Wer von euch ist tatsächlich "ehrlich und direkt"?

Das Ergebnis basiert auf 22 Abstimmungen

bin immer ehrlich und direkt 82%
gehe lieber den "Weg des geringsten Widerstandes" 18%

24 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
gehe lieber den "Weg des geringsten Widerstandes"

Ich hätte zu gerne die Antwort "bin immer ehrlich und direkt" ausgewählt, aber, um ehrlich zu sein, kann ich nicht immer ehrlich und direkt sein. Ich versuche es zwar, radikal ehrlich zu sein und immer das zu sagen, was ich denke, manchmal wäre das aber nur dumm, oder einfach falsch.

Wenn ich einen behinderten Menschen im Rollstuhl sitzen sehe, der sabbert, weil er sich eben nicht kontrollieren kann, dann gehe ich auch nicht zu dem hin und sage ihm: "Boah Alter, bist du eklig, voll den Sabber im Gesicht!" Das wäre vielleicht mein erster Gedanke, und so gesehen ehrlich.

Warum tue ich das nicht? Es gibt so etwas wie Normen, seien es soziale, oder persönliche, die ein solches Verhalten verbieten. Darunter fällt auch so etwas wie soziale Erwünschtheit: Behinderte beleidigen ist sozial unerwünscht, wenn ich es doch tue, muss ich mit den Konsequenzen leben. Wahrscheinlich werde ich dann selbst beleidigt, oder muss mir anhören, was für ein schlechter Mensch ich doch sei, auch wenn ich sage, es sei mir egal was andere über mich denken, so ganz stimmt das eben doch nicht. Ich mag den Satz zwar nicht, aber er stimmt: Kein Mensch ist eine Insel. Also verhalte ich mich sozial erwünscht, und vermeide negative Konsequenzen.

Der Alltag ist voll von Vermeidungsverhalten, in engen Beziehungen ist das nicht anders: "Okay ich sage ihr jetzt nicht, dass das Kleid sche*sse: (Soziale Norm auf GF keine Schimpfwörter...) aussieht, weil ich keine Lust auf Streit und Couchsurfing habe." Das ist aber nichts wirklich schlimmes, sondern einfach nur menschlich. (Jaja, manchmal ist es schon nervig ein Mensch zu sein ;))

Klar, man sollte immer ehrlich und direkt sein, Lügen haben kurze Beine und am Ende kommt die Wahrheit sowieso heraus, aber leicht ist radikale Ehrlichkeit eben nicht.

Ja, das mit den Normen sehe ich auch so. Vielleicht bin ich da auch etwas extrem, weil ich ne Weile in Japan gelebt hab und die es dort noch enger sehn als wir hier in D ^^

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Naja, bei einem Behinderten, der sabbert, denke ich mir "Der Arme kann doch nichts dafür" und frage mich, womit ich verdient habe, essen können zu fürfen, während andere das nicht können dürfen sollen.

Der Gedanke, dass das eklig sein könnte, kommt mir gar nicht erst, aber wenn er mir käme, würde ich ihn schon auch lieber für mich behalten ;)

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bin immer ehrlich und direkt

Ich sage immer ganz ehrlich das, was ich denke und kann es auch direkt ins Gesicht tun - ich hab keine Probleme damit,meine Meinung frei zu äußern.Bin immer ehrlich und direkt,auch wenn es manchmal besser wäre,nicht die ganze Wahrheit zu sagen :) Und auch wenn es manchmal zu Problemen führt :D

bin immer ehrlich und direkt

Ich war einmal ein frecher Schüler, der gesagt hat, was er denkt und deshalb viel Ärger von den Lehrern bekam.

Seit der 7. oder 8. Klasse behalte ich eher für mich, was ich denke, und wäre gerne wieder der alte! Dank der Schule darf ich nicht mehr sein, wie ich bin! Und jetzt fällt es mir schon schwer, "der alte" zu sein und ich bin fast schon schüchtern.

WIe sehr mich das aufregt, diese scheiß Lehrer! Wegen denen sag ich meine Meinung nicht mehr laut...

Dabei finde ich dieses Zitat von Kurt Cobain so toll: "I'd rather be hated for what I am than loved for what I am not!"

Das ist wirklich schwierig!

Im Großen und Ganzen bin ich in der Tat ehrlich und direkt. Ich hasse es, wenn man seine Meinung nicht kundtun kann/darf oder wenn es auch andere Menschen nicht tun. Zwar darf ich mich von den Läster-Weibern nicht ausschließen, bin aber auch so offen, dass ich die Personen dann gerne mal direkt auf mein Problem (mit ihnen) anspreche. Sagen wir mal so: Ich scheue nicht wirklich den Konflikt.

Trotzdem muss man abwägen, WEM man da gegenüber steht und welche Konsequenzen eine Direktheit haben könnte. Gegenüber dem Chef kann ich natürlich nicht immer meine volle Meinung sagen, sonst würde ich schon lange nicht mehr dort arbeiten. ;-) Und auch gegenüber dem Partner unterdrückt man vielleicht mal ein paar Kommentare (wenn man sich z. B. ärgert), wenn man weiß, dass nur eine Diskussion hervorgerufen werden würde, die an sich sinnlos ist (Hausputz z. B.).

Ich bin - soweit es geht - immer ehrlich und direkt. Oft geht es aber darum, dass man jemanden mit seiner Meinung veletzen würde, da halte ich mich meistens ein wenig zurück, oder sage gar nichts, wenn mir der Mensch den Umweg, etwas gefälliger auszudrücken, nicht wert ist. Auch wenn (im Job zB) Diplomatie gefragt ist, sage ich zwar immer noch meine Meinung, aber das ist dann auch nicht wirklich direkt.

Also: ich lüge nicht, aber ich bin auch nicht immer direkt. Den "Weg des geringsten Widerstandes" halte ich prinzipiell aber auch für grundfalsch, denn wenn man nie einen Standpunkt bezieht, darf man irgendwann auch gar keinen mehr haben.

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