Was sagt, ein Leistungsbilanzdefizit aus?

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3 Antworten

Eine Bilanz (lat. für Balken-Waage) ist eine nach bestimmten Kriterien gegliederte Gegenüberstellung.
Sind beide Seiten gleich hoch ist die Bilanz ausgeglichen,  herrscht zwischen den beiden Seiten ein Ungleichgewicht spricht man von entweder von Überschuss oder Defizit.

Die Leistungsbilanz ist die Gegenüberstellung aller Einnahmen und Ausgaben eines Staates (Staat = Volkswirtschaft = Inland) und besteht aus vier Teilbilanzen

  • Handelsbilanz = Exporte und Importe von Sachgütern (Waren)
  • Dienstleistungsbilanz = Exporte und Importe von Dienstleistungen

diese beiden Teilbilanzen zusammen bilden den Aussenbeitrag - also wieviel insgesamt ins Ausland exportiert wird (=Einnahmen, da Geld zufliesst) resp. ins Inland importiert (=Ausgaben, Geld fliesst ab)

  • Erwerbs- und Vermögenseinkommen = Nettoerwerbseinkommen (z.B. Löhne und Gehälter) und Nettokapitaleinkommen (z.B. Zinsen und Dividenden) von Inländern
  • Übertragungsbilanz (Laufende Übertragungen) - umfasst alle Leistungen, die ohne direkte Gegenleistung erfolgen (zB Überweisungen von ausländischen Arbeitnehmern in ihre Heimatländer, Beiträge an internationale Organisationen und die Entwicklungshilfe)

auch bei diesen beiden Teilbilanzen geht es also darum, kommt mehr Vermögen/Geld aus dem Ausland rein (=Einnahmen) oder fliesst mehr ins Ausland ab (=Ausgaben).

Der Leistungsbilanzsaldo ist die Summe der Salden aller Teilbilanzen, einen Saldo kleiner Null wird als Leistungsbilanzdefizit bezeichnet (= mehr Ausgaben)

Ein Leistungsbilanzdefizit entsteht bei einem negativen Aussenbeitrag - d.h. es wird mehr importiert und damit fliesst Geld ins Ausland ab, also ein Vermögensrückgang.

Ein Leistungsbilanzdefizit ist daher auch ein Verbrauchsüberhang, wenn im Inland der Gesamtverbrauch größer als die eigene Wertschöpfung (Bruttoinlandsprodukt) ist - diese Nachfrage wird dann eben durch Importe gedeckt.

Problematisch ist es wenn zusätzlich zum Leistungsbilanzdefizit auch ein Haushaltsdefizit vorliegt - d.h. der öffentliche Haushalt (Bund, Bundesländern, Gemeinden, Gemeindeverbänden sowie Anstalten&Körperschaften des öffentlichen Rechts) gibt mehr aus als er einnimmt. Diese Konstellation wird Zwillingsdefizit genannt.

FrageSchlumpf 22.08.2016, 14:21

Unten steht es zwar schon , aber im oberen Teil ist es irreführend.

"Die Leistungsbilanz ist die Gegenüberstellung aller Einnahmen und Ausgaben eines Staates (Staat = Volkswirtschaft = Inland)"

Besser wäre, der Wirtschaftsubjekte eines Staates. Weil mit den Staatsfinanzen, also dem Bundeshaushalt, hat es nichts, aber auch garnichts zu tun.

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Mueller345 22.08.2016, 14:33

Vielen Dank, hab das jetzt gut verstanden. Noch eine andere Frage: Deutschland kreidet man ja aber einen Leistungsüberschuss immer an, also das Gegenteil vom Leistungsdefizit. Was ist daran dann verkehrt?

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gschyd 22.08.2016, 16:32
@Mueller345

Die Kritik bezieht sich nicht auf den Leistungsüberschuss per se an sondern an dessen Höhe.

So hatte Deutschland 2015 weltweit (!) den zweithöchsten (hinter China), wohingegen Japan mit grossem Abstand auf dem dritten Platz folgt (2010-2014 war D gar Spitzenreiter!).

In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenaustausch auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein - von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe. Der deutsche Überschuss entspricht rund 8,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. "Angesichts des niedrigen Ölpreises und des schwachen Euro dürfte sich der Leistungsbilanzüberschuss im neuen Jahr weiter erhöhen und wieder über acht Prozent liegen", hieß es weiter.

Die EU-Kommission stuft Werte von dauerhaft mehr als sechs Prozent als stabilitätsgefährdend ein. Da Deutschland seit Jahren über dieser Grenze liegt, wurde die Bundesregierung im März 2014 von Brüssel gerügt.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/China-verdraengt-Deutschland-article17051336.html

Und zum zweiten: Nicht die Exporte stehen im Mittelpunkt der Kritik der Kommission und unzähliger Wissenschaftler und Analysten weltweit. Das Problem, das in dem hohen Außenhandelsüberschuss zum Ausdruck kommt, sind die deutschen Importe, die seit der Jahrtausendwende nur kläglich gewachsen sind. Freilich, Importieren an sich kein Selbstzweck - auch die schwachen Importe sind vielmehr Folge eines tiefer liegenden Ungleichgewichts: Gemessen an der Wirtschaftsleistung wird in Deutschland ausgesprochen wenig investiert und konsumiert. ...

Hier verbirgt sich denn auch das eigentliche Problem. Die deutsche Volkswirtschaft bleibt seit über einem Jahrzehnt hinter ihren Möglichkeiten zurück. ...

Eine viel bessere Vorsorge für die Zukunft wäre es, wenn wir in eine zweckmäßige Infrastruktur, Bildung oder Maschinen investieren würden. Zu Recht fordert die Europäische Kommission ein, dass die Bundesregierung eine Rückführung des Leistungsbilanzüberschusses vorantreibt. Nicht durch eine Schwächung der Exporte, sondern mit besseren Rahmenbedingungen und Anreizen für Investitionen in Deutschland. Deutschland sollte die Vorschläge ernst
nehmen, im eigenen wie im europäischen Interesse.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/export-deutsche-ueberschuesse-sind-laut-diw-studie-noch-groesser-a-957919.html

Also eine logische und durchaus berechtigte Kritik - und zum Wohle Deutschlands.

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Mueller345 23.08.2016, 15:02
@gschyd

Sorry, ich weiß, bin etwas doof, aber kannst du mir das bitte nochmal erklären? :). Also ich als Laie denke mir immer, wenn ich einen Überschuss habe, dann ist das doch gut. Und es ist doch immer besser mehr zu exportieren, als zu importieren, weil das bedeutet doch, dass ich mehr Geld in die Kasse kriege und andererseits zeigt es auch, dass ich sehr produktiv und begehrt bin, weil andere meine Produkte haben wollen. Warum soll daher dann ein Überschuss von 6 % "stabilitätsgefährdend sein"? Und was meinst du vor allem mit den Investitionen.

Tut mir nochmal leid, aber bin Wirtschaftslaie :)

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gschyd 23.08.2016, 17:43
@gschyd

Kein Problem - dafür ist GF doch da - und ich antworte gerne :)

Wie schon FragSchlumpf erläutert, stehen Ländern mit Exportüberschüssen immer andere mit Defiziten gegenüber (diese müssen die ihre Importe über Schulden finanzieren).

Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein - in dem Sinne, dass damit die Schulden, derjenigen mit Defizit, nicht überborden.

  • Denn grosse Überschüsse resp. das daraus resultierende Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Ländern ist mitverantwortlich für die globale Finanz- und die Schuldenkrise.
  • Die 6% sind eine Vorgabe um das Ungleichgewicht innerhalb des Systems (=alle Länder) gering/überschaubar zu halten und damit das System insgesamt zu stabilisieren.

Ein hoher Export ist gut, das ist korrekt - aber ein hoher Import ist ebenfalls gut, denn damit wäre das (Gesamt)System in einem besseren Gleichgewicht - und ein höherer Import muss keineswegs die inländische Wirtschaft schwächen sondern kann die inländische Produktion ergänzen oder auch bei inländischen Engpässen überbrücken. Hier gilt für einmal, dass von einem kleineren Ungleichgewicht ALLE profitieren würden :)

Die Problematik bei Deutschland sind nicht die berechtigterweise :) hohen Einnahmen durch Exporte, sondern dass dieser vorhandene Überschuss für die Inländer besser verwendet werden könnte - man sagt auch die "Binnennachfrage" sollte erhöht werden.

Dies könnte zB durch stärkere Lohnerhöhungen erfolgen, wodurch bei Inländern eine höhere (Binnen) Nachfrage entsteht, die entweder durch zusätzliche Importe oder deutsche Produkte gedeckt wird.
Um die höhere Nachfrage nach inländischen Produkten zu befriedigen sind Investitionen (Arbeitskräfte, Maschinen/Anlagen) erforderlich (siehe unten).

Bei einer Investition wird Geld verwendet um etwas zu erreichen - zB

  • um die Kapazität einer Unternehmung zu erhöhen = mehr Güter produzieren (siehe unten)oder sie zu verbessern = bessere Güter (zB durch Forschung),beides kann erreicht werden in dem in neue Maschinen/Anlagen gekauft oder auch alte ersetzt werden und/oder indem mehr Arbeitskräfte eingestellt werden, deren Ausbildung verbessert wird ...
  • damit aus Ideen neue Produkte werden, die verkauft werden oder auch neue Technologien, die sich durchsetzen (fördern von Innovationen)
  • und es kann auch ins "Humankapital" (also die Menschen selbst) investiert werden zB Ausbau, Verbesserung/Anpassung von Schulen & Ausbildungen, Förderungen ... = Investition in die Zukunft :)

Ein sehr, sehr, sehr vereinfachtes Beispiel - wir haben zwei Länder A & B mit je einem Produkt AA & BB (die beide je 1 euro kosten)

  • Land A produziert 10xAA, exportiert davon 9 nach B (+9eur), 1 wird von Inländern nachgefragt und importiert 1 BB (-1 euro)
  • Land B produziert 10xBB, exportiert davon 1 (+1eur) nach A, 9 werden von Inländern nachgefragt und importiert 9 AA (-9eur)
  • Land A hat einen Exportüberschuss von 8eur und Land B ein ebenso hohes Defizit.
  • Wenn nun im Land A (mit den 8eur) die Löhne erhöht werden- kann einerseits die (Binnen)Nachfrage nach AA steigen (zB auf 3), wenn weiterhin nur 10 AA produziert werden und vorrangig das Inland beliefert wird, sinken die Exporte auf 7 AA (Exportüberschuss sinkt)- andererseits kann auch in die Produktionsfirma investiert werden, damit diese 12 AA produziert (und 9 AA weiterhin exportiert werden = Kapazitätserhöhung) - die Wirtschaft von A wird damit gestärkt- durch das höhere Einkommen steigt nicht nur die Nachfrage nach inländischen sondern auch nach importierten Gütern(mit höherem Import sinkt Exportüberschuss und da andere Länder mehr nach A exportieren können auch deren Defizit - und damit verringert sich das Ungleichgewicht, das gesamte System aller Länder ist stabiler).

Ungeniert frage, wenn Du noch was wissen möchtest :)

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gschyd 10.09.2016, 15:01

Merci für den Stern :)

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Und noch eine Ergänzung :

In Höhe eines Leistungsbilanzdefizites entsteht immer ein Schuldverhältnis, dass nur durch einen Leistungsbilanzüberschuss ausgeglichen werden kann und immer irgendwo auf der Welt eine Fremdwährungsposition, wenn die betreffenden Länder eine unterschiedliche Währung haben.

naja ein defizit ist ja bekanntlich etwas schlechtes...

Die Leistungsbilanz ist dann wohl ein zb unternehmen dass sich an ihrer Leistung also zb ihrer Mitarbeiter mithilfe eines Diagramm s bildlich darstellt um zu zu sehen wie rentabel das Und erfolgreich das Unternehmen ist...

In diesem Fall ist es ein schlechtes Ergebniss weil zb Mitarbeiter zu viel krank waren ... Oder zu viel Mitarbeiter es sind ...Kurz der Firma zu viel Geld kosten

Das heißt dann es werden welche entlassen werden müssen oder teilweise stundenweise eingesetzt werden um dieses defizit auszubessern 

hoff ich konnte helfen

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