Definition Religion, was ist das den überhaupt?

25 Antworten

Religion kommt vom lateinischen religio und leitet sich laut Cicero vom Verb relegere = wieder lesen, ab. Religio selbst bedeutet Rücksicht (im Sinne von zurück schauen, reflektieren), das Bedenken, Skrupel, frommes Bedenken, religiöser Skrupel, aber auch Gottesdienst, Verehrung, religiöse Handlung, Zeremonie, Religionswesen, Kultus, Heiligtum, Gegenstand frommer Verehrung, Heiligkeit, das Heilige, heilige Verpflichtung, Eid, heiliges Versprechen, Religionsverletzung, Frevel, Fluch, Sünde (Josef M. Stowasser, Der kleine Stowasser, lateinisch-deutsches Schulwörterbuch, München 1980, S. 390, relego II., religio) Du siehst also, das Wort Religion bezieht sich auf den gesamten Bereich des religiösen Denken und Handelns. Es bezieht sich dabei nicht nur auf das Christentum sondern auch auf alle anderen Bekenntnisse, die unter dem Begriff "Religion" zusammengefasst werden. Daher, weil in der Schule nicht nur das Grundwissen über das Christentum sondern auch über andere Glaubensrichtungen (Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus etc) und über Sekten und sektiererische Gruppen vermittelt wird, heißt das Unterrichtsfach Religion und nicht Theologie. Diese beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Christentum und seinen Anfängen, dem Judentum.

An der Definition von Religion haben sich schon viele schlaue Köpfe versucht aber zu einer richtig befriedigenden Antwort ist meines Wissens nach keiner gekommen.

Mit gefällt noch diese Erklärung am besten:

Religion besteht aus Konsistenz und Kontingenz, aus Transzendenz und Immanenz und der Mensch schwankt in diesen vier Begriffen zwischen Religiöser Routine, vitaler Religiosität, Pragmatismus und religiöser Suche.

mmh, fängt erstmal ganz gut an. Aber jetzt hätte ich gern Definitionen von Religiöser Routine (Rituale?), vitaler Religiosität, Pragmatismus und religiöser Suche... ;-)

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@hannnnchen

Religiöse Routine: Man macht es mit, weil es alle machen ohne groß zu reflektieren.

Vitale Religiosität: Man lebt seinen Glauben mit Inbrunst.

Pragmatismus: Man hat damit nicht viel am Hut.

Religiöse Suche: Man ist mit seiner Religion nicht recht zufrieden und auf der Suche nach mehr Transzendenz, was auf Dauer dazu führt, dass man konvertiert oder sich radikalisiert, wobei eine Konversion eigentlich so gut wie immer zu einer Radikalisierung führt. Ausnahmen sind da irgendwelche Newage-Wellnessreligionen, die sich Menschen selbst aus ein paar Räucherstäbchen, Yoga und Heilsteinen zusammenstricken, die sind relativ harmlos.

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@hannnnchen

Dann muss ich aber schnell mitteilen, dass diese Definition nicht auf meinem bescheidenen Mist gewachsen ist. :-)

Du findest sie als Schaubild in "Zeitschrift für Religionswissenschaft" 02/95. Der Aufsatz heißt: "Was ist Religion? Probleme der Definition." und ist von Detlef Pollack.

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Es gibt unzählige Definitionen von Religion. Viele nehmen auf die lat. Wörter, die darin stecken (können), Bezug. Religion ist für mich im wesentlichen der Glaube an eine oder mehrere Kräfte, die sowohl im sichtbaren als auch im nicht sichtbaren Bereich des Daseins wirken. Im Glauben werden sie vorgestellt und angesprochen, z.B. als Gott und angebetet. Zusätzlich entwickeln sich Kulte um diese Kraft bzw. Kräfte, um sie vermutlich beherrschbarer und weniger willkürlich erscheinen zu lassen. Als Zweck darf der Trost nicht übersehen werden: der Trost über unser Nichtwissen, z.B. was nach dem Tod kommt, wie der Anfang des Kosmos erfolgte, warum es angesichts hoch entwickelter Kultur zu Krankheit, Leid und Armut kommt usw.

Auch dein Kommentar, geht an der Realität vorbei. Siehe unser Kommentare vorab. OYena

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Juhu, das ist DIE Frage für Religionswissenschaftler und zum perfekten Zeitpunkt gestellt, weil ich gerade für meine Zwischenprüfung nächste Woche lerne :-)

Also, es gibt hunderte Versuche Religion zu definieren. Dabei gibst es verschiedene Vorgehensweisen:

a) über den Ursprung des Begriffs: das kann lat. "religare" - "zurückbinden" sein wie Augustin es versucht oder lat. "religio" - "rücksichtsvolles Tun" im Sinne von ein Ritual exakt auszuführen, zu Zeiten Ciceros die Rituale der römischen Religion. Fakt ist jedenfalls, dass das Christentum den Begriff Religion von den Römern zur Selbstbeschreibung übernommen hat. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff immer allgemeiner, aber blieb auf das Christentum bezogen, was sich eigentlich erst mit Aufklärung änderte. Soviel zum geschichtlichen Hintergrund.

Seither gibt es verschiedene Versuche, Religion zu definieren. Das Problem liegt aber darin, dass "Religion" eben ein christlich geprägter Begriff ist und kaum außerhalb des europäischen Raums auftrat. So gibt es in vielen anderen Sprachen keine Übersetzung dafür, bzw. nur unzureichende, die wahlweise mehr oder weniger bezeichnen als das, was wir alltäglich mit Religion benennen.

b) über die Essenz/das Wesen der Religion (substantialistische Def.): Kant sagte: "Religion ist das Gesetz in uns, insoferne s durch einen Gesetzgeber und Richter über uns Nachdruck erhält. Sie ist eine auf die Erkenntnis Gottes angewandte Moral". Schleiermacher sagte: Religion ist "Sinn und Geschmack für's Unendliche", bzw. ein Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit. F.M. Müller (wird als Ideengeber der Religionswissenschaft gesehen) sieht in der Religion einen "Ausdruck der ältesten Gedanken der Menschheit", bzw. ein "Schauen des Göttlichen im Wirklichen, ein Gefühl menschlicher Schwäche und Abhängigkeit". Friedrich Heiler sagt, Religion ist "Anbetung des Mysteriums und Hingabe an dieses", bzw. "Umgang mit dem Heiligen". Wobei man an dieser Stelle das Heilige definieren müsste, was Heiler mit seinem Modell der konzentrischen Kreise versucht (er arbeitet sich vom sinnlich wahrnehmbaren über die Gedanken und Gefühle zum göttlichen Mysterium vor). Damit steht er in der Tradition Rudolf Ottos, für den die Erforschung von Religion nur möglich ist, wenn man selbst schon einmal einen Moment starker religiöser Erregtheit erfahren hat. Er versteht Religion als Ergebnis von rationalem (Moral) und irrationalem (das Heilige). Für van der Leeuw ensteht Religion aus der Erfahrung mit einer höheren Macht konfrontiert zu sein, der man sich nicht entziehen kann.

c) über die Funktion: "Eine Religion ist ein solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken, die sich auf heilige, d.h. abgesonderte und verbotene Dinge, Überzeugungen und Praktiken beziehen, die in einer un derselben moralischen Gemeinschaft, die man Kirche nennt, alle vereinen, die ihr angehören" - Durkeim sieht Religion als gemeinschaftsstiftend. Im Gegensatz zu William James, der Religion als eine individuelle Angelegenheit versteht: "Gefühle, Handlungen und Erfahrungen von einzelnen Menschen in ihrer Abgeschiedenheit, die von sich selbst glauben, dass sie in Beziehung zum Göttlichen stehen", was James als Existenzbegründend sieht.

Religionsbegriffe sind also immer von einer bestimmten Epoche bzw. ihrem Autoren abhängig. Die Religion in den Religionen zu suchen, wie es die Religionsphänomenologen taten (siehe substatialist. Def.), wurde von den meisten Religionswissenschaftlern aufgegeben (abgesehen von bspw. Gantke oder Tworuschka, letzterer könnte dir bekannt sein), was als kulturwissenschaftliche Wende bezeichnet wird.

Zwar gibt es noch einige sehr breite Religionsdefinitionen wie etwa Gladigows "Sinn-, Symbol- oder Deutungssystem", Religionswissenschaftler arbeiten aber eher mit einem diskursiven Religionsverständnis bzw. hermeneutischen Religionsdefintionen. Das heißt, wir bestimmen unseren Gegenstand, die Religion, bei jeder Arbeit neu. Dabei können wir entweder den Begriff unseres Forschungsfelds übernehmen (wer bezeichnet sich selbst als religiös? der ist es auch für uns) oder ihn für unsere Arbeit passend verändern (wir untersuchen bspw. Zeugen Jehovas, nehmen jene, die sich selbst als ZJ bezeichnen, aber auch jene, die sich für die ZJ interessieren in unsere Forschung auf) oder wir nehmen eben einen ganz abgehobenen Begriff, wie das obige Sinn-, Symbol- oder Deutungssystem, das es uns ermöglicht, bspw. den Trachtenverein, ein Fußballspiel oder einen Museumsbesuch mit religiösen Systemen zu vergleichen.

Noch Fragen? ;-D

Das Wort Religion stammt von dem lateinischen Wort "religio" ab. In den ältesten lateinischen Belegen werden dieses Wort bzw. seine grammatischen Ableitungen gebraucht, um ein gewissenhaftes, gottesfürchtiges, Handeln zu bezeichnen, aber auch um ein abergläubisch ängstliches Handeln abzulehnen.Das Wort steht also für eine bestimmte Normativität, die sich aus der rechten Gottesfurcht ergibt, und für die so ausgezeichneten Handlungen selbst. Die ursprüngliche Bedeutung ist also die eines bestimmten Ritus oder eines bestimmten Kults, welche sorgfältig zu beachten sind. Diese Etymologie von religio, die sich am Wort relegere, was sorgfältig beachten heißt, orientiert, geht auf Cicero zurück.

Als grundlegend für Religion gilt ein Verhältnis des Menschen zu Gott oder einer anderen Vorstellung von Transzendenz. Zugleich gilt dieses Verhältnis als wesentliche Bestimmung des Menschseins. Diese anthropologische Bedeutung wird erst in jüngster Zeit bestritten, wobei diese Einwände problematisch bleiben, denn auch die Ablehnung Gottes – bzw. einer Transzendenz – ist ein Verhältnis zu Gott und zeigt, dass der Mensch sich zu Gott positionieren kann, ein Vermögen, das kein anderes bekanntes Lebewesen besitzt, und dass er sich faktisch positioniert.

Das der Religion entsprechende Verhältnis zu Gott ist das der Ehrfurcht und Verehrung bzw. das ehrfürchtige Streben nach der Transzendenz. Dieses Verhältnis besitzt einen Wert in sich, einen intrinsischen Wert.

Peter Fischer Philosophie der Religion Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG Göttingen

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