Erklärung Seneca und Epikur?

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1 Antwort

Seneca ist Stoiker, der aber viel Sympathie für epikureische Gedanken hat. Beiden, wie der gesamten antiken Philosophie, geht es darum, wie man ein gelingendes Leben hinbekommt. Mit sich und der Welt im Großen und Ganzen in Übereinstimmung sein, die täglichen Probleme des Lebens im Griff zu haben und das Gefühl, dass man sein Leben richtig eingerichtet hat, das streben die beiden Philosophie-Schulen an. Eigentlich müsste es eher "höhere Lebensschulen mit philosophischem Hintergrund" heißen, was man heute über höhere Lehranstalten und Unis bekommt, das war damals deren Aufgabe. Wer eine bessere gesellschaftliche Position anstrebte, besuchte eine der beiden. Ein gewaltiger Bruch kam erst mit dem Christentum, das das Ziel des Lebens vom aktuellen Leben im Jetzt auf ein jenseitiges Leben gerichtet hat.

Der Unterschied zwischen Stoa und Epikureismus liegt in der Weltsicht.

Die Stoa vertritt mit religiöser Grundstimmung eine eher geschlossene, deterministische Weltsicht. Der göttliche Logos gestaltet den insgesamt geordneten Kosmos nach höherem Plan und der Menschen Aufgabe ist, darin seinen Platz und seine Bestimmung zu finden. Seelenruhe findet der Stoiker in dem Gefühl, seinen Platz im Weltenplan des Logos gefunden zu haben. Im Kontrast dazu ist der Epikureismus diesseitig ausgerichtet mit offener Herangehensweise an die Welt.

Der Epikureismus vertritt die weltgebunden freie Entscheidung und lehnt den stoischen Determinismus ab. Die Epikureer vertreten die Meinung, dass der Mensch in einer offenen, nicht deterministischen Welt für sein Handeln verantwortlich ist und für seine eigene Lebensgestaltung als Teil in einer funktionierenden Gesellschaft. Gelassenheit findet der Epikureer, wenn seine Lebensplanungen funktionieren und er im Kreise guter Freunde das gesellschaftliche Umfeld in Frieden und Wohlbefinden gestalten kann.

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Kommentar von berkersheim
07.04.2016, 20:38

noch ein Zusatz:

In beider Ethik spielen die Tugenden eine große Rolle wie in allen antiken Philosophien. Ausführlich findest Du das z.B. bei

http://www.zeno.org/Philosophie/M/Vorl%C3%A4nder,+Karl/Geschichte+der+Philosophie/Die+Philosophie+des+Altertums/Vierte+Periode.+Die+hellenistisch-r%C3%B6mische+Philosophie/A.+Hellenistische+Periode/Kapitel+X.+Die+Stoiker/%C2%A7+38.+Die+stoische+Ethik

Punkt b, Angewandte Ethik.

Im Gegensatz zum Epikureismus lehnt die frühe Stoa die Würdigung der Emotionen ab, sieht sie ausschließlich negativ, die unterdrückt werden müssen. Das gleicht sich später dann an, weil es sich nicht durchhalten lässt. Der Epikureismus schätzt die Emotionen als wichtigen Motor menschlichen Handelns und versucht von Anfang an, damit möglichst rational umzugehen, ohne sie zu verteufeln.

Für die Stoa sind die Tugenden göttlichen Ursprungs, sozusagen Leitlinien des Logos, den Sieg des Geistes über das Fleisch, die Emotionen zu erringen.

Ganz anders der Epikureismus. Für ihn sind die Tugenden die Frucht eines gesellschaftlichen Erfahrungsschatzes, was sich bewährt hat. Auch ihre Bedeutung wandelt sich je nach gesellschaftlicher Situation. In einer friedlichen Gesellschaft ohne Feinde tritt die Tugend der Tapferkeit in den Hintergrund. So handhaben die Epikureer die Tugenden flexibler, situationsgemäßer und weniger starr.

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