Wörtliche Übersetzung Phaeton?

3 Antworten

Und (-que) durch (per) so viel (tantum) Licht (lumen) entstand (= obortae sunt) Dunkelheit (tenebrae) in den Augen (oculis; besser: wurde es dunkel vor den/seinen Augen).

Und (Et) bereits (iam) wollte er lieber (mallet; 3. Ps. Sg. Konj. Imperfekt von malle = lieber wollen; davon AcI abhängig!!), dass er die väterlichen (paternos) Pferde (aquos) niemals (numquam) berührt hätte (tetigisse; du musst „hätte“ wegen der Möglichkeitsform und dem „Wunsch“ schreiben und weil es ein Infinitiv Perfekt im AcI ist),

schon (iam) bereut er (piget; hiervon AcI abhängig), dass er seine Abstammung (genus) erfahren hat (cognosse; = Infinitiv Perfekt = Teil des AcI’s, der vorzeitig übersetzt wird) und (et) durch sein Bitten (rogando = Gerundium) Erfolg gehabt hat (valuisse = Infinitiv Perfekt; gehört auch noch zum AcI; wird auch vorzeitig übersetzt; d.h. entweder cognosse und valuisse -> beide mit Perfekt oder beide mit Präteritum!!),

jetzt (iam) so (ita) berichtet man /wird berichtet (fertur; davon AcI abhängig), dass er sich wünscht/begierig ist (cupiens; hiervon erneut AcI abhängig) Sohn (hier liegt eine Elipse vor, da „filium“ weggelassen wurde) des Merops (Meropis) genannt zu werden (dici; = Infinitiv Präsens Passiv; Teil des AcI’s).

Gerade in der Dichtung sind wörtliche Übersetzungen selten die besten. Teils sind sie auch einfach falsch, da es sich ja um zwei unterschiedliche Sprachen mit unterschiedlichen Idiomen - sprachlichen Eigenheiten - handelt.
Zum Verständnis der Satzstruktur kann es aber ungemein hilfreich sein, den Satz erst einmal wörtlich zu übertragen. Das kann aber nur ein Zwischenschritt zur fertigen Übersetzung sein! Es muss eine sprachliche Anpassung erfolgen. Das ist, was bei Arbeitsaufträgen gemeint ist mit "übersetzen Sie in angemessenes Deutsch".
Hier also eine möglichst wörtliche Übersetzung:

Suntque oculis tenebrae per tantum lumen obortae, 
  • Das sunt(que) gehört zu obortae (PPP von oboriri - "entstehen", einem Deponens) und bildet so die 3.P.Pl. Perfekt (fem.). Das Subjekt ist tenebrae.

-> Und es entstehen den Augen durch so viel Licht Dunkelheiten,
(-> Und von so viel Licht wird ihm schwarz vor Augen)

Et iam mallet eqous numquam tetigisse paternos, 
  • das malle im Konjunktiv steht oft bei unerfüllbaren Wünschen. Der Konjunktiv im Deutschen sollte also schon stehen

-> Und schon wünscht er (/will er lieber), er hätte die väterlichen Pferde niemals berührt,

Iam cognosse genus piget et valuisse rogando, 
  • cogno(vi)sse im Perfekt heißt - "wissen, kennen"; als das, was man kennengelernt (cognoscere) hat. Das hast du auch erkannt.
  • piget wird (ähnlich wie pudet - "es beschämt" und paenitet - "es reut") unpersönlich konstruiert. -> "es verdrießt (ihn)..."
  • rogare heißt auch "bitten"

-> "Schon verdrießt es (ihn), das Geschlecht zu kennen und durch (sein) Bitten Erfolg gehabt zu haben."
(-> Schon bereitet es ihm Verdruss, um sein Geschlecht zu wissen und mit seinen Bitten Erfolg gehabt zu haben")

Iam Meropis dici cupiens ita fertur
  • Das Meropis - Genitiv zu Merops (Das ist Phaetons Ziehvater) - spart ein filium - "Sohn" aus.
  • dici ist der Infinitiv Präsens Passiv zu dicere
  • an das ita schließt sich im folgenden noch ein ut an -> "so… wie…"

-> "Schon einer des Merops genannt werden wollend, wird er so getragen."
(-> Schon will er Merops Sohn genannt werden und wird so getragen, (wie…)

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Es folgt (ohne die Versgrenzen zu beachten):

[…]ut acta praecipiti pinus borea,
  • pinus, pini heißt eigentlich "Fichte"; Bäume sind im Lateinischen mit wenigen Ausnahmen immer Feminina, (ungeachtet der Deklination!); hier heißt es aber metonymisch "Schiff" (ist klar, oder? man baut Schiffe aus (Fichten)Holz) dazu gehört acta - von agere - hier: bewegen, (weg)treiben
  • borea ist der Ablativ zu Boreas - der Nordwind; dazu gehört praecipiti - Abl.Sg. zu praeceps, praecipitis - hier: "jäh, schnell, eilig"

-> (er wird so getragen) wie ein vom jähen Nordwind getriebenes Schiff,

Beide folgenden Relativsätze beziehen sich auf dieses Schiff - pinus, -i, f(!)

cui victa remisit frena suus rector,
  • victa gehört zu frena - Akk. Pl. von frenum "Zügel"
  • frena remittere ~ "die Zügel locker lassen" ist ein Ausdruck, der (bei Ovid) häufiger auftaucht und nicht nur im Bezug auf Pferde meint, dass die Kontrolle aufgegeben wird.

-> "(wie ein[…]getriebenes Schiff), dem sein Steuermann die überwältigten Zügel locker ließ"
(-> "(wie ein[…]getriebenes Schiff), über das der Steuermann die Kontrolle aufgab.")

quam dis votisque reliquit.
  • quam wie gesagt auch im Bezug auf pinus
  • reliquit bezieht sich auf den rector

-> "..., das er (der Steuermann) den Göttern und (guten) Wünschen überließ."

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium der lateinischen Philologie

Vielen Dank! Leider müssen wir es wörtlich übersetzen und dann mit Begründung einen Vortrag dazu halten :/

Aber wirklich vielen lieben Dank:)

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@Mulufelu

schau mal unten. Ich hab dir ne wörtliche Übersetzung mit Erklärungen gamacht, die auch stimmt.

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Und es gibt Dunkelheit in den Augen, nur ein Lichtschein;

 Und jetzt würde er es vorziehen, Paternos nie anzufassen

 Jetzt ist es ärgerlich zu erfahren, dass das Rennen und die Appelle sich durchgesetzt haben

 Jetzt soll Meropis das gerne sagen

Woher ich das weiß:Recherche

Ich glaube das ist nicht ganz richtig... 😅

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