Aus welchem Grund werden manche Filme wie z.B. Schindlers Liste heutzutage noch in schwarz-weiß gefilmt?

...komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Da gibt es unterschiedliche Philosophien. Mancher Regisseur möchte sich vor der Ära des Schwarzweiss-Films verbeugen. So beispielsweise in Pleasantville oder in The Artist.

Andere nutzen die Atmosphäre der klaren Kontraste bewusst, um thematisch zu unterstreichen, dass der Inhalt ebenfalls konträre Situationen und Charaktere präsentiert. Viele Filme von Jin Jarmusch sind deswegen in schwarzweiss. Er schafft Filme der Begegnung und des Culture Clashings, was kontrastreiche Situationen sind, die er durch den Kontrast der Schwarzweiss-Optik betont.

"Schindlers Liste" von Spielberg ist in schwarzweiss, weil die Optik von Schwarzweiss-Fotos aus der Zeit des Holocaust assoziiert werden sollen. Spielberg sagte mal, dass nicht nur die Fotos aus der Zeit schwarzweiss waren, sondern dieses ganze traurige Kapitel der Geschichte. Umso wirkungsvoller sind einzelne farbige Elemente des Films.

Misterblue75 24.11.2016, 20:07

Hitchcocks Psycho von 1960 wurde in s/w gedreht, obwohl zu der Zeit der Farbfilm schon ausgereift war. Das Remake aus den 90ern wurde in Farbe gedreht. Oder wurde der Film in s/w gedreht wegen den Blutszenen und Hitchcock hätte Ärger mit der Zensur bekommen?

0
knallpilz 24.11.2016, 20:42
@Misterblue75

Zensiert wurde eigtl so gut wie nie was. Da hätte man schon Kindesmissbrauch propagieren müssen, bevor die Regierung eingegriffen hätte.
Zensur wurde zwar als Argument benutzt um die MPAA einzuführen (um den pösen pösen Kommunismus zu bekämpfen), aber Zensur gab's eigentlich nie.

Psycho hat ein R-Rating bekommen und da hatte sicherlich niemand ein großes Problem mit. Vermute ich mal. Es gab ja damals noch den Production Code, an den  jeder sich halten musste. Hitchcock hat oft versucht, inhaltliche Dinge in seine Filme einzubringen, die ihm deswegen nicht erlaubt wurden.

Aber schau doch einfach auf imdb. Da steht: "

One of the reasons Alfred Hitchcock shot the movie in black and white was he thought it would be too gory in color. But the main reason was that he wanted to make the film as inexpensively as possible (under $1 million). He also wondered if so many bad, inexpensively made, b/w "B" movies did so well at the box office, what would happen if a really good, inexpensively made, b/w movie was made.
"

1
knallpilz 24.11.2016, 20:44
@knallpilz

"

One of the reasons why Alfred Hitchcock wanted to make Psycho in black and white is because Hitchcock loved french horror film Diabolique (1955), which was made in Black and White. Les Diaboliques is based on Pierre Boileau and Thomas Narcejac's novel "Celle qui n'était plus" (She Who Was No More). Hitchcock attempted to buy the rights to this novel in 1950s. But director Henri-Georges Clouzot bought the film rights to the original novel. Clouzot reportedly beat Hitchcock by only a matter of hours.
"

1
Misterblue75 24.11.2016, 20:55
@knallpilz

Bin der englischen Sprache nicht so mächtig. Aber habe Clouzot gelesen. Der hat doch Lohn der Angst auch in s/w gedreht.

0
knallpilz 24.11.2016, 21:01
@Misterblue75

Ach so. Also der Hauptgrund war wohl die Kohle. Er wollte nicht mehr als eine Million ausgeben und Farbfilm war wahrscheinlich teurer zu entwickeln. Oder einzukaufen. 
Er wollte den Film so billig wie möglich produzieren.
In den 50ern gab es sehr viele B-Movies, die aber Kohle gemacht haben, weil sie so wenig gekostet haben. Denke mal, die waren auch in schwarzweiß. Und er wollte eben auch billig einen Film drehen, der aber kein Billigfilm ist. :D

Darüber hinaus war er wohl auch Fan des Films Diabolique, von 1955, der auch in schwarzweiß ist. Zu dem Buch, auf dem der basiert, hatte er sich die Rechte holen wollen, aber Clouzot war schneller gewesen.

Hmm, der klingt interessant. Gleich mal besorgen...


0
Misterblue75 24.11.2016, 21:16
@knallpilz

Wegen der Kohle, glaube ich eher nicht. Weiß nicht wie ichs ausdrücken soll, aber s/w-Filme haben einen besonderen Reiz und Charme.

0
Flimmervielfalt 24.11.2016, 20:09

Soviel ich weiss, war die Entscheidung bewusst. Um Zensur hat sich Hitchcock selten geschert. Es ging wohl eher darum, die Dualität der gespaltenen Persönlichkeit von Bates zu unterstreichen. Das Remake aus den 90ern war überflüssig. Da waren sogar Psycho 2 bis 4 besser.

1

Aus ästhetischen Gründen. Meistens.

Bei Low-Budget-Produktionen liegt es oft daran, dass unansehnliche Locations und Sets sich in schwarz-weiß oft besser machen. Und wenn man kein Geld, keine Zeit oder sonstige Resourcen für sowas hat, dann macht man's in der post eben schwarzweiß.
Habe auch mal bei nem Kurzfilm mitgewirkt, wo das deutlich zu sehen war.

Im Falle von Schindlers Liste oder Ingmar Bergman, William Wyler, Sidney Lumet, und wasweißich wer noch alles sehr spät noch Schwarzweißfilme gedreht hat, wird das einfach eine künstlerische Entscheidung gewesen sein. Wenn man als Regisseur genug Macht und Einfluss hat, oder der Film einfach eine kleinere Produktion ist, von der eh keine Einnahmen erwartet werden, ist das durchaus möglich gewesen (und heute in einzelnen Fällen, zum Beispiel "Ida", auch noch), den Film ist schwarz-weiß zu machen.

Selbst in den 40ern war das eine ästhetische Entscheidung. Farbfilm gibt es seit den 30er-Jahren, aber vielen war das Bunte nix und die haben an der alten Methode festgehalten. War ja mit den Bildformaten auch so. In den 50ern, 60ern, etc. ist es dann entsprechend seltener und außergewöhnlicher gewesen, nicht in Farbe zu drehen.

Aber im Endeffekt ist es, wenn möglich, eine künstlerische Entscheidung. Jeder Film hat eine andere farbliche Stimmung, und wenn einem Regisseur der Sinn nach schwarz-weiß steht, macht er es eben so, wenn man ihn lässt.

Bei Schindlers Liste denke ich mal geht es um die Zeit in der der Film spielt. Außerdem wirkt der Film eher wie eine Doku. Zu der Zeit wo der Film spielt gab es keine Farbfilme und der Dokustil soll dafür sein das das ganze authentisch wirkt.

Es gibt den Film Der Nebel von 2007 auf der Blu-ray ist sowohl die s/w Fassung wie auch die normale in Farbe. Der Regisseur wollte den Film sogar in s/w ins Kino bringen weil der Film dadurch eine düstere Atmosphäre hätte. Natürlich wurde der Film dann in Farbe im Kino gezeigt.

Das ist ein Stilmittel. In S/W sieht alles sehr trist und kalt aus. Kann auch künstlerisch sein, wie Sin City.

Ist das jetzt echt ernst gemeint?

Der Film wurde vor zig Jahren gedreht - da war es eben noch schwarz-weiß.

Flimmervielfalt 24.11.2016, 19:54

Bullshit. Der Film wurde in den 90ern gedreht.

1
knallpilz 24.11.2016, 20:48
@beangato

Eben. Und kommerziell produzierte Farbfilme gibt es seit 81 Jahren - mindestens. Sind etwas mehr als 23.
Noch nie nen Film aus den 90ern gesehen oder was? :D

0
Flimmervielfalt 24.11.2016, 20:01

Als wenn vor 23 Jahren grundsätzlich noch schwarzweiss gedreht worden wäre...

0
HeadDogReturner 24.11.2016, 20:01

Da gab es schon Farbfilme.
Wie alt bist du?

0
uncutparadise 24.11.2016, 20:28

"Der Film wurde vor zig Jahren gedreht"

Vor 23 genau.

"da war es eben noch schwarz-weiß."

Bitte ? Seit wie viel Jahrzehnten gibt es Farbfilme ? Alles älter als 10 Jahre ist bei euch Jugend Steinzeit oder ? ;-)

0

Es hat einfach eine andere Wirkung weil es ein trauriger Film ist.

Das ist die künstlerische Freiheit des Regisseurs! Der wollte das wohl so

Als Stil Mittel und teilweiße auch als "Selbst" Zensur Mittel, habe mal nen Film gesehen da wurde bei Splatterszenen alles in schwarz weiß gehalten. Angeblich um das Rating zu drücken.

Was möchtest Du wissen?