hast tatsächlich, Konstantin, irgendein Geheimnis mit jenem göttlichen Geist, welcher die Sorge für uns den kleineren Göttern überlassen hat und einzig sich dir zu zeigen geruht.« Diese Formulierungen erlauben zwar keine definitive Auslegung, eröffnen aber doch Interpretationsspielräume.“

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S. 54 - 56: „Tatsächlich treffen wir erstmals in dem um 315 anzusetzenden Werk des Laktanz »Über die Todesarten der Christenverfolger« auf die Nachricht einer christlichen Erleuchtung Konstantins:

»Es nahte der Tag, an dem Maxentius seine Herrschaft angetreten hatte, das heißt der sechste Tag vor den Kalenden des November 827. Oktober), und die Fünfjahresjubiläen gingen zu Ende. Im Schlaf wurde Konstantin ermahnt, das himmlische Zeichen Gottes an den Schilden anzubringen und so die Schlacht zu beginne. Er verhält sich weisungsgemäß und bezeichnet Christus auf den Schilden, indem er den Buchstaben X umlegte und die oberste Spitze umbog. Mit diesem Zeichen gerüstet greift das Heer zu den Waffen.«

Konstantin, so Laktanz, sei mit »dem himmlischen Zeichen Gottes«(caeleste signum die) als Schildzeichen in die Schlacht gezogen, und dieses – tatsächlich erst 322/3 erstmals als Schildzeichen belegte – Zeichen kann nur das Christogramm ☧ gewesen sein. Es ist von dem in dem anschließenden, möglicherweise erst zu einem späteren Zeitpunkt in den Text des Laktanz (als Randglosse?) geratenen Nebensatz bezeichneten Staurogramm [.] (»indem er den Buchstaben X umlegte und die oberste Spitze umbog«) sorgfältig zu unterscheiden. Wie haben wir uns das in concreto vorzustellen? Ist es tatsächlich denkbar, daß Konstantin in aller Herrgottsfrühe am 28. Oktober 312 seine zu Tausenden zählenden und gewiß zum weit überwiegenden Teil altgläubigen Soldaten zusammengetrommelt hat, um auf die Schilde das ☧ zu malen? Das scheint, angesichts des Fehlens weiterer aussagekräftiger Indizien, schlechterdings nicht vorstellbar zu sein. Erheblich einleuchtender ist daher die Annahme, daß die konstantinischen Schilde mit einem bereits vorher auf ihnen angebrachten Symbol geschmückt waren, welches möglicherweise dem Sonnenkult entstammte und noch im frühen 5. Jahrhundert nach Christus auf der Arcadius-Säule in Konstantinopel bildlich belegt ist, das heißt mit einem strahlengeschmückten Stern oder einem Lichtsymbol, welches nach dem Sieg über Maxentius und der erfolgten konstantinischen Wende zum Christentum einer nun opportun erscheinenden Umdeutung zugänglich war.“

S. 56 – 58 (rückblickende Zuschreibung): „Entscheidend aber ist, daß dies im Rückblick geschieht und daß alle Varianten der christlichen Vision Konstantin zusammen mit den entsprechenden Selbstdeutungen des Kaisers erst nachträglich, nach der Schlacht vom 28. Oktober 312 und nach dem Einzug in Rom am 29. Oktober 312, in dieser Weise christlich eingefärbt worden sind. Letzteres gilt auch für die zweite, ausführlichere, aber zugleich sehr viel spätere und daher noch kritischer zu beurteilende Version der angeblichen christlichen Erleuchtung Konstantins vor der Schlacht an der Milvischen Brücke, welche der Bischof Eusebius von Caesarea in seiner erst nach dem Tod Konstantins entstandenen Biographie formuliert hat:

»*Er (Konstantin) rief also in seinen Gebeten diesen (Gott) an, und er bat ihn und flehte ihn inständig an, er möge ihm zeigen, wer er sei, und er möge ihm für die bevorstehenden Unternehmungen seine rechte reichen. Dem diese Gebete verrichtenden und inständig flehenden Kaiser erschien ein ganz unglaubliches Gotteszeihen, das man wahrscheinlich nicht leicht hinnähme, wenn ein anderer es erzählte; da aber der sieghafte Kaiser es uns, die wir diesen Bericht verfassen, lange Zeit später, als wir seiner Bekanntschaft und seines Umganges würdig waren, selbst erzählt und die Erzählung beglaubigt hat – wer wollte da noch zögern, der Erzählung Vertrauen zu schenken, vor allem. Da die spätere Zeit von der Wahrheit des Berichtes Zeugnis ablegte?

Um die Mittagszeit, als sich der Tag schon zur Neige wandte, hab er, sagte der Kaiser, mit seinen eigenen Augen am Himmel ein über der Sonne stehendes Siegeszeichen des Kreuzes, aus Licht gebildet, gesehen und damit verbunden die Schrift ‹Hierdurch siege!›. Staunen habe ihn bei diesem Anblick ergriffen und auch das gesamte Heer, das ihn auf einem Marsch irgendwohin begleitete und Augenzeuge dieses Wunders wurde. Da, sagte er, sei er in Unkenntnis gewesen, was diese Erscheinung bedeutete. Da er dies überlegte und viel nachdachte, sei die Nacht gekommen. Da habe sich ihm, als er schlief, der Christus Gottes gezeigt mit dem am Himmel erschienenen Zeichen und ihm befohlen, eine Nachbildung des am Himmel gesehenen Zeichens zu machen und dieses als Schutzmittel gegen die Attacken der Feinde zu gebrauchen.*«“

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S. 59: „Die Visionserzählungen, im übrigen ein Topos paganer wie christlicher Historiographie und Herrscherpanegyrik, besitzen also keinen eigenen Aussagewert für die hier zu beantwortende Hauptfrage nach dem exakten Zeitpunkt und der genauen Beschaffenheit des ‹qualitativen Sprungs›, der gleichwohl bei Konstantin im Herbst 312 mit hoher Wahrscheinlichkeit sattgefunden hat, denn in dem schon erwähnten Schreiben an Anullius Ende 312/Anfang 313 äußert sich Konstantin eindeutig als Christ, und auch seine bereits 312 einsetzende Kirchenbaupolitik in Rom spricht für die Existenz einer ‹konstantinischen Wende› bereits in dieser Zeit.“

S. 65: „Jeder Versuch, Konstantins persönliches Bekenntnis mit den äußeren Merkmalen seiner Religionspolitik und der kaiserlichen Bildersprache in einen schlüssige, möglichst deckungsgleiche Relation zu bringen, muß scheitern. Es führt in der Tat kein Weg an der Einsicht vorbei, daß der Christ Konstantin seit der Schlacht an der Milvischen Brücke als politischer Pragmatiker und Realist mit klaren herrschaftspolitischen Zielen und machtpolitischen Einsichten in der Lage war, bis zu einem bestimmten Grade nicht nur Toleranz gegenüber den herkömmlichen Kulten walten zu lassen, sondern sogar eine gewisse persönliche Nähe seiner Person zu bestimmten traditionellen Gottheit zu konzedieren – nicht etwa zu Iupiter, wohl aber eine gewisse Nähe seiner Person zu bestimmten traditionellen Gottheiten zu konzedieren – nicht etwa zu Iupiter, wohl aber zu Diana und Victoria und besonders zu dem Sonnengott Sol Invictus.“

Oliver Schmitt, Constantin der Große (275 – 337). Leben und Herrschaft. Stuttgart : Kohlhammer, 2007(Kohlhammer-Urban-Taschenbücher ; Band 594), S. 155 – 162

S. 159 - 160: „Lactanz weiß nicht von einer übersinnlichen Erscheinung auf dem Marsch und Eusebios, der sich immer so akribisch bemüht, jegliche prochristliche Maßnahme Constantins der Nachwelt zu überliefern, schreibt nichts davon, dass Constantins Soldaten das Christuszeichen auf ihren Schilden trugen, obwohl dies im Gegensatz zu einem einzelnen Feldzeichen unübersehbar gewesen wäre. Schon der letztere Umstand legt nahe, dass Lactanz’ Bericht über die mit dem Christusmonogramm geschmückten Schilde nicht der Wahrheit entspricht und dieser Verdacht wird durch die Friese des Constantinsbogens, die den Feldzug gegen Maxentius darstellen, vollauf bestätigt. Obwohl dort mehrfach Schilde von Constantins Soldaten zushene sind, findet sich auf ihnen nirgends eine Kreuzabbildung und selbstredend auch kein labarum. Obwohl ein vexillum zu sehen ist. Dagegen werden die Standarten des Sol invictus und der Siegesgöttin Victoria deutlich abgebildet und es kann keinen Zweifel darüber geben, dass das Heer Constantins unter diesen Feldzeichen in die Schlacht zog. Die Siegesgöttin Victoria ist sogar in höchsteigener Person auf dem Feldzugsfries zusehen, ebenso wie die Dea Roma und der Flussgott Tiber; Sol invictus auf seinem Sonnenwagen wird durch ein riesiges, gleichfalls zeitgenössisches Medaillon auf der Ostseite des Bogens geehrt. Es ist demnach klar: Im Jahre 312 gab es weder ein Christusmonogramm als offizielles Abzeichen auf den Schilden der Constantianer, noch zog das Heer unter dem Labarum in die Schlacht, seine Schutzgötter waren vielmehr der Sonnengott und die Siegesgöttin. Lactanz hat sich sein Christusmonogramm allerdings nicht aus den Fingern gesogen, doch war es auch in nachconstantinischer Zeit als Schildzeichen nur wenig verbreitet. Denkbar wäre, dass damals einzelne christliche Soldaten aus Eigeninitiative ein solches Monogramm zur Abwehr von Unheil auf ihren Schilden angebracht hatten, aber Constantins Armee war die am wenigsten christianisierte des Imperiums und es werden warum nur sehr wenige gewesen sein, die ein solches Zeichen führten. Das Labarum gehört einem späteren Zeitabschnitt an, es wurde erst im zweiten Krieg gegen Licinius als ein offizielles Feldzeichen mit geführt.“

S. 161: „Wir kommen also um das Fazit nicht herum, dass der Sieg über Maxentius mit einer Bekehrung Constantins zum Christentum ursprünglich nicht das Mindeste zu tun hatte.“

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S. 161 – 162: „Deutlich wird vielmehr, dass Constantin sich bereits vor 312 eine exklusive persönliche Gemeinschaft mit der göttlichen Sphäre zuschrieb, die ihm auf seinen Wege als Leitstern diente. Der Gedanke, dass dieses höchste Wesen, der Sonnengott, mit dem christlichen Gott identisch sein könnte, ist Constantin erst in den Jahren nach dem Maxentius-Krieg allmählich gekommen, beziehungsweise haben ihm kirchliche Würdenträger, mit denen er in Berührung kam, Derartiges suggeriert. Vor diesem Hintergrund entstand später die Geschichte von der Vision vor der Entscheidungsschlacht gegen Maxentius, deren endgültige Fassung uns Eusebios in der Constantinbiographie überliefert hat. Trotz allem: den Kaiser deshalb der Lüge oder einer zynischen Verfälschung der Tatsachen zu bezichtigen, geht meines Erachtens, denn ein Ereignis, das zumindest im Nachhinein im besten Gauben als Vision gewertete werden konnte, hat es höchst wahrscheinlich gegeben. Eusebios liefert uns hier einen wertvollen Hinweis darauf, wenn er in diesem Zusammenhang die Sonne erwähnt, die am Himmel erschien. Zu irgendeinem Zeitpunkt, als er mit seinem Heer durch das herbstliche Mittelitalien nach Rom marschierte, dürfte schlicht und einfach die Sonne durch den wolkenverhangenen Himmel gebrochen sein und den Kaiser samt seinen dahin ziehenden Kolonnen beleuchtet haben. Mehr als das brauchte es nicht, um ein schlichtes Gemüt davon zu überzeugen, dass der höchste Gott auf seiner Seiet stand. An dieses Ereignis hat sich Constantin später in bestem Gauben erinnert und es mit dem christlichen Gott – der für ihn etwas anderes war als der Sonnengott – in Verbindung gebracht.“

Klaus M. Girardet, Der Kaiser und sein Gott : das Christentum im Denken und in der Religionspolitik Konstantins des Großen. Berlin ; New York : de Gruyter, 2010 (Millennium-Studien ; Band 27). ISBN 978-3-11-022788-8

Konstantin hat sich schon 311 vor Beginn des Feldzugs dem Christentum zugewendet. Nach dem Sieg über Maxentius 312 zeigte er dies mehr nach außen. Kaiser wollte die nichtchristlichen Religionen verdrängen und das Christentum zur alleinigen Reichs- und Menschheitsreligion machen.

Elisabeth Herrmann-Otto, Konstantin der Große. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2007 (Gestalten der Antike), S. 37 – 57

In der Darstellung zeitgenössischer Zeugnisse (Panegyricus von 313) widerspiegeln sich Doppeldeutigkeit, Unklarheit und Unsicherheit, welche Gottheit Konstantin eigentlich bei seinem Sieg geholfen habe. Der Konstantinsbogen verwendet solare Symbole und zeigt Konstantin oder seinen Vater Constantius I. beim Opfer vor Apollon. Die Vision Konstantins ist auf ein Halophänomen beim Besuch eines Apollon-Heiligtums in Gallien 310 zurückzuführen. Erst nach 312 hat sich für Konstantin diese Vision zunehmend mit dem Christengott verbunden.

Konstantins Zuwendung zum Christentum wird als „Konstantinische Wende“ bzw. „Constantinische Wende“ bezeichnet. Ob die Entwicklung eher allmählich war oder es einen deutlichen Sprung gab (z. B. im Zusammenhang mit einer Vision und dem Sieg in der für ihn siegreichen Schlacht an der Milvischen Brücke 312), ist umstritten. Zu seinen Gründen, sich zum Christengott zu bekennen, gibt es verschiedene Deutungen.

Bruno Bleckmann, Constantinus I. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 3: Cl - Epi. Stuttgart ; Weimar, Metzler, 1997, Spalte 136 – 141

Die persönliche Religiosität ist unzugänglich, weil Aussagen aus zuverlässigen Quellen fehlen. Aus seinem Selbstzeugnis (Eusebius, Vita Constantini 4, 9) geht hervor, daß der späte Constantin den christlichen Gott vor allem als seinen Schutzgott betrachtete, der militärischen Erfolg garantierte. Ein solarer Monotheismus, dem Constantin anhing, war außerdem ein Ausgangspunkt, der dem Christentum verhältnismäßig nahe war.

Hartwin Brandt, Konstantin der Große : der erste christliche Kaiser ; eine Biographie. München : Beck , 2006, S. 39 – 41, S. 68 – 79 und S. 123 – 132

Bei Konstantin war eine Neigung zu einer Art solarem Monotheismus (Glaube an einen Sonnengott als einzigen Gott) vorhanden. Der Christengott konnte von ihm als Konkretisierung des Sonnengottes verstanden werden. Die Konstantinische Wende (Herbst 312) war ein stimmiges Resultat persönlicher religiöser Neigungen und politischer Überlegungen. Konstantin war von politischer Rationalität geleitet. Er wollte seine Herrschaft absichern und das Potential des Christentums zu einem Zusammenhalt nutzen.

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Elisabeth Herrmann-Otto, Konstantin der Große. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2007 (Gestalten der Antike), S. 37 – 57 und S. 197 - 199

Der Begriff der Bekehrung ist als Maßstab zweifelhaft. Die Wende in der Politik gegenüber dem Christentum (Politik der Hereinnahme und Integration der christlichen Kirche in den Staat) wäre ohne das Scheitern der Verfolgungen wohl auch bei Konstantin nicht als Gedanke aufgekommen. Nach dem Sieg über Licinius 324 verschwand der Sonnengott allmählich. Solare Elemente (Verehrung des Sonnengottes) und christliche Elemente sind in der Religionspolitik lange verbunden gewesen und von Konstantin letztlich nicht als Widerspruch verstanden worden (auch Christus wird in der christlichen Tradition als Sonne – und zwar als Sonne der Gerechtigkeit – bezeichnet).

Karen Piepenbrink, Konstantin der Große und seine Zeit. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2002 (Geschichte kompakt – Antike), S. 121 – 131

Konstantin versprach sich politische Vorteile davon, sich zum Christengott zu bekennen und sah eine Chance, seine kaiserliche Herrschaft von ihm abzuleiten (Kaiser als Beauftragter Gottes/von Gott eingesetzt).

Karl Christ, Geschichte der römischen Kaiserzeit : Von Augustus bis zu Konstantin. 5., durchgesehene Auflage mit erweiterter und aktualisierter Bibliographie. München : Beck, 2005 (Beck's historische Bibliothek), S. 762 - 781

Konstantin näherte sich von einer monotheistischen Grundeinstellung, über die Hinwendung zu Apollo und Sol, über ein Zwischenstadium auch christlich deutbarer Abstracta wie „das Göttliche“, „die Gottheit“, „das Allmächtige“, „die Vorsehung“ immer mehr dem christlichen Gottesbegriff.

Konstantin war von Anfang an von der Kraft und Macht und der christlichen Kirche beeindruckt. Er hielt die Kirche für eine für das römische Reich notwendige Organisation, als Element der Stabilisierung von Herrschaft.

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Das Zeichen, das Staurogramm oder auch der Schriftzug "In hoc signo vinces", welches Konstantin am gesehen haben soll, hatte er nicht bei der Schlacht gesehen. Es erschien im im Traum (nach Laktanz), oder am Himmel auf dem Marsch udn später durch Jesus im Traum gedeutet (nach Eusebius). Hier handelt es sich im christliche Quellen, die die Geschichte in ihrem Sinne umdeuten.

Aaaaber, Konstantin mag tatsächlich etwas gesehen haben, nämlich ein sogannetes Halo (Lichtkreuz, optisches Phänomen). Von einer derartigen Erscheinung, die durchaus Ähnlichkeit mit einem Kreuz haben kann, wird in einem Panegyrikus des Jahres 310 berichtet. Konstantin setze ihn wohl in Bezug auf seinen verehrten Gott Sol Invictus, mit der er auch noch viele Jahre nach 312 auf Münzen etc. abgebidet wurde. Konstantins Infschrift auf dem anschließenden Triumphbogen ist absichtlich offen gehalten und lässt Spielraum für den christlichen, wie den heidnischen Gott. Es ist aber eher anzunehmen das Sol Invictus gemeint ist, da die senatorische öffentlichkeit Roms (Rom war eine heidnische Hochburg) kaum den christlichen Gott auf einem Bogen geduldet hätte.

Aber wenn Konstantin nun dieses Lichtkreuz als Zeichen des Sol Invictus deutete, was war dann ausschlaggebend für seine Zuwendung zum Christentum?

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@sophie786

Zwischen dem spätrömische Sol Invictus und dem Christengott gab es viele Gemeinsamkeiten. Als Konstantin den Sonntag als Ruhetag (da Feiertag für den Sonnengott) festlegte begünstigte er damit auch die Christen (ob nun gewollt oder nicht) ebenfalls, da diesen der Sonntag heilig war/ist. Auch Weihnachten liegt fast auf dem Feiertag der Unbesiegten Sonne. Er wandte sich an besagten Tag nicht dem Christengott zu, wohl rückten Christen wie Eusebius von caesarea in die Vertrautenkreise Konstantins auf. Dieses ereignis begünstigte eher seine langsamme Hinwendung zum Christengott, war aber nicht der entscheidende Wendepunkt.

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Man hat einen Krater in der "nähe" des Schlachtfeldes gefunden der von der Flugbahn zeitlich und örtlich zu der Erscheinung passen könnte. Es wäre also durchaus möglich das er einen implodierenden Meteoriten gesehen hat.

Der Ablauf ist mir so bekant, Konstantin sah das "Lichzeichen", lies seine getreuen Kreuze aufmalen und betete, gewann die Schlacht und glaubte von nun an den Christengott weil dieser ihm das Kriegsglück schenkte.

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