„Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Matthäus 18,3
Vor meiner Wiedergeburt habe ich diesen Vers in Gesetzessprache gelesen. Ich dachte: Ich muss mich anstrengen kindlich zu werden. Demütiger sein, unschuldiger wirken, weniger stolz, mehr vertrauen. Also wieder Leistung. Wieder ich.
Erst jetzt sehe ich was JESUS wirklich sagt, und es ist das Gegenteil von Religion.
Der Zusammenhang ist wichtig. Die Jünger fragen nicht „wie werde ich gerettet“, sie fragen „wer ist der Größte im Himmelreich“ Mt 18,1. Sie denken in Rangordnung. JESUS stellt ein Kind in die Mitte und sagt: Ihr müsst umkehren. Das griechische Wort ist metanoia, nicht Reue über Sünden, sondern Umdenken, eine ganze Drehung des Bewusstseins.
In Gesetzessprache heißt umkehren: ich drehe mich um. In Evangeliumssprache heißt es: ich werde umgedreht.
Ein Kind kommt nicht ins Reich weil es so brav ist. Ein Kind kommt weil es nichts vorzuweisen hat. Es hat keinen Lohn, keinen Titel, keine Theologie. Es kann nur empfangen. Es streckt die Hände aus und wird getragen.
Werdet EmpfangendeGenau das meint JESUS. Nicht „werdet unschuldig“, sondern „werdet Empfangende“. Markus 10,15 sagt es noch schärfer: „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ Annehmen, nicht verdienen.
Wir werden angenommen und dadurch kindlichVorher las ich „werdet wie Kinder“ als moralische Forderung. Jetzt lese ich es als Verheißung. GOTT macht uns zu Kindern. Johannes 1,12: „die ihn aufnahmen, denen gab er das Recht Kinder Gottes zu werden“. Galater 4,6: „Weil ihr Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen.“ Wir werden nicht kindlich damit GOTT uns annimmt, wir werden angenommen und dadurch kindlich.
Kein Kind entscheidet geboren zu werdenDarum ist Umkehr keine Leistung die wir bringen, sondern ein Geschehen, das uns widerfährt. Wie bei Nikodemus in Johannes 3: „Ihr müsst von neuem geboren werden“. Kein Kind entscheidet geboren zu werden.
In Gesetzessprache klingt Mt 18,3 wie eine Drohung: streng dich an sonst kommst du nicht rein. In Evangeliumssprache ist es eine Einladung: lass dich tragen sonst bleibst du draußen, weil du immer noch meinst du müsstest laufen.
Ich habe 30 Jahre lang versucht kindlicher zu werden. Seit Februar 2025 weiß ich: CHRISTUS hat mich zum Kind gemacht. Und erst als Kind verstehe ich den VATER.
Wie lest ihr den Vers? In Gesetzessprache oder in Evangeliumssprache?