Ich hab mal meinen Gryphius-Gedichtband aufgeklappt, der weit über 200 Gedichte enthält. Es würde also den Rahmen und auch mein Zeitfenster sprengen, jetzt alle auf ihr Versmaß zu kontrollieren. Ich habe aber 4-hebige und auch 5-hebige Gedichte gefunden. Aber die absolute Mehrzahl nutzen schon den 6-hebigen Alexandriner. Ein Beispiel für 4-Hebigkeit ist der 50 Gedichte umfassende Kanon "Andreä Gryphii Gedanken über den Kirchhof und Ruhestätte der Verstorbenen" Ein anderes Beispiel ist das tolle Gedicht "Vanitas mundi", in dem sich das Versmaß von Zeile zu Zeile ändert. Beispiel:

Was ist die Welt,
die mich bisher mit ihrer Pracht betöret?
Wie plötzlich fällt,
Was alt und jung und reich und arm geehret?
Was ist doch alles, was man allhier find'
Ein leichter Wind!

Das hat übrigens seinen guten Grund, der 6-fügige Jambus lässt sich sehr gut mittig in zwei Dreiheber teilen. Das ermöglicht das Gegenüberstellen zweier Gegensätzlichkeiten, in denen das Barock immer gedacht hat. Nämlich genieße das Leben, aber "memento mori" also "gedenke (jederzeit) an die Möglichkeit zu sterben". Das sähe dann so aus, ich zitiere aus Gryphius' Gedicht "Ebenbild unseres Lebens"

Was gestern war ist hin, was itzt das Glück erhebt
Wird morgen untergehn. Die vorhin grünen Äste
Sind nunmehr dürr und tot. Wir Armen sind nur Gäste
usw.

ich dichte mal in diesem Stil weiter drauflos:

heute noch frisch und rot – doch morgen kalt und tot
heut hoch auf schnellem Pferde – morgen schon in der Erde
den stolzen Kriegersmann – haucht bald die Pest schon an
und was wir heut besingen – wird bald schon nicht mehr klingen

usw.

Natürlich neigt der Alexandriner zum Leiern, im Gegensatz dazu lässt sich der von Shakespeare durchweg genutzte 5-füßige Jambus fast wie normales Sprechen skandieren. Das gibt Shakespeares Stücken neben ihrer genialen Psychologie eine zusätzliche moderne formale Note.

Komplexes aber interessantes Thema! Gruß!

...zur Antwort

Ich wäre nirgendwo gerne Diktator, denn wenn keiner mehr wagt, einem etwas zu sagen, von dem er weiß, dass man es nicht so gerne hören möchte, wird das Leben langweilig und man bleibt auf seinem Wissenstand stehen. Lonely at the top – wie öde!!!

Wenn ich die Wahl hätte, möchte ich nicht König sein, sondern viel lieber Berater des Königs.

...zur Antwort

Die zahlt Trump aus seinem Privatvermögen.

Haha! Dafür machen sich die USA zu einer der am höchsten verschuldeten Nationen. Und Herrn Trump ist das egal. Falls er es überhaupt begreift.

...zur Antwort
Schlecht

Ob ich persönlich überwacht werde, ist mir eigentlich egal, weil ich mich eigentlich grundsätzlich vernünftig verhalte.

Allerdings sagt mir die gleiche Vernunft auch, dass eine generelle Überwachung aller Menschen in einer Gesellschaft ein Verstoß gegen die Menschenwürde ist.

Jetzt steht Menschenwürde also in Relation gegen ein paar Fälle von kriminellen Handlungen, die durch Überwachung verhindert werden könnten.

Da entscheide ich mich eher für den Schutz des ersteren. Deshalb bin ich froh, in Deutschland zu leben und nicht in China.

...zur Antwort

Weil in der Bürokratie in anderen Ländern alles anders läuft. Ich wollte mir mal ein Häuschen am Gardasee kaufen und benötigte fast 100 Dokumente incl. Gutachten über Erdbebensicherheit. Ich habe dann resigniert.

Wenn man dann auch noch die Sprache unvollkommen oder gar nicht beherrscht, verliert man schnell den Überblick und gerät in Stress.

Ich betreue Erst- bis Viertklässler. Ich kenne Mütter aus anderen Ländern, die finden alles hier so unübersichtlich, dass sie sich irgendwelche Dokumente in abstrusem Amtsdeutsch von ihren 7-jährigen Kindern übersetzen lassen müssen.

...zur Antwort

Natürlich, denn als Glied einer Masse gibt er einen Teil seiner Eigenverantwortlichkeit ab, ohne jemals überprüfen zu können und wohl auch zu wollen, ob sie von der Institution in seinem Sinne gehandhabt wird.

...zur Antwort

Es ist Patriotismus, wenn man seine Heimat liebt.

Eine andere form des Patriotismus ist es, wenn m an sein eigenes Land für wertvoller und besser als andere hält.

Und noch schlimmer, ist es, wenn man mit Hurrapatriotismus gegen andere vermeintlich "minderwertigere" Nationen in den Krieg zieht.

...zur Antwort

Wenn es zu einem geeigneten Preis eingesetzt werden kann, technisch beherrschbar, in ausreichendem Maße verfügbar und gefahrlos nutzbar ist...

...dann kommt das auch irgendwann. Was dem Menschen möglich ist, macht er auch.

...zur Antwort

Ich empfinde dieses Liebesgedicht auch nicht als "expressionistisch" wie z.B. "Weltuntergang" von Hoddis oder viele Benn-Gedichte. Aber es fällt eben in diese Epoche.

Genial an diesem Gedicht finde ich den "unausgesprochenen" Beischlaf in diesem Gedicht.

Erst schildert Brecht die Wolke "ungeheuer oben" und als er aufsieht "ist sie nicht mehr da". Die eigentliche Liebesszene hat also in der kurzen Zeit stattgefunden, die die Wolke brauchte, um weiterzuziehen.

...zur Antwort

Der Autor versucht, sich durch Anleihen an die Jugendsprache bei jungen Lesern einzuschleimen.

Ich habe in 40 Jahren Tätigkeit als Werbetexter gelernt, dass das bei jungen Zielgruppen niemals funktioniert.

Das ist etwa so, wie wenn bei der Probe einer Schülerpopband ein Lehrer mit seinem Cello vorbeikommt und sagt: "Hi Bros, kann ich bei Eurem megageilen Gig mal einsteigen?".

...zur Antwort

Laut "Stein, Großer Kulturfahrplan" hat er in diesem Jahr seine "Gesammelten Schriften" herausgegeben, die bis zu seinem Tode 1939 12 Bände umfassten.

...zur Antwort

Utilitarismus zeigt sich zur Zeit in reinster Form in China. Alles wir dem "Wohl" des Staates geopfert, vor allem seinem wirtschaftlichen Erfolg (wobei in diesem Falle der Staat identisch mit der kommunistischen Partei ist). Das Recht und das Lebensglück des Individuums wird dafür jederzeit geopfert.

So wie der Utilitarismus in China gerade aus dem Ruder läuft, tut es der Individualismus in Amerika. Wirtschaftlich keine Spur von sozialer Regulierung, Einzelne werden ungestraft unvorstellbar reich, während andere unter der Brücke verrecken. Selbst der Präsident ist ein emphatieloser, irrlichternder Egomane.

So haben früher Bürgerkriege angefangen (und mit der Guillotine geendet).

Warum gelingt es offenbar nur den skandinavischen Ländern, zwischen den beiden Extremen ein erträgliches Mittelmaß zu finden?

...zur Antwort

Ich hab mich mal kurz hingesetzt und 10 Minuten vor mich hingedichtet:

Das Schöne

Es gibt auf unserer weiten Welt ganz sicherlich
Sehr vieles was uns nützt, und was uns sehr erfreut,
Doch wenn wir uns ganz ehrlich fragen, ist dies heut:
Was schön ist, und was wir als hässlich anseh’n schlicht.

So manches kann man ziemlich praktisch ja nur nennen,
Während ein anderes nützlich und ertragreich ist.
Manches ist überflüssig, einfach lästiger Mist,
Den wir am liebsten häufen würden und verbrennen.

Andres erscheint uns schön, zum Beispiel eine Blume,
Obwohl die einfach nur auf ein Insektchen wartet.
Ich frage mich, gereicht dem Menschen das zum Ruhme,

Wenn er als ein Ästhet der Biene gleichgeartet?
Nein, schön ist einfach – wurd’ im Traum mir beigebracht –
Was die Kultur ein kleines Stückchen reicher macht.

Abgesehen davon, dass diese Zeilen trotz der "Maßhaltigkeit" ganz gewiss kein Meisterwerk sind, sondern schnell hingeschmierter Schrott, muss ich Dir noch sagen, dass die sechshebige Zeile eher atypisch für ein klassisches Sonett ist.

Warum? Weil sich eine sechshebige Zeile in zwei gleiche Hälften teilen lässt und dadurch zum Leiern neigt. Im Barock hatte diese Zweiteilung den Zweck, geschickt den Gegensatz von Leben und drohendem Tod nebeneinander stellen zu können.

Beispiel:

Heute noch stolz zu Pferd / morgen vom Tod umfangen
Heute noch hoffnungsvoll / doch bald im trüben Bangen
usw.

Aber das klassische Sonett muss "sonare", also singen. Und das kann der fünfhebige Jambus besser. Deshalb wurde er auch von den meisten großen Sonettdichtern bevorzugt. z.B Petrarca, Shakespeare, Mickiewicz.

...zur Antwort

Warum sollten sie sich zeigen, nähmen wir mal an, es gäbe sie.

Wenn sie uns vernichten wollen, dann verstecken sie sich sinnvollerweise.

Wenn sie uns gut gesinnt sind, dann wollen sie uns doch nicht erschrecken oder überfordern.

Wenn sie klug sind, dann verzichten sie dankend auf einen Kontakt. Denn dann ist der Unterschied zwischen ihnen und uns wie der zwischen und und Einzellern. Hättest Du Interesse auf eine Diskussion mit einem Einzeller?

Wenn Sie (unwahrschrinlich!) dumm sind wie Brot, dann halten Sie uns für Götter. Dann würden wir sie in jedem Fall enttäuschen.

...zur Antwort

Ja, ich habe beispielsweise erlebt, wie AfD-Trottel in Talkshows erzählt haben, dass man seine Meinung nicht mehr äußern dürfe, was sie in exakt diesem Augenblick jedoch getan haben. Und zwar ohne, dass sie jemand daran gehindert hätte.

...zur Antwort

Das ist vermutlich ein ähnlicher Effekt, wiedass man seine Tennisspielfähigkeiten verschlechtert, wenn man ausgiebig Tischtennis spielt – und umgekehrt.

Jedes Organ gewöhnt sich an bestimmte Bewegungsabläufe, wenn man sie ihm immer wieder abverlangt. Es entsteht eine Art Automatismus (wie beim Autafahren bei der Bedienung der Pedale).

Bei Dir bestand bisher ein "Leisepfeifautomatismus" der Lippen, der hat sich jetzt in einen "Lautpfeifautomatismus" umgewandelt.

Der menschliche Organismus ist eben eines der wandelbarsten Dinge, die es gibt. Glücklicherweise!

...zur Antwort

Gerechtigkeit ist ein rein subjektives Gefühl. Der Eine findet etwas gerecht, was dem Anderen höchst ungerecht erscheint.

Der Eine sagt: "Ist es gerecht, dass ich ein Bein verloren habe und die Anderen haben noch beide?"

Der Andere sagt: "Ich finde es nur allzu gerecht, dass jemand der sein Leben lang raucht wie ein Schlot, dann sein dadurch schlecht durchblutetes Bein verliert. Hat ihn ja keiner zum Rauchen gezwungen".

Der Eine sagt wieder: "Ist es gerecht, dass manche suchtaffiner sind als andere, das ist doch wahrscheinlich genetisch festgelegt, und für meine Veranlagung kann ich nichts".

Der Andere sagt: "Klar ist das Pech. Aber es gibt ja noch so etwas wie Selbstkontrolle und Disziplin, die kann sich gerechterweise jeder aneignen".

Und so kann die Diskussion noch bis zum Sanktnimmerleinstag weitergehen.

Gerechtigkeit ist das einzige, was sich bei einer Pupulation von fast 8 Milliarden individueller Organismen niemals einstellen kann. Sie würde sogar auch dann nicht vorhanden sein, wenn jeder bis auf den Cent gleichviel hätte. Dann würden nämlich wieder welche sagen, ich bin doch klüger/fleißiger/liebenswürdiger als die anderen, eigentlich wäre es gerechter, wenn ich dann mehr hätte als die.

...zur Antwort

Man kann sich auf unterschiedliche Weise über jemanden lustig machen.

Gutwillig, dann macht man zwar einen Witz über ihn, über den er aber durchaus noch mitlachen kann.

Ironisch, dann ist der Witz schon etwas stärker, und mancher Zartbesaitete fühlt sich dann schon unwohl.

Zynisch, dann hat der Witz etwas absichtlich Verletzendes und legt Schwächen auf eine Art blos, die denjenigen möglicherweise sehr verletzen, zuweilen auch vernichten können.

Du kannst also jetzt selbst entscheiden, obn Du beispielsweise die Fragen von GF-Usern, der täglich ihren Pimmel messen und dazu Fragen hier öffentlich machen, die keinen Menschen interessieren, gutwillig, ironisch oder zynisch beantworten willst.

Ich persönlich neige zu Letzterem.

...zur Antwort