Darf ich dem Therapeuten meines Freundes eine Email schreiben?

7 Antworten

Hallo WunderbarSonne,

dein Anliegen, etwas zum Besseren zu wenden, ist nachvollziehbar und auch lobenswert. Keine Ahnung, wie der Therapeut reagiert, das klassische Vorgehen wäre, sich als Therapeut zu überlegen, ob Paarsitzungen angebracht sind, aber diese Entscheidung ist eindeutig eine Sache des Paares und nicht die des Therapeuten. Wenn du also eine Paarsitzung wünscht, ist zuallererst dein Partner der Ansprechpartner.

Wenn der Partner keine Paartherapie will, ist das kein Hindernis für eine Paartherapie (zumindest nicht im systemischen Arbeiten). Man kann auch ohne Partner als Paar arbeiten. Das klingt vielleicht paradox, macht aber nichts. Systemische Therapeuten sind so etwas gewohnt. Welche Therapierichtung der/die Therapeut/in von dir oder deines Partner angehören, weiss ich allerdings nicht.

Unabhängig davon wird sich der Therapeut deines Partner zweimal überlegen, ob ausgerechnet er der Richtige dafür wäre, denn die Schwerpunkte seiner therapeutischen Beziehung wären dann ungleich. Der Therapeut müsste in eine andere Rolle schlüpfen und das wiederum beeinträchtigt die therapeutische Beziehung zu deinem Partner. Gute Therapeuten lehnen solchen Rollenmix ab, weil er, wenn man ehrlich ist, nicht funktioniert.

Unabhängig davon kann man fachlich sagen, dass die Probleme deines Freundes erst einmal seinen sind, dafür sind seine therapeutischen Sitzungen. Deine Probleme, Gefühle, Verlassenheitsangst etc, sind die deinen und dafür wären die Sitzungen mit deiner Therapeutin da. Dass du wünscht, dein Freund soll sein Verhalten ändern, in der Hoffnung, dann würden sich auch deine emotionalen Achterbahnfahrten verringern, ist verständlich. Wahrscheinlich hast du damit Recht. Womöglich aber berücksichtigst du nicht vollens, dass dein Freund dazu nicht verpflichtet ist. In einer realistischen Beziehung bedeutet Beziehung, dem Partner entgegenzukommen - nicht in allen Bereichen. In manchen Bereichen kann man es, möchte man auch. Bei anderen Themen kann oder möchte man es auch nicht. So etwas ist normal.

Es gibt unterschiedliche Beziehungsstile und wahrscheinlich habt ihr unterschiedliche. Das ist ebenfalls nichts Aussergewöhnliches, sondern nicht nur für eine Paartherapie etwas völlig Normales. Es geht deshalb auch nicht darum, dass der eine dem anderen anpassen soll, sondern darum, wie ein Paar seine Unterschiede so organisieren kann, dass erstens nicht zu viel schädliche Reibung passiert, und zweitens sich daraus eine Beziehung mit aussichtsreicher Zukunft entwickeln kann. So ein Vorgehen ist wesentlich aussichtsreicher als zu versuchen, den anderen verändern zu wollen (obwohl uns Letzteres spontan natürlich immer näher liegt).

Ich vermute, deine Methode, die Sache anzugehen und dem Therapeuten zu schreiben, kann die Situation noch verkomplizieren. Nicht nur, weil dein Partner das womöglich als übergriffig sehen würde. Ich schreibe "kann", denn niemand hat ein Glaskugel. Vom Fachlichen würde ich abraten, so vorzugehen. Es gibt Wege mit weniger Risiko.

Dir alles Gute

gutklarkommen

Hallo, ich frage mich, ob eine Therapie. bei Euch überhaupt zum Erfolg führen würde. Wenn es nämlich um Eure Beziehung geht, sollten beide daran teilnehmen . Wenn es um die "Fehler" Deines Freundes geht, darfst Du Dich nicht einmischen. Eine E-Mail von Dir, an den Therapeuten Deines Freundes, wäre eine Einmischung. Was mit Deinem Freund los ist, findet der Therapeut sicher alleine raus.Alles Gute für Euch Beiderolliman33

So wie Du es schilderst, scheinst du federführend zu sein bei dem Versuch, deinen Freund nach deinen Vorstellungen zu "kurieren".

Glaubst du ernsthaft dass es richtig ist, einen Menschen zu einem Therapeuten zu schicken, weil er in der Beziehung nicht so funktioniert wie du das gerne hättest?

Da du nicht genau schilderst worum es geht, kann man natürlich nur vermuten. Und damit das alles auch ja so läuft wie du das gerne hättest, nimmst du sogar Einfluss auf die Beziehung zwischen Therapeut und Patient, indem du einfach eine E-Mail schreibst.

Nachdem ich mir den Text jetzt mehrmals durchgelesen habe, bin ich ehrlich gesagt erschüttert wie manipulativ du in eurer Beziehung vorgehst, um Dinge die dir an deinem Freund nicht gefallen, sogar durch therapeutische Hilfe zu beseitigen.

Ehrlich gesagt finde ich es höchst erschreckend wie du dich verhältst, und ich könnte 100-prozentig verstehen wenn dein Freund ausrastet und letztendlich die Beziehung beendet.

Ich meine, mal ernsthaft:

Du versuchst deinem Freund bestimmte Verhaltensweisen durch eine Psychotherapie auszutreiben, und versuchst gleichzeitig sogar Einfluss auf die Denkweise des Therapeuten zu nehmen.

Manipulativer geht es wohl nicht.

Stimme dir zu. Wenn man jetzt wüsste, um was es geht, könnte man das evtl. noch relativieren und Verständnis für das Vorgehen der Fragestellerin entwickeln, aber so erweckt es wirklich den Eindruck, dass sie den Fehler lediglich bei ihm sieht und versucht ihn so zurecht zu biegen, wie sie das gerne hätte. Jetzt ist es natürlich nicht ausgeschlossen, dass der Fehler primär bei ihm liegt, aber wenn dem so wäre, könnte sie auch ein paar mehr Details in ihre Frage packen ...

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@Hacker48

Ich vertrete den Standpunkt, dass immer beide Seiten zu gleichen Anteilen Reaktionen, Gefühle und VW auslösen.

Und nein, ich suche keine Fehler. Ich suche auch keinen Schuldigen. Der Begriff "Schuld" existiert für mich nicht. 

Ich beobachte und stelle fest. 

Und wenn mich ein Profi darauf aufmerksam macht, dass ich vollkommen einem Irrtum unterliege, dann korrigiere ich meine Feststellung.

Dann weiß ich, dass ich einem Irrtum unterliege / unterlag.

Was aber wenn meine Beobachtung bestätigt werden und beide Seiten durch einen Profi die Chance haben, freiwillig ihre Verhaltensweisen zu korrigieren, wenn sie es beide aus freien Stücken wollen? 

Dann ist dies eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

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Verzweifelt und hilflos ja. Manipulativ nein, in keinster Weise.

Ich beschreibe sachlich beobachtete Verhaltensweisen an meinem Freund und an mir und bitte um Hilfe.

Es ist sein Therapeut. Er kennt ihn am besten. 

Und dieser wird wohl am besten wissen, ob er es für gut und richtig hält meinem Freund vorzuschlagen mich zu einem gemeinsamen Gespräch einzuladen, meinem Freund von dem Brief zu erzählen oder mir mitzuteilen, dass er meine Beobachtungen mit mir nicht teilen kann.

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@WunderbarSonne

ob er es für gut und richtig hält meinem Freund vorzuschlagen mich zu einem gemeinsamen Gespräch einzuladen

Soweit braucht es gar nicht erst zu kommen, aber das scheinst du wirklich nicht zu verstehen, oder verstehen zu wollen.

Du hast dich nicht in die Therapie deines Freundes einzumischen, selbst wenn du es "gut" meinst.

Der Therapeut soll sich selbständig ein Bild von der Situation des Patienten machen. Äußerer Einfluss wie deine Mail sind da kontraproduktiv, ganz zu schweigen davon dass deine Beobachtungen nicht sachlich sein können, weil du sie eben aus deiner Sicht siehst und schilderst.

Dein Freund verhält sich nicht so wie du das gerne hättest, und dein größter Wunsch wäre jetzt, dass du dem Therapeuten erzählen kannst was dein Freund falsch macht, damit der Therapeut dir zustimmt und deinen Freund von seinen Verhaltensweisen "kuriert".

Und damit der Therapeut überhaupt darüber nachdenkt dich einzuladen, schreibst du ihm diese Mail.

Denn dir ist das Risiko zu groß, dass dein Freund gar nicht über dich redet, daher versuchst du es zu beeinflussen, um die Chance zu erhöhen dass der Therapeut deine Teilnahme vorschlägt.

Du hoffst praktisch, den Therapeuten auf deine Seite zu ziehen sodass er deinem Freund das sagt, was du gerne hättest. Dann MUSS dein Freund doch verstehen was du von ihm willst, wenn der Therapeut doch das Gleiche sagt...

Nochmals, durch solche Handlungen versuchst du, in deinem Sinne Einfluss auf die Therapie zu nehmen.

Und genau das ist manipulativ, weil du durch deine Mail versuchst, die Sichtweise des Therapeuten zu beeinflussen und dich in die Therapie zu drängen.

Bleibt zu hoffen, dass der Therapeut so professionell ist und deinen Worten keine Beachtung schenkt.

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@GoodFella2306

Sehr schön formuliert, ja! :-)

Ich meine, sie gibt sich auch wirklich Mühe distanziert und sachlich zu wirken, aber wie du sagst, es bleibt immer ihre subjektive Meinung aus ihrer Perspektive heraus. Selbst ein ausgebildeter Therapeut, der gelernt hat eine professionelle Distanz zum Klienten zu wahren, könnte z.B. nicht seine Frau behandeln - und würde das auch niemals versuchen -, weil er nun mal selbst involviert ist.

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@Hacker48

Ich gehe sogar so weit, zu vermuten dass sie absichtlich einen bewusst sachlichen und objektiv-bemühten Ton an den Tag legt, um sowohl nach außen als auch für sich eine gewisse Legitimität und Selbstverständlichkeit ihres Handelns zu suggerieren.

Dazu passt meiner Ansicht nach auch, dass sie keinerlei nähere Beschreibung mitliefert, was ihr Freund explizit ändern soll. Könnte sein, dass dann noch offensichtlicher wird, was sie im Schilde führt oder sie Gefahr läuft, dass andere User hier plötzlich Partei für ihren Freund ergreifen...

Aber ich würde jede Wette eingehen, dass sie genau weiß was sie da tut, und zu welchem Zweck.

Letztendlich durchtrieben, weil sie durch ihr Handeln eventuell versucht, den Therapeuten möglichst von ihrer Sichtweise zu überzeugen und somit quasi einen "Verbündeten" zu gewinnen, um ihre Ansichten von zwei Seiten auf ihren Freund einwirken zu lassen.

Wenn dem so sein sollte (!), hoffe ich inständig dass der Therapeut dieses Tun durchschaut.

Wie gesagt, mein Eindruck und meine persönliche Meinung.

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