Wie soll man in einem Leserbrief argumentieren?

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7 Antworten

Du findest vor:
Die Anlage in XXX ist zu groß.

Du antwortest:
Nach meiner Meinung kann die Anlage in XXX gar nicht groß genug sein, denn sie ist naturverträglich und muss schon heute für weitere Häuser, die dort geplant sind, ausgelegt sein.

So etwa.
Und immer schön sachlich bleiben!

Volens 01.03.2015, 10:23

Statt "Meinung" kannst du auch noch "Auffassung" oder "Einschätzung" verwenden, damit du keine Wiederholungsfehler hast. Wenn noch mehr Themen angeschnitten werden sollen, kannst du diese Floskel auch weglassen, aber niemals eine gute Begründung vergessen!
Reine Behauptungen in Leserbriefen oder Emails sind eine Pest, die sich inzwischen sehr verbreitet hat (besonders im Internet), vor allem wenn sie dann noch mit Beschimpfungen verbunden werden.

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Du argumentierst mit Deiner eigenen Meinung und begründest sie. Die kann natürlich eine andere sein, als die im Beitrag des Verfassers.

Formulierungen, wenn Du der Behauptung des Verfassers, "Die Wiese ist grün.", nicht zustimmst:

  • Ich bin der Meinung, die Wiese ist bunt, weil auf ihr viele verschiedene Blumen wachsen.
  • Anders als der Verfasser behaupte ich, die Wiese ist, wegen der vielen Blumen, bunt.
  • Der Verfasser ist der Auffassung, die Wiese sei grün. Ich sage, sie ist der vielen Blumen wegen bunt
  • Wenn der Verfasser behauptet, die Wiese sein grün, muss ich dem vehement widersprechen. Dank der vielen Blumen, die sich aus dem Gras erheben, ist sie für mich nicht einfach nur grün.

usw.

Gruß Matti

Du kannst entweder vollständig die gleiche Meinung des Autors vertreten, nur gewisse Aspekte oder komplett dagegen sein. Ich würde das Zweite empfehlen, denn dann kannst Du sehr gut argumentieren. Das, was Du in deinem Leserbrief vertrittst, muss nicht deiner eigenen Meinung entsprechen. Die Art, wie Du argumentierst und begründest, ist entscheidet. Wenn Du nun komplett dagegen bist, bietet sich entweder (1) eine lineare Argumentation oder (2) eine dialektische an.

  1. eine lineare Argumentation bedeutet, dass Du die Pro- und Kontra-Argumente blockweise verarbeitest. Das kannst Du dir wie eine Sanduhr vorstellen. Zu Beginn führst Du alle Gegenargumente zu deiner Ansicht an, angefangen von dem stärksten, bis Du beim schwächsten bist. Es folgt eine kurze Überleitung, dass Du anderer Ansicht bist und nun beginnst Du mit dem schwächsten Argument, das Deine Ansicht vertritt und schließt mit dem stärksten Argument hab. Abschließend kommt noch ein kurzes Fazit.

  2. deutlich schwerer und anspruchsvoller ist eine dialektische Analyse. Diese ist fortlaufend antithetisch, das so viel bedeutet wie, dass jeweils ein Kontra-Argument gibst und dieses direkt mit einem Pro-Argument für Dich widerlegst. Das Anspruchsvolle hierbei ist, dass Du im Voraus genau wissen solltest, welches Argument Du mit welchem widerlegst, damit es am Ende schlüssig ist.

Wenn eine dialektische Argumentation gut funktioniert, ist diese besser als eine lineare. Aber das muss man immer in einer Klausur entscheiden, da alles natürlich auch eine Frage der Zeit ist. Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.

LG Chris

Volens 01.03.2015, 10:26

Wow!

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Beim Leserbrief brauchst du die Argumente, die deiner Ansicht widersprechen nicht anzuführen (anders als bei einer allgemeinen Erörterung). Du brauchst nur die vorhandenen Argumente überzeugend zu widerlegen.

Du könntest anfangen: "Wenn Herr K. argumentiert, die [...] , klingt das zunächst plausibel, aber ... [es folgt dein Gegenargument] und so fort.

Zum Beispiel:
"Die Ansicht des Verfassers steht im Widerspruch zum Argument x...", oder
"Meiner Meinung reicht die Tatsache dass, (das Argument x) aus, um die Auffassung des Verfassers zu widerlegen."

Du machst doch hier in diesem Forum auch nichts anderes, als deine Meinung zu irgendeinem Thema zu schreiben, oder auf etwas zu reagieren, was ein Anderer vorher geschrieben hat.

.... Gefunden usw."

gute Rechtschreibkenntnisse wären natürlich 1. Voraussetzung

Kuhlmann26 01.03.2015, 12:16

Widerspruch! Ich kann auch mit falscher Rechtschreibung einen Leserbrief verfassen, der meine zustimmende oder ablehnende Haltung zum Ausdruck bringt.

Die Rechtschreibung als erste Voraussetzung zu nennen, ist schlicht und ergreifend falsch. Sie ist nicht einmal letzte Voraussetzung.

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Volens 01.03.2015, 13:13
@Kuhlmann26

Der Unterschied liegt da nicht darin, dass man mit falscher Orthografie nicht seine Meinung verbreiten könnte, sondern dass es beim Urheber das Verlangen gibt, dass diese auch gehört werden möge. Und da man weiß, dass viele beim ersten Rechtschreibfehler aufhören zu lesen und sagen "Der kann ja noch nicht einmal richtig Deutsch!", ist der eigene Wunsch, alles richtig zu schreiben, in keiner Weise unerheblich, gleichgültig ob man ihn als ersten oder späteren ansieht.

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Kuhlmann26 02.03.2015, 13:14
@Volens

Natürlich bleibt es jedem überlassen, einen Text mit falscher Orthografie zu lesen oder nicht. Für mich liegt in dieser Haltung aber eine Ignoranz (im wahrsten Sinne des Wortes), die nicht gerechtfertigt ist. Noch dazu, wenn der Text mit einer Frage verbunden ist. Man tut so, als sei der Fragende ein Bittsteller, dem man nur antwortet, wenn er bestimmte Bedingungen erfüllt. Für mich ist DAS die Unhöflichkeit und nicht die mangelnde Orthografie. Wenn die Frage verstanden wurde, kann man antworten oder man hält sich zurück.

Der Irrtum - für mich ist es sogar eine Anmaßung - liegt bei so manchem Leser, zu glauben, weil jeder Mensch in der Schule mit der Kunst des rechtens Schreibens konfrontiert war, müsse diese Kunst auch von jedem beherrscht werden. Darin zwangsweise unterrichtet worden zu sein, ist doch keine Garantie, sie auch zu beherrschen. Ganz im Gegenteil: gerade die UNGEFRAGTE Belehrung und der damit verbundene Zwang führt dazu, dass so manchem die Lust am korrekten Schreibenlernen ausgetrieben wird oder gleichgültig ist. 

Wir akzeptieren ohne zu murren, dass Menschen die Fähigkeit des Tanzens, Singens und Notenlesens, des Kochens, Kletterns, Häkelns, Schwimmens u.v.m. in unterschiedlichem Maße beherrschen. Es ist für mich unbegreiflich, warum dies ausgerechnet beim Schreiben anders sein soll. Warum MUSS man richtig schreiben können? Ich will gar nicht bestreiten, dass es ein Vorteil ist, wenn man es kann; so wie einem jede Fähigkeit in bestimmten Situationen zum Vorteil gereicht.

Ich vermute, dass die des korrekten Schreibens Unkundigen gar nicht das Verlangen haben, einen Brief zu schreiben. Sollte es dennoch erforderlich sein, können sie jemanden damit beauftragen. So tun wir es alle, wenn wir uns zu den handwerklich Unbegabten zählen, aber ein Bild aufhängen wollen oder uns nicht in der Lage sehen, ein Vier-Gänge-Menü auf den Tisch zu zaubern. 

Gerade der Vergleich des Schreibens mit dem Kochen ist hier hilfreich. Wer wollte bestreiten, dass die Ernährung noch elementarer als das Schreiben ist. Es wäre wohl absurd, jeden, der nicht richtig kochen kann, auf die gleiche Weise zu beschimpfen wie diejenigen, die Fehler beim Schreiben machen.

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