Wie wurden behinderte Menschen im Mittelalter behandelt?

10 Antworten

Sie wurden vernachlässigt, es gab ja noch keine Kranken- bzw. Pfelegeversicherungen. Allenfalöls wurden der Behinderung von zweifelhaften "Doktoren" herumgewerkelt. Das war übrigens noch lange so, lies mal die Passage über die Knieoperation in "Madame Bovary"

Du hast Dir die Antwort ja schon gegeben. Im Mittelalter gab es keine Rente und keine Sozial- und Krankenversicherung. Wer keine Kinder hatte, die ihn später versorgten, musste selber sehen wo er bleibt.

Und wo sollten Behinderte, die weder für Ackerarbeit, noch für die damals wegen fehlender Maschinen extrem harte Arbeit geeignet waren, Kinder hernehmen? Sie kriegten ja auch in der Regel gar keine Frau.

Der Rest ist betteln... oder im Straßengraben verrecken, wohin einen ein vorbei reitender Adliger gepeitscht hatte.

Schon die heute vom Sozialamt als unumgänglich lebensnotwendig finanzierten Habseligkeiten, hätte ein Mensch im Mittelalter als größeren Luxus empfunden als ihn damals sogar Fürsten hatten.

Gold schützt nämlich weder vor Kälte noch vor Krankheiten. Und ein Kronsaal im Winter fühlt sich beschissener an als heute eine geheizte Ein-Zimmerbude. Und eine Dusche heute ist mehr Luxus, als das tollste Parfüm, dass man sich in die stinkenden Achselhöhlen und den schon halb in Verwesung übergegangenen Schambereich gesprüht hat. Und eine Sitzung auf einer halbwegs sauberen Klobrille ist paradiesisch verglichen mit den Gestank eines vollgeschissenen Burggrabens.

Im Allgemeinen ist man mit Behinderten nicht eben gut umgegangen. Man muss allerdings nach Grad und Art der Behinderung differenzieren. Das hatte mehrere Gründe. Bei den ärmeren Schichten der Bevölkerung wurde jede Hand gebraucht um das tägliche Brot zu sichern. Wer nicht leistungsfähig war, galt als unnützer Fresser und konnte höchstens auf Almosen hoffen, mit denen die "christliche" Allgemeinheit ihr Gewissen beruhigte. Geistig Behinderte galten in der Regel als Besessen. Dabei kam es darauf an, ob man ihnen zuschrieb, von höllischen Dämonen besessen zu sein, oder mit Engelszungen zu sprechen. Gerade Epileptikern schrieb man Visionen zu, die von höherem Orte inspiriert waren. Siehe Mohammed, der dem Vernehmen nach an epileptischen Anfällen gelitten haben soll. (Für alle, die jetzt aufjaulen - eine medizinische Diagnose stellt keinen Angriff auf die Persönlichkeit dar - das sollte uns vom Mittelalter unterscheiden - und tut meiner Achtung vor dem Propheten keinen Abbruch.) Auch in der mittelalterlichen russischen Orthodoxie galten Schwachsinnige, Epileptiker oder andersartig geistig Behinderte oft als Gottberührt bis heilig. Im europäischen Mittelalter aber galten Behinderte zumeist als Belastung und - wie schon angeführt - als Strafe Gottes und als Prüfung. Wer sich also ihrer annahm oder ihnen Wohltätigkeiten erwies, tat das in aller Regel nicht um ihretwillen, sondern um das eigene Seelenkonto aufzuhübschen. Kriegsbehinderte Invaliden wurden in aller Regel besser behandelt und hatten das Recht auf den Kirchenstufen - dem beliebtesten Ort zum Betteln - am nächsten zur Tür zu sitzen, wo es am ehesten Almosen gab. Um sie von Verbrechern zu unterscheiden, die aufgrund einer juristischen Bestrafung behindert waren - Abhacken einer Hand, eines Fußes, Herausreißen der Zunge etc... - wurden letztere nicht oft gebrandmarkt, was sie in der strengen Hierarchie der Bettler weit nach hinten schob. Im alten Japan brachte man die Behinderten teilweise in die Berge an Orte, die mit blumigen Namen versehen wurden und überließ sie dort sich selbst. Wie man mit ihnen in anderen Erdteilen verfuhr, entzieht sich meiner Kenntnis.

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